Berlin Deutsche Oper Berlin, Peter Grimes – Bemerkenswerte Produktion mit erstklassigen Sängern, IOCO Kritik, 25.01.2013

Deutsche Oper Berlin © Bernd Uhlig
Deutsche Oper Berlin © Bernd Uhlig

Deutsche Oper Berlin

100. Geburtstag von Benjamin Britten: Peter Grimes 

Bemerkenswerte Produktion mit erstklassigen Sängern.

Im Jahr von Benjamin Brittens 100. Geburtstag fand vor einigen Tagen in der Deutschen Oper in Berlin die gefeierte Premiere von „Peter Grimes“, eine preisgekrönte Produktion der „English National Opera“ in London von 2006, statt.

Inszeniert ist das in Deutschland selten aufgeführte Werk von dem amerikanischen, aus einer Künstlerfamilie stammenden Theater- und Filmregisseurs David Alden, bekannt für seine Aufsehen erregenden Operninszenierungen.

Die musikalische Leitung der auf Englisch gesungenen Oper hat Donald Runnicles, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper, der sich auch als Botschafter der Musik von Britten versteht und sie auf deutschen Bühnen noch präsenter machen möchte.

Die Handlung wird in die Entstehungszeit des Werkes, also in die 40er Jahre, verlegt. Die Geschichte vom Außenseiter Peter Grimes, ein Fischer, der in den Verdacht gerät, sich an seinen Lehrlingen gewalttätig bzw. sexuell vergangen und sie sogar getötet zu haben, wird hier voller Intensität erzählt. In dem reduzierten und doch sehr wirkungsvollen Bühnenbild von Paul Steinberg (Licht von Adam Silverman), wird die bigotte und verlogene Gesellschaft des kleinen Fischerdorfes als skurrile Karikatur gezeichnet.

Eine, in stilisierender Choreografie (Maxime Braham) agierende Menschengruppe verdorbener, fanatischer und hysterischer, bestens typisierter Figuren (Kostüme von Brigitte Reiffenstuel), die brutal und skrupellos Peter Grimes in den Selbstmord treibt. So wie das Meer, das das Leben der Küstenbewohner bestimmt und bei Britten als Symbol für Gewalt steht, so gewalttätig ist auch die Dorfgemeinde selbst, die, um von den eigenen Sünden abzulenken bzw. sich rein zu waschen, sich über Peter Grimes hermacht und ihn verschlingt.

Grandios nuanciert und mit voller Klangfülle spielt das von Runnicles geführte Orchester – hin und wieder vielleicht etwas zu gewaltig. Wohlklingend und spielfreudig der Chor unter der Leitung von William Spaulding; fantastisch die Leistung der Sänger.

Der Brite Christopher Ventris ist ein bemerkenswerter Peter Grimes Interpret. Mit seinem durchschlagenden Heldentenor und großer Intensität stemmt er die schwierige Partie mühelos.

Michaela Kaune als Ellen Orford ist ihm eine ebenbürtige Partnerin. Ihr wohlklingender, lyrischen Sopran, die schönen Piani und die gute Phrasierung, tragen bedeutend zu ihrer, darstellerisch wie gesanglich, hervorragenden Leistung bei.

Ebenso überzeugend der Bariton Markus Brück als ehemaliger Kapitän, Dana Beth Miller als sensationslüsterne Mrs. Sedley, Rebecca de Pont Davies als herbe Auntie sowie die Hila Fahima und Kim-Lillian Strebel als ihre zwei Nichten.

Beeindruckend, nicht nur gesanglich, sondern auch in der Umsetzung, der im Stil von mechanischen Spielfiguren, minuziös ausgearbeiteten Choreografie (beide Stipendiatinnen des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin e. V.). Des Weiteren bestens besetzt die Rollen Bob Boles (Thomas Blondelle), Swallow (Stephen Bronk), Pastor Adams (Clemens Bieber), Simon Pauly (Ned Keene) und Albert Pesendorfer (Hobson).

Besonderer Beachtung bedarf auch die darstellerische Präsenz von Thomas Schneider als verstörter Fischerjunge (stumme Rolle).

Am Ende, nach dreistündigem Musikgenuss, große Ovationen für diese enorme Gesamtleistung.

IOCO / Gilberto Giardini / 25.01.2013

Kommende Termine Peter Grimes in der Deutschen Oper Berlin :

Di 5. Februar 2013 19:30 Uhr
Sa 9. Februar 2013 19:30 Uhr
Mi 13. Februar 2013 19:30 Uhr
Fr 15. Februar 2013 19:30 Uhr

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