Berlin, Komische Oper Berlin, Durchschlagender Erfolg für „West Side Story“, IOCO Kritik, 24.11.2013

Komische Oper Berlin 


Kritik

Durchschlagender Erfolg für West Side Story

Premiere – 24. November 2013

Komische Oper Berlin © IOCO
Komische Oper Berlin © IOCO

Moderne Version von Shakespeares Romeo und Julia, wurde das nach einer Idee des renommierten Choreographen Jerome Robbins kreierte und von Bernstein komponierte Musical 1957 in New York uraufgeführt. Das Buch dazu hatte der Broadway-Autor Arthur Laurents und die Gesangstexte, der damals beim Fernsehen arbeitende junge Stephen Sondheim geschrieben.

Zuerst unter dem Titel Romeo und dann East Side Story war das Stück als religiöser, jüdisch-katholischer Konflikt angedacht. Später dann, angeregt durch die damals in der New Yorker West Side brutalen Auseinandersetzungen zwischen den neueingewanderten Puerto-Ricanern und den alteingesessenen „Amerikanern“, entschied man sich, den auf Rassismus basierenden Kampf zweier Jugendbanden (Jets und Sharks) als zentrales Element der Handlung zu machen. Stolprig und voller Herausforderungen und Unsicherheiten, sowohl betreffend der Handlung wie auch des musikalischen Stils, war der Entstehungsprozess gewesen, doch schließlich war „West Side Story“ geboren – eines der in vieler Hinsicht einzigartigsten und erfolgreichsten Meilensteine der Musical-Geschichte.

Nun hat sich der Regisseur und Intendant Barrie Kosky in Zusammenarbeit mit dem Choreographen Otto Pichler („Ball im Savoy“) des Werkes angenommen und eine zeitgemäße, kraftvolle, dynamisch choreografierte und minimalistisch auf die Kernaussage reduzierte, ergreifende neue Version geschaffen. Bravo den beiden Künstlern und in diesem Zusammenhang ein großes Lob auch an die mitwirkende Dramaturgin Johanna Wall.

Alles spielt auf einer entleerten Bühne. Lediglich mit dem Einsatz gekonnter Lichtregie (Franck Evin), der Drehscheibe, der modernen Kostüme und einiger weniger Deko-Elemente (Ausstattung von Esther Bialas) wird der vorwiegend raue, trostlose und bedrohliche Rahmen für die Geschichte kreiert. Es geht um Hass, Liebe und Tod, um das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Sicherheit, um Liebe aber auch um die Angst vor dem Fremden. Ob es sich dabei um New York der 50er Jahre oder um eine andere Metropole der Gegenwart handelt; um Puerto-Ricaner, Amerikaner, Polen; jüdisch, katholisch oder einer anderen Religion zugehörig, all das ist von geringer Bedeutung, denn letztendlich sind es junge Individuen aus der gesellschaftlichen Unterschicht, ohne Job und gefangen in ihrer Perspektivlosigkeit voller Aggression und Angst, aber auch voller Stolz.

Sehr rührend die Szene als Maria und Tony in einer Zukunftsvision sich selbst als ein in die Jahre gekommenes tanzendes und dann sterbendes Paar begegnen, oder als das Lied „Somewhere“ – normalerweise nur von dem Paar im Duett gesungen – hier von beiden Jugendgruppen ins Publikum blickend eingestimmt wird – zwischen trauriger Resignation und zarter Hoffnung. (Manch einer musste sich dabei das eine oder andere herunterkullernde Tränchen vom Gesicht wegwischen).

Voller Dynamik und strotzend vor Energie ist die tänzerisch-gesangliche Leistung der 19 Tänzer/ Darsteller, selbst unterschiedlichster Herkunft, als Jets und Sharks.

Einfühlsam gestaltete Tansel Akzeybek den Tony und bezaubert mit eindringlichem Gesang und schöner, natürlicher Stimme die allbekannten Songs („Maria“, „Tonight“). Julia Giebel mit ihrem roten Schopf zeichnet eine etwas kindliche, aber gerade dadurch sehr verletzbare und zarte Maria. Ihr leichter Opernsopran charakterisiert bestens die Figur und bietet den perfekten Gegenpart zur feurigen, mit Belt-Stimme gesungenen Anita von Sigalit Feig. Beeindruckend in Darstellung und auch in seiner akrobatischen Darbietung der Amerikaner Daniel Therrien als Riff. Bemerkenswerte Gesamtleistung auch die aller weiteren, bestens besetzten Solodarsteller, u.a. Gianni Meurer als Bernardo, Kevin Foster als Chino, Christoph Späth als Polizist Schrank; besonders nennenswert die Interpretation von Peter Renz als Doc.

Klangvoll spielt auch das Orchester der Komischen Oper die grandiose Komposition Bernsteins – Mischung aus Oper, Jazz sowie jüdischer und lateinamerikanischer Klänge – hier in seiner vollen Instrumentalfassung unter dem schwungvollen Dirigat von Koen Schoots zu erleben.

Zum Schluss minutenlanger Beifallssturm für das kreative Team, alle Darsteller und für die rundum beeindruckende und bewegende Produktion!  Unter den zahlreichen auch prominente Premierengästen ebenfalls anwesend der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit mit Lebenspartner.

IOCO / G.G. / 24.11.2013

Weitere Vorstellungen West Side Story:      Freitag 13. 12.2013;  Mittwoch 18.12.2013; Montag 23.12.2013; 25.12.2013;  Sonntag 29.12.2013; Dienstag 31.12.2013;   Samstag 4.1.2014; Sonntag 5.1.2014; Samstag 25.1.2014;                 Samstag 24. Mai 2014; Samstag   7. Juni 2014

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