Bonn, Theater Bonn, Premiere Die Liebe zu den drei Orangen, IOCO Kritik, 29.11.2009


Kritik

Theater Bonn

 Die Liebe zu den drei Orangen  von Sergei Prokofjew

Theater Bonn / Die Liebe zu den drei Orangen © Theater Bonn
Theater Bonn / Die Liebe zu den drei Orangen © Theater Bonn

Es kommt nicht von ungefähr, dass dieses Werk des eigenwilligen Russen zu den beliebtesten des heiteren Musiktheaters zählt. Die witzige, temperamentvolle Musik und ein gut gezimmertes Libretto, nach der geistvollen, hintergründigen Vorlage von Carlo Gozzi, die sich nicht immer sofort erschließt, sind nicht nur Anreiz für den Konsumenten. Auch für die Künstler ist es mit Sicherheit reizvoll, sich voll zu entfalten, soweit die Phantasie reicht.

Theater Bonn / Die Liebe zu den drei Orangen © Theater Bonn
Theater Bonn / Die Liebe zu den drei Orangen © Theater Bonn

Phantasievoll und mit dem erforderlichen hintergründigen Humor ging auch der Regisseur dieser Produktion zu Werke. Philipp Himmelmann ist eine durchgängig märchenhafte, plausible Inszenierung zu danken. Es gab in der Personenführung keinen Leerlauf, weder Verfremdungen, noch blöde Mätzchen. Der Handlungsablauf blieb immer nachvollziehbar und erkennbar. Zudem gelang es Himmelmann, eine immer fühlbare Spannung zu erzeugen.

Große Pluspunkte waren auch die wirklich märchenhafte Ausstattung von Hermann Feuchter, die schnellste Umbauten ermöglichte, sowie die traumschönen, zum Teil bizarren Kostüme, die Katharina Kopp entworfen hatte.

Theater Bonn / Die Liebe zu den drei Orangen © Theater Bonn
Theater Bonn / Die Liebe zu den drei Orangen © Theater Bonn

Solide präsentierte sich die musikalische Komponente. Der Mann am Pult leistete hervorragende Arbeit. Roland Techet hatte nicht nur den ganzen Apparat sicher im Griff, sondern erfreute mit ausgeprägtem Gefühl für effektvollen Aufbau und ließ das Beethoven Orchester Bonn nervig und geschärft artikulieren.

Das Sängerensemble war durchwegs solide und die Leistungen zufriedenstellend. Nicht sehr edel klang die Stimme von Mark Rosenthal in der Rolle des Prinzen. Die hohen Noten wurden von ihm mit viel Kraftaufwand gestemmt. Aber er hatte eine sehr sympathische Ausstrahlung und war spielerisch sehr agil.

Einfach hervorragend in Stimme und Spiel überzeugte Tansel Akzeybek als Truffaldino, der den Prinzen bei seinen Abenteuern begleitet. Er bekam zu recht den meisten Beifall.

Theater Bonn / Die Liebe zu den drei Orangen © Theater Bonn
Theater Bonn / Die Liebe zu den drei Orangen © Theater Bonn

Sehr präsent, mit furioser Attitüde und ausgezeichnet gesungen, war die Zauberin Fata Morgana von Ingeborg Greiner. Sonor und füllig klang der Bass von Rúni Brattaberg als König Treff. Ganz prächtig präsentierte sich Alexey Antonov als furchteinflößende Köchin.
Der Chor klang gut, wenngleich hier die Herren häufig ins Brüllen gerieten. Ansonsten erlebte man in den kleinen und kleinsten Rollen intensive Gestaltung und solide Gesangsleistungen.

Ein ganz großes Lob muss man der großartigen Akrobatentruppe aussprechen.

Das Publikum spendete frenetischen Beifall. Man sollte diese schöne Produktion gesehen haben. Der weiteste Weg lohnt sich.

IOCO / UGK / 29.11.2009

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