Bonn, Theater Bonn, Agnes Baltsa – Griechische Lieder, IOCO Kritik, 30.01.2011


Kritik

Theater Bonn

Theater Bonn © Theater Bonn
Theater Bonn © Theater Bonn

Theater Bonn / Opernhaus / 30. Januar 2011

Agnes Baltsa singt griechische Lieder

am Flügel: Achilleas Wastor

Theater Bonn / Agnes Baltsa © Lilian Szokody
Theater Bonn / Agnes Baltsa © Lilian Szokody

Ein internationaler Star, Kammersängerin und Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper, Agnes Baltsa, stellte sich, erstmalig in Deutschland, nach ihren Erfolgen auf allen großen Opernbühnen der Welt, am 30.01.2011 dem Bonner Publikum mit einem, auf hohem Niveau gesungenen populären Lieder-Repertoire aus ihrer Heimat vor, und machte damit einen Ausflug in die köstliche Folklore-Musik Griechenlands.

Ihr klug ausgesuchtes Programm griechischer Lieder hatte den Stempel des Außergewöhnlichen; dies versprach ein interessanter Abend zu werden.

Die Kunstlieder von Stavros Xarhakos, Mikis Theodorakis, Manos Hadjidakis, Spiros Peristeris und Vassilis Tsitsanis mit Texten von Nikos Gatsos, Manos Eleftherious oder Vagelis Goufas sind in Griechenland bekannte und beliebte Volkslieder, wie bei uns beispielsweise Goethe-Schubert oder Heine-Schumann.

Musik und Texte spiegeln die zeitgenössischen Empfindungen der bedrückenden Zeit der Griechischen Militärdiktatur (1967 – 1974) wieder. Sie handeln von Tod, Unterdrückung, Leben und der Hoffnung auf Freiheit .

Theater Bonn / Agnes Baltsa © Lilian Szokody
Theater Bonn / Agnes Baltsa © Lilian Szokody

Es ist natürlich immer ein schwieriges Unterfangen, einen Liederabend zu gestalten, wenn man sich und seine Stimme ein Leben lang insbesondere auf Rossini, Mozart, Strauß u.a. spezialisiert hat. Doch der Primadonna gelang es.
Wer hat Agnes Baltsa nicht schon irgendwo begeistert und hingerissen zugejubelt, wer unter den Musikfreunden schätzt nicht ihre ausgefeilten, subtilen Gesangskünste.

Auch die Bonner Oper spielte in der schillernden Laufbahn dieser Künstlerin eine nicht unwesentliche Rolle, sie sang hier bereits die Carmen, von der die Bonner Fangemeinde heute noch schärmt.

Agnes Baltsa, geboren auf der ionischen Insel Lefkas, war so etwas wie ein singendes Wunderkind, das schnell im Musikleben der kleinen Insel auffiel. Sie besuchte das Konservatorium der Stadt Athen, verließ Griechenland aber schon bald. Versehen mit einem Callas-Stipendium, ging sie nach München, und vervollständigte dort ihr Gesangsstudium. Das erste Engagement erhielt sie von Christoph von Dohnanyi in Frankfurt als Cherubino (Hochzeit des Figaro). Kurze Zeit später sang sie bereits den Octavian (Rosenkavalier) an der Wiener Staatsoper und so begann ihr unaufhaltsamer Aufstieg.
Mit Herbert von Karajan wurde die Künstlerin zum Weltstar. Zu ihren wichtigsten Rollen zählten u.a. Eboli, Octavian, Komponist und Carmen.

Am 30.Januar 2011 galt es nun, dem Bonner Publikum, das von ihr ausgewählte griechische Volksgut zu vermitteln. Agnes Baltsa, begleitet vom Pianisten, Achilleas Wastor, tauchte in die Atmosphäre ihrer griechischen Heimat ein und beschenkte uns mit wunderbarer, oft noch völlig unbekannter Musik.
Sie sang ihre Lieder mit fast schüchtern kindhaftem Sentiment, manchmal märchenhaft zart und vielfältig im Charakter; dann plötzlich mit linder Trauer und beherrschter Verzweiflung. Sie bewies von Leidenschaft und sprühender Lebenslust ausdrucksvoll getrieben, die Einheit von Material und intelligenter Musikalität mit unzähligen Nuancen. In ihrer Stimme lag ganz Griechenland.

Sie war in allen Liedern eine einmalige Interpretin und erfüllte die gesanglichen und dramatischen Ansprüche ihrer Musik vollkommen mit mitreißendem Farbenreichtum.

Der ganze Abend war von starken pulsierenden Gefühlen beflügelt.

Dazu beigetragen hatte ebenso Pianist Achilleas Wastor. Er gewann dem Flügel denselben interessanten lockeren Klang ab, wie die Sängerin ihrer Stimme. Dem erfahrenen und einfühlsamen Pianisten entgingen auch nicht die winzigsten Nuancen. Er reagierte auf die kleinste – und sei es noch so spontanste Ausdrucksweise der Sängerin. Der zurückhaltende und doch erfrischend begleitende Achilleas Wastor war dem Star des Abends ein ebenbürtiger Partner am Flügel und trug einen Löwenanteil zum musikalischen Gelingen bei. Seine pianistisch brillant vorgetragenen Klavier-Solos erwiesen sich als weitere Höhepunkte des Abends.

Mit außergewöhnlich langem Beifall dankte das Publikum für einen schönen Abend.
Sängerin und Begleiter wurden vom begeisterten Publikum zu zwei weiteren Zugaben gedrängt.

IOCO / KK / 30.01.2011

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