Chemnitz, Theater Chemnitz, Premiere: WERTHER, 30.01.2016

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Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski
Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

  WERTHER von Jules Massenet

nach Goethes Roman Die Leiden des jungen Werther

Premiere: 30. Januar 2016, 19.30 Uhr im Opernhaus Chemnitz, Weitere Vorstellungen:, 20. Februar, 19.30 Uhr, 6. März, 18.00 Uhr, 13. März, 15.00 Uhr

 Oper Chemnitz / Werther von Jules Massenet © Dieter Wuschanski / Theater Chemnitz
Oper Chemnitz / Werther von Jules Massenet © Dieter Wuschanski / Theater Chemnitz

  Die literarische Vorlage
Der junge Werther verliebt sich in Charlotte, die älteste Tochter eines Witwers in Wetzlar. Bei einem Ball kommen die beiden sich näher, doch beim Nachhausebringen eröffnet ihm Charlotte im Augenblick höchster Vorfreude auf den ersten zarten Kuss, dass sie verlobt sei. Die Leiden des jungen Werther, Schlüsselroman des Sturm und Drang, machte nicht nur seinen Schöpfer, den jungen Goethe, 1774 quasi über Nacht europaweit zu einer Berühmtheit, sondern schuf auch eine archetypische Konstellation der Romantik: die der unerfüllten, unerfüllbaren beiderseitigen Liebe. Das größte Verdienst des Romans ist zweifellos dasjenige, ein neues literarisches Männerbild erschaffen zu haben: War der Mann bis dahin auf „Ritter“ gebucht, der nach klassischen Tugenden und namentlich militärischen Maßstäben bemessen wurde, galt es plötzlich als akzeptabel, Gefühle zu zeigen und sogar in der Öffentlichkeit zu weinen. Die Romantik war angebrochen, jene Epoche, die dem zunehmend einengenden Rationalismus und Pragmatismus die irrealen Welten der Nacht, der Gefühle, der Sehnsucht und der Fantasie entgegensetzten.

 Oper Chemnitz / Werther von Jules Massenet © Dieter Wuschanski / Theater Chemnitz
Oper Chemnitz / Werther von Jules Massenet © Dieter Wuschanski / Theater Chemnitz

Der Komponist
Werthers unglückliches Verzweifeln an seiner hoffnungslosen Liebe zu Charlotte musste daher einen Ur-Romantiker wie den französischen Komponisten Jules Massenet (1842-1912) fesseln. Seine Vertonung aus den 1880er-Jahren – übrigens bei weitem nicht die erste Werther-Oper – vereinigt alle Qualitäten des „lyrischen Dramas“ in sich, das er in einigen Opern zuvor kultiviert hatte. Massenet war zur Zeit der Belle Epoque zweifellos einer der erfolgreichsten Opernkomponisten überhaupt, doch seine zahlreichen Werke sind nicht einfach zu besetzen und haben die Repertoires deutscher Stadttheater daher erst zu einem kleinen Teil erreicht. Manon Lescaut und Werther sind die Ausnahmen, was gerade bei letzterer erstaunlich ist: In Deutschland geißelte man seinerzeit jede Verarbeitung eines Goethe-Stoffes als Sakrileg, was erklärt, warum es so wenig Opern nach Stoffen des größten deutschen Dichters gibt. Massenets Werther aber eroberte nach der Uraufführung in Wien 1892 die deutschsprachigen Bühnen im Flug und blieb die bis heute erfolgreichste seiner Opern in deutschen Musiktheatern. Grund genug für das Chemnitzer Opernhaus, dieses Kleinod nun auch hier erstmals aufzuführen. Werther besticht mit einer Fülle eingängiger Melodien, die aber nie in Kitsch oder Schwelgerei abgleiten, sondern nach einem klugen Motivkonzept miteinander verknüpft sind. Die hochromantische Tonsprache Massenets, die der dramaturgisch großen Fallhöhe der Handlung nahtlos folgt, setzt neben breiten Streicherkantilenen auch überraschende Effekte wie Saxophonklänge ein und lässt in bester Opern-Manier hin und wieder gleichsam die Zeit stehen, um den wertvollen Augenblick zu zelebrieren.

 Oper Chemnitz / Werther von Jules Massenet © Dieter Wuschanski / Theater Chemnitz
Oper Chemnitz / Werther von Jules Massenet © Dieter Wuschanski / Theater Chemnitz

 Die Handlung
Leicht abweichend vom Roman führt die Oper zunächst in die Familie des Amtmannes, der nach dem kürzlichen Tod der Mutter die älteste Tochter Charlotte im Haushalt vorsteht. Um die sechs jüngeren Kinder zu beschäftigen und abzulenken, übt der Vater mit ihnen ein Weihnachtslied ein, obwohl es Sommer ist. Seine Stammtischfreunde Johann und Schmidt spekulieren über Details des bevorstehenden Balls. Zu diesem wird Charlotte vom jungen Herrn Werther abgeholt – zum Verdruss ihrer nächst jüngeren Schwester Sophie, die noch nicht mitgehen darf. Nach Mitternacht bringt Werther Charlotte beschwingt nach Hause, doch im Moment größter Innigkeit informiert der Amtmann seine Tochter darüber, dass ihr Verlobter Albert heimgekehrt sei. Werther fällt in eine tiefe Depression. Als ihm einige Tage später Albert das Glück vor Augen hält, an dem er – Werther – nicht teilhaben darf, und als Sophie sich als nur scheinbar gute „Ersatz-Partnerin“ anbietet, versucht Werther, Charlotte für sich zu gewinnen. Doch sie bleibt Albert treu und bittet Werther, fortzugehen und nicht vor Weihnachten wiederzukehren. – Kurz vor Weihnachten bricht Charlotte unter der Last ihrer Gefühle zusammen, ausgelöst durch eine Flut von Briefen, die Werther ihr mittlerweile geschrieben hat. Bei ihrem Wiedersehen gibt sich Charlotte kurz der früheren Harmonie und fast auch seinen Liebesschwüren hin, fordert ihn aber dann ultimativ auf, sie zu verlassen. Werther gehorcht – und erbittet von Albert dessen Pistole „für eine lange Reise“. Als Charlotte bewusst wird, was es damit auf sich hat, ist es bereits zu spät – Werther hat sich in den Kopf geschossen und stirbt in ihren Armen. Nun endlich kann sie auch ihm ihre Liebe gestehen.

Musikalische Leitung: Felix Bender, Inszenierung: Anthony Pilavachi,  Bühne und Kostüme: Markus Meyer;   Mit: Timothy Richards (Werther), Cordelia Katharina Weil (Charlotte), Andreas Beinhauer (Albert), Guibee Yang/Franziska Krötenheerdt (Sophie), Matthias Winter (Le Bailli), Andreas Kindschuh (Johann), Edward Randall (Schmidt), Thomas Mäthger (Brühlmann), Michaela Görg (Käthchen), Mitgliedern des Kinder- und Jugendchores der Oper Chemnitz. Es spielt die Robert-Schumann-Philharmonie.

—| Pressemeldung Theater Chemnitz |—

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