Christoph Willibald Gluck, Komponist und Reformer – 300 Jahre, IOCO Portrait, 02.07.2014

Portrait

Christoph Willibald Gluck: Hofkapellmeister, Reformer, Superstar

Christoph Willibald-Gluck © IOCO
Christoph Willibald-Gluck © IOCO

Christoph Willibald Gluck, 2. Juli 1714 – 15. 11. 1787,  steht in der ersten Reihe bedeutender europäischer Opernkomponisten. Das Kunstwerk Oper, in welcher Handlung, Emotionen und Musik eine kompositorische Einheit bilden, bestand zu Anfang des 18. Jahrhunderts nicht. In Deutschland überwogen emotionslose Singspiele, in Italien herrschte unwirklicher Schöngesang. Zu ihrer noch heute geltenden Form, zu struktureller Neuerung fand die europäische Oper erst durch Christoph Willibald Gluck. Dennoch wird Gluck zu seinem 300. Geburtstag (2. Juli 2014) wenig gefeiert. Verdi, Wagner und Richard Strauss und deren Geburtstage stehen im Vordergrund, sind populärer. Sie jedoch sind nicht die Lehrmeister der Moderne. Christoph Willibald Gluck war es, welcher die italienische Opera Seria, die französische Tragédie lyrique, Vaudeville, buffa, deutsches und österreichisches Singspiel reformierte und abendländisches Opernschaffen zu neuen Ufern führte.

Gluck wurde als erstes von neuen Kindern eines Försters in Diensten des Fürsten Lobkowitz in Erasbach, Oberpfalz, geboren. Vom Försterdasein weniger angezogen als von der Musik, er spielte bereits in jungen Jahren mehrere Instrumente, verließ er sein Zuhause als ihm das Musikstudium verweigert wurde. Seine heimliche Flucht („…mit wenig Groschen in der Tasche, verließ ich heimlich das elterliche Haus..“) führte ihn nach Prag, wo er studierte und sich als Tanzgeiger durchschlug. In Mailand studierte Gluck ab 1737 Kompositionslehre und wurde als leichter italienischer Komponist auffällig: Artaserse (1741), Demetrio, Demofoonte , Il Tigrane, La Sofonisba, Ipermestra, Poro(1744), Ippolito (1745) heißen seine in Italien geschriebenen, heute weitgehend unbekannten Singspiele. 1746 begann Gluck eine intensive Reistätigkeit, meist als Mitglied einer mobilen Operntruppe. In London lernt er Georg Friedrich Händel, in Paris Jean Philippe Rameau und deren Opernkunst kennen. Aber auch in Prag, Hamburg, Kopenhagen, Wien, Dresden und Neapel war Gluck präsent, mit eigenen Kompositionen.

Wiener Wohnhaus / Christoph Willibald © IOCO
Wiener Wohnhaus / Christoph Willibald © IOCO

Um 1750 wird Gluck in Wien endgültig ansässig, heiratet Maria Anna Bergin, wird von 1752 bis 1764 Hofkapellmeister (Antonio Salieri wird dort ab 1774 sein Nachfolger) und entwirft für Kaiser Franz I. (Gatte der Erzherzogin Maria Theresia) erfolgreich heitere Vaudeville-Opern, welche bereits ein neuer realistisch-einfacher Ausdruckstil prägt: Der bekehrte Trunkenbold, Der betrogene Kadi, Die Pilger von Mekka. Intensive Opern-Reformen beginnt Gluck jedoch erst 1761, als er den Dichter und Diplomaten Raniero da Calzabigi kennenlernte. Den in Italien dominanten wie sinnesfrohen Schöngesang, beherrscht von Primadonnen, Kastraten zurück zu drängen, sich von der Opera seria abzuwenden und die Gleichwertigkeit von Text und Musik in der Oper herzustellen wurde zu ihrer Mission: „…war meine Absicht, Mißbräuche, welche die Eitelkeit der Sänger.. und der Komponisten eingeführt haben, zu vermeiden. Die Handlung nicht immer wieder zu unterbrechen..durch unnütze Verzierungen zu entstellen.“ Mit Calzabigi komponiert Gluck die ersten großen Reformopern in italienischer Sprache Orpheus und Euridike (1762), Aleceste (1767) und Paris und Helena (1769). Die Dichtungen (Libretti) lösen sich darin von modischen Vorbildern und stellen die Charaktere in psychologisch motivierte Zusammenhänge und erlauben es, „Leidenschaften auszudrücken und eine energische Musik zu schaffen“. Kompositionen mit überladenen Da-capo Arien und Ziergesang (Virtuosenfutter) für italienische Belcantisten lehnt Gluck ab.  Glucks  formt Lieder, Arien, Tänze und Chöre voll authentischer Emotionalität, ausdrucksvolle dramatische Szenen. Seine Opern werden in ganz Europa gespielt. Christoph Willibald Gluck ist endgültig zu einen Superstar seiner Epoche geworden. Papst Benedikt XIV. ernannte ihn 1756 zum Ritter des Goldenen SpornsGluck durfte sich fortan Ritter von Gluck (Bild) nennen.

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1773 lässt sich Gluck in Paris nieder: Marie Antoinette, Tochter der Erzherzogin Maria Theresia, seine ehemalige Gesangsschülerin in Wien, vermittelte ihm einen Auftrag der Pariser Operndirektion über sechs Opern in französischer Sprache. Die erste Oper dieses Auftrags, Iphigenie in Aulis (1774) sollte ungeahnte Folgen haben: Ein lange schwelender Streit über die „Vorherrschaft“ des italienischen oder französischen Opernstils (Buffonisten-Streit) brach wieder aus und trug absurde wie verletzende Züge. Die Oper Roland, an der Gluck 1775 gerade arbeitete, wurde von seinem Pariser Widersacher Piccinni auf „italienisch“ komponiert. Gluck zerstörte aufgebracht seine bereits erarbeitete Komposition von Roland. Der Streit war heftig, doch nur zwischen den Anhängern, den Gluckisten und Piccinnisten. Denn die Väter dieses Streits, Gluck und Piccinni, schlossen inmitten des Streits ihrer Anhänger Freundschaft. Die Opern Armide, eine französische Version seiner früheren Orpheus und Euridike, Iphigenie auf Tauris (1779), Echo und Narziß (1779) entstanden in Paris.

Grabstätte Christoph Willibald © IOCO
Grabstätte Christoph Willibald © IOCO

In den Proben zu Echo und Narziß erlitt Gluck am 30. Juli 1779 einen Schlaganfall, von dem er sich nie richtig erholte. Er zog sich nach Wien zurück, komponierte noch kleinere Werke und starb am 15. November 1787 nach einem weiteren Schlafanfall. Zu seinem Begräbnis dirigierte Antonio Salieri, dann Wiener Hofkapellmeister, Glucks Komposition  De profundis.

Christoph Willibald Gluck war zu seinem Tode berühmt und angesehen, als Mensch, Komponist und Reformator. Wolfgang Amadeus Mozart hatte ihn vor seinem Tod mit seiner Frau Constanze in Wien noch besucht.    IOCO / Viktor Jarosch / 02.07.2014

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