Dortmund, Theater Dortmund, Premiere Falstaff von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 11.04.2010

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Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund
Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

 Falstaff   von  Giuseppe Verdi
Premiere am 11.04.2010

Theater Dortmund / Falstaff © Bettina Stöß / Stage Picture
Theater Dortmund / Falstaff © Bettina Stöß / Stage Picture

Shakespeares Sir John Falstaff ist der gewichtige Held zahlreicher Opern, unter anderem von Dittersdorf (1796), Salieri (1798), Balfe (1838), Otto Nicolai (1838) und Adam (1856). Doch keine dieser Opern wurde so bekannt, beliebt und erfolgreich sieht man von Nicolais Lustigen Weibern von Windsor ab wie die Vertonung dieses Stoffes.von Giuseppe Verdi.

Nun war Verdis Schwanengesang, 1893 uraufgeführt, nach langer Abwesenheit mal wieder in Dortmund zu erleben in einer durchaus respektablen Inszenierung und mit einer hoch befriedigenden musikalischen Wiedergabe.

Theater Dortmund / Falstaff © Bettina Stöß / Stage Picture
Theater Dortmund / Falstaff © Bettina Stöß / Stage Picture

Die Regisseurin Beverly Blankenship präsentierte eine temporeiche Inszenierung, mit einer sehr straffen Personenführung, vielfach derb, hart auf der Grenze den guten Geschmack zu verletzen, aber auch in vielen Momenten sehr sensibel, wenn es um die menschlichen Gefühle ging. Zugute kam ihr dabei, dass ihr ein Ensemble zur Verfügung stand, dass ihre Intentionen in hohem Maße umsetzen konnte. Zwei Kernaussagen des Stückes, nämlich, dass es in ihm weder Sieger noch Besiegte gibt und dass alles auf der Welt Spaß ist, kann sie gut verdeutlichen.

In dem frugalen, aber doch sehr gut bespielbaren Bühnenbild von John Lloyd Davies dominierte ein großer Kubus auf der Bühnenmitte Schauplatz fast aller Aktivitäten. Ansonsten gab es wenig Versatzstücke. Ein hübscher Einfall war es, Falstaffs Behausung auf einen Rolls Royce Oldtimer zu reduzieren. Dort soff und völlte er, da empfing er Mrs. Quickly (dabei zog er ihr gekonnt das Höschen aus) und brachte es auch fertig, sich in diesem Gefährt für seine Rendezvous umzuziehen.

Theater Dortmund / Falstaff © Bettina Stöß / Stage Picture
Theater Dortmund / Falstaff © Bettina Stöß / Stage Picture

Die Kostüme, Alltagskleidung zeitlich nicht definierbar, entwarf Susanne Hubrich. Warum in dem turbulenten Finale, das zur Groteske wurde, Chor und Solisten zu monströsen Wesen mit voluminösen Hinterteilen, Brüsten und Penissen unterschiedlicher Größe “auswattiert und gepolstert” wurden, konnte nicht nachvollzogen werden, es war wohl nur eine peinliche Entgleisung, nicht mehr.

Sehr erfreulich war die musikalische Seite dieser neuen Produktion. Der Dirigent GMD Jac van Steen stürzte sich vehement in die Partitur. Die musizierte Italianatá erschöpfte sich nicht allein in der offenbaren Liebe zum Werk, sondern wurde gestützt durch geschmackvolle Rubati, straffe federnde Tempi, prägnante rhythmische Akzente und die Kunst, mit den Sängern zu atmen und ihnen somit die Möglichkeit zu geben, sich “sicher” zu entfalten.  Granville Walker hatte die Chöre sorgsam einstudiert.

Die Titelpartie gestaltete Jacek Strauch mit intensivem Spiel, manchmal burlesk, auch melancholisch, und bei gelegentlicher Derbheit blieb er doch immer eine Standesperson. Sein wunderbar warmer, fließender Bariton, ließ auch gesanglich keine Wünsche offen.

Theater Dortmund / Falstaff © Bettina Stöß / Stage Picture
Theater Dortmund / Falstaff © Bettina Stöß / Stage Picture

Mit auftrumpfender Stimme und sehr temperamentvollem Spiel verkörperte Simon Neal den Ford. Ein sehr sympathischer Fenton war Craig Bermingham, dessen kräftiger Tenor manchmal zu kehlig klang. Stephan Boving war ein wieselflinker Dr. Cajus. Hannes Brock als Bardolfo und Marko Spehar als Pistola waren zwei prächtige, zwielichtige Pennertypen.

Mit schönem ausdrucksstarken Sopran und gediegenem Spiel, konnte Christina Rümann als Alice Ford gefallen. Auch die schwanger ausstaffierte Meg Page von Maria Hilmes gefiel.

Andrea Rieche konnte als Mrs. Quickly alle Facetten ihres komödiantischen Spiels zeigen und wusste auch vokal entsprechend aufzutrumpfen.  Doch die Krone des Abends gebührte Julia Amos als bezaubernde Nannetta, die dazu noch schön und glockenrein sang.

Das Publikum im nicht ganz ausverkauftem Haus spendete kräftigen Beifall von einem einzigen, zaghaften Buh durchbrochen.   

IOCO / UGK / 11.04.2010

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