Dresden, Semperoper, Thielemann nun in Dresden, IOCO Aktuell, 10.02.2010


Aktuell

Dresden / Ministerin Sabine von Schorlemer und Christian Thielemann © IOCO
Dresden / Ministerin Sabine von Schorlemer und Christian Thielemann © IOCO

Semperoper Dresden

 Christian Thielemann in Dresden angekommen

Die aktuellen Ereignisse um Fabio Luisi und Christian Thielemann  nötigten deren Arbeitgeber, den Freistaat Sachsen, am 10.2.2010 zu einer Pressekonferenz im imposanten Rundfoyer der Semperoper. Einladende waren die Sächsische Kunstministerin Sabine von Schorlemer und die Staatskapelle Dresden, vertreten durch deren designierte Intendantin, Dr. Ulrike Hessler.  Auf dem Podium saß auch Christian Thielemann 

Wenngleich die offizielle Agenda  `Vorstellung von Chr. Thielemann…´  hieß,  so informierte Ministerin von Schorlemer  zunächst offensiv über die von Fabio Luisi ausgesprochene  fristlose Kündigung. Luisi hatte zudem erklärt, nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurück zu kehren. Laut Frau von Schorlemer  akzeptiert der Freistaat Sachsen, als Dienstherr von Luisi, diese Kündigung nicht. Man sei von der  Kündigung überrascht worden;  vorangegangene “Aussprachen“, welche auf gravierende Probleme hingedeutet hätten, sind nicht bekannt. Die zuständigen Stellen werden sich, so von Schorlemer, um Lösungen   bemühen. Alternativen zu Luisi suche man, bisher noch ohne Ergebnis. Luisi habe in Dresden erfolgreich gearbeitet, wiederholte von Schorlemer etwas Drehbuchhaft..

Frau Lemke-Matwey  (Tagesspiegel) übernahm die weitere Moderation der Vorstellung  von Herrn Thielemann.  Warum er ab 2012  Chefdirigent  der Sächsische Staatskapelle  werden wolle? Dessen Antworten eloquent, etwas sehr bescheiden, wirkten glatt: “Er  glaube sich mit dem Orchester unausgesprochen zu verstehen; man könne sich riechen; Wellenlänge sei schnell gegeben gewesen; Dresden sei reizvoll; selbst die sächsische Sprache erfülle ihn mit Überschwang. Abschließend, mit München habe er keinen Dissens (!) nur, sein Vertrag würde dort 2012 enden.” So ging es eine ganze Weile, weich gewaschen.

Spannender waren die  inhaltlichen Themen zu Thielemanns Tätigkeit: Sein Vertrag läuft von 2012 bis 2019,  also sieben  Jahre.  Er nimmt die Funktion des Chefdirigenten ein, nicht  die eines Generalmusikdirektors: Diese Struktur wurde gewählt, damit er sich auf die zentralen  künstlerischen Aspekte seiner Tätigkeit konzentrieren  könne. 45 Konzerte / Opern wird es mit der Staatskapelle pro Jahr geben. Schwerpunkt der Opernproduktionen liege auf  Richard Wagner und Richard Strauß. Für das kommende Sylvesterkonzert muß es natürlich auch Operette sein.

Auf Fortschritte in der heutigen  Musikkultur angesprochen positionierte sich Thielemann: “Heute ist es oft  drängender, alte Klangkörper, wie  die von Furtwängler und Karajan entwickelten, wiederherzustellen“.

“Ob er über Dirigate  hinaus zu anderen Sternen greifen möchte?”  Thielemann: “Ich kann zwar auch Klavier spielen, denke aber nicht im Traum daran, eigene Klavierkonzerte zu geben oder andere ablenkende Aufgaben zu übernehmen”. Unausgesprochen: undenkbar: In Placido Domingo-Stil neben seinen Dirigaten zu singen, Regie zu machen oder in fernen Musiktheatern als General Manager zu fungieren. Denkbar sind  kleinere  Ausnahmen, wie in einfacheren Barockkonzerten am Cembalo zu spielen. Für zusätzliche Schwerpunkte gäbe es keine Zeit, kein Interesse.

Die Sächsische Staatskapelle reize ihn  auch, weil er mit ihr Konzerte  und Opern machen könne.  Die Semperoper sei in ihrer Anlage besser für Opern geeignet denn  für Konzerte. Eine langjährige, enge Zusammenarbeit mit Baden-Baden strebe er an; eine gemeinsame Ring- und Ariadne-Produktion. Details stehen noch nicht fest.

Die anschließenden Fragen der Presse kreisten erneut um die Streitigkeiten mit Fabio Luisi. Fragwürdig blieben die Hintergründe um das ZDF-Sylvesterkonzert 2010Wieso dirigiert dort Christian Thielemann die Sächsische Staatkapelle, obwohl  Fabio Luisi deren Generalmusikdirektor ist? Thielemann und von Schorlemer schwiegen dazu. So  hofft man in Sachsen mit Christian Thielemann eine Persönlichkeit gewonnen zu haben, welche das Ansehen von Semperoper und Freistaat Sachsen langfristig steigert. Christian Thielemann: In München gescheitert, in Dresden Hoffnungsträger.  IOCO / Viktor Jarosch  / 11.02.2010

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