Dresden, Staatsoperette Dresden, Carl Millöcker – Gasparone, IOCO Kritik, 24.11.2012


Kritik

Staatsoperette Dresden

Gasparone von Carl Millöcker 

“Dunkelrote Rosen bring ich, schöne Frau“

Staatsoperette Dresden / Gasparone © Staatsoperette Dresden
Staatsoperette Dresden / Gasparone © Staatsoperette Dresden

Seit 65 Jahren spielt die Dresdner Staatsoperette in dem Ballsaal eines großen Gasthofes in Alt-Leuben und ist in diesen Jahren zu einer Institution geworden. Die Besucher lieben den Charme des Provisoriums und die immer gut besuchten Vorstellungen unterstreichen die Anhänglichkeit zur Spielstätte. Aber man liebt natürlich die Operette, dieses Genre Musiktheater, das an den meisten Bühnen ein Schattendasein führt, weil sich die Regisseure schwer damit tun, aus welchen Gründen auch immer.

Hier in der Staatsoperette wird fast ausschließlich Operette gespielt und die Intendanz achtet darauf, dass ein Werk nicht mit aller Macht gegen den Strich bebürstet wird und dass kein profilierungswütiger Regisseur mit rigiden “Einfällen“ die Handlung zur Unkenntlichkeit verfremdet.

Staatsoperette Dresden / Gasparone © Staatsoperette Dresden
Staatsoperette Dresden / Gasparone © Staatsoperette Dresden

Mit Carl MillöckersGasparone“ wurde eine kleine “italienische Saison“ gestartet, die im Laufe der Spielzeit noch “Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss und “Giuditta“ von Franz Léhar präsentieren wird.

Im Repertoire sind weiterhin Werke von Johann Strauss, Carl Millöcker, Ralph Benatzky und Jacques Offenbach, sowie einige Musicals. Matthias Oldag setzte “Gasparone“, diese “Räuberpistole“ über einen sizilianischen Räuber, den es gar nicht gab, mit viel Schwung, Witz und Situationskomik in Szene. Dazu schuf Barbara Blaschke eine hübsche, bunte Bühne und wunderbare, üppige Kostüme, die eine Augenweide waren.

In prächtiger Spiellaune präsentierte sich das Orchester der Staatsoperette. Der Mann am Pult, Christian Garbosnik, sorgte für Zusammenhalt und es gelang ihm und dem Orchester in hohem Maße, Millöckers ins Ohr gehenden Melodienreichtum ganz außerordentlich zu vermitteln.

Staatsoperette Dresden / Gasparone © Staatsoperette Dresden
Staatsoperette Dresden / Gasparone © Staatsoperette Dresden

Auch bei den Solisten blieben keine Wünsche offen. Christian Grygas als Conte Erminio Saluzzo, alias Gasparone, sah nicht nur verteufelt gut aus, sondern hatte das gewisse Etwas in der Stimme. Als er seiner Carlotta die dunkelroten Rosen gesanglich überreichte, schmolz ein Großteil des Publikums dahin. Carlotta, verwitwete Gräfin Santa Croce, wurde von Jessica Glatte apart gespielt und vorzüglich gesungen.

Ihre Zofe Zenobia war Sofi Lorentzen. Sie machte aus der Rolle ein feines Kabinettstückchen. Schrullig, ohne “komische Alte“ zu sein, hatte sie die Lacher auf ihrer Seite und präsentierte einen sehr schönen, ausgeglichenen Mezzosopran, der in größeren Partien bestimmt noch besser zur Geltung käme.

Das neue Ensemble-Mitglied Frank Blees gab als schlitzohriger Bürgermeister (Podestá) Nasoni eine vorzügliche Visitenkarte ab. Sein klangvoller Bassbariton hat die satte Tiefe des Basses, wie auch die souveräne Höhe eines Baritons. Dazu ist er spielerisch sehr präsent und zeigte eine ausgeprägte “komische Ader“. Das war ein feiner Einstand.

Auch die kleineren Partien waren alle erstklassig besetzt.

Im Gespräch ist, dass die Staatsoperette endlich eine ihr angemessene Spielstätte bekommen soll. Vorgeschlagen ist ein Platz in der Innenstadt, ein Areal auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerkes Mitte. Viele befürworten das Projekt. Aber es gibt auch Stimmen, die Bedenken anmelden, die fürchten, dass die gemütliche, anheimelnde Atmosphäre von Alt-Leuben in dem nüchternen Ambiente einer Industriebrache nicht wieder erreicht werden kann. Warten wir es ab.

IOCO / UGK  / 24.11.2012

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