Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Abschied von Andrey Boreyko, IOCO Aktuell, 23.05.2014

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Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf © IOCO
Tonhalle Düsseldorf © IOCO

Sternzeichen – Boreyko Abschiedskonzerte:
GMD Boreyko geht – Keiner kommt

Freitag, 27. Juni 2014, 20.00 UhrSonntag, 29. Juni 2014, 11.00 Uhr
Montag, 30. Juni 2014, 20.00 Uhr

Düsseldorfer Symphoniker, Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf
Marieddy Rossetto Einstudierung, Andrey Boreyko Dirigent

Tonhalle Düsseldorf / GMD Andrey Boreyko © Wayne Glowacki Winnipeg
Tonhalle Düsseldorf / GMD Andrey Boreyko © Wayne Glowacki Winnipeg

Dmitri Schostakowitsch: Festouverture op. 96, Werner Egk: Olympische Festmusik
Dmitri Schostakowitsch: Symphonie Nr. 4 c-Moll op. 43

In fünf schwierigen Düsseldorfer Jahre prägte Generalmusikdirektor Andrey Boreyko die  Düsseldorfer Symphoniker maßgeblich. Von lokalen Medien zu seinen Dirigaten oft heftig, fast ehrverletzend kritisiert wurde Boreyko in Düsseldorf nie wirklich heimisch.

Im Februar 2013 befragte IOCO den Düsseldorfer Kulturdezernent Hans-Goerg Lohe, ob Andrey Boreyko wirklich ausscheide, wer / wann sein Nachfolger werde. Antwort Hans-Georg Lohe an IOCO: “GMD Boreyko hat sich entschieden, seinen Ende der Saison 2013/14 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Dass für diese Entscheidung Kritiken der…. eine Rolle gespielt haben sollen, kann ich nicht bestätigen….Der Intendant der Tonhalle, Herr Michael Becker, hat die Federführung bei der Suche nach einem neuen GMD….Sollte sich ergeben, dass der/die gewünschte Kandidat/-in erst nach dem Sommer 2014 verfügbar ist, kann es durchaus sein, das….eine oder mehrere Spielzeiten mit  Gastdirigenten bestritten werden.”

Status Ende Mai 2014: Ein Nachfolger für Andrey Boreyko ist bis heute, Mai 2014, von den  zuständigen Gremien in Stadt und Tonhalle nicht benannt worden. Die seit Anfang 2013 auch öffentlich gehandelte Postion des GMD der Düsseldorfer Symphoniker ist  Ende Juni 2014 unbesetzt. Viele Namen der Musikwelt werden auf sehr geheimen Listen genannt; so der in Düsseldorf schon auffällig gewordene schweizer Dirigent Mario Venzago.

Die Antwort von Hans-Georg Lohe auf die IOCO-Anfrage aus Anfang 2013 und die 18 Monate später noch immer unbesetzte GMD-Position kann auch nahelegen, dass man von einem eigenen GMD für die Düsseldorfer Symphoniker Abstand nehmen möchte und zum früheren Führungsmodell (Symphoniker und Rheinoper-Orchester unter einheitlicher Führung) zurückkehren möchte. Ein Modell, welches viele Städte, welche Musiktheater und eigene Sinfonie-Orchester betreiben, erfolgreich pflegen. Doch leider, der oberste kulturelle Dienstherr der Stadt Düsseldorf  bietet keine neuen Konzepte. In Düsseldorf sucht man, 18 Monate, 28 Monate, 38….

Die Tonhallenfreunde wie die Düsseldorfer Symphoniker müssen sich also einige Zeit mit einem unbefriedigenden Führungsvakuum an der Tonhalle abfinden.

Die Düsseldorfer Symphoniker verabschieden Andrej Boreyko im letzten Sternzeichen-Konzert der Saison am 27., 29. und 30. Juni mit Musik aus seiner Heimat Russland. Auf Schostakowitschs Festouverture folgt dessen vierte Symphonie, eines der kühnsten Werke der Neuzeit und eines der ersten Opfer des Stalinismus. In Todesangst sagte der Komponist die Uraufführung ab – im selben Jahr diente sich Werner Egk in unerhörter Kühnheit dem Faschismus an, dessen Olympische Festmusik ebenfalls auf dem Programm des Abends steht. Es singt der Städtische Musikverein zu Düsseldorf.

Gedenkplatte Viktor Ullmann vor der Staatsoper Hamburg © IOCO
Gedenkplatte Viktor Ullmann vor der Staatsoper Hamburg © IOCO

Alle Konzerte der Düsseldorfer Symphoniker im Jahre 2014 werden dem Thema „Totalitarismus“ gewidmet sein. Dieses dunkle und bisher noch zu wenig aufgearbeitete Stück rückt Vergangenheit in den Fokus – und zwar nicht nur in Wort und Bild, sondern auch und besonders durch das eigentliche Tun des Orchesters: durch Konzerte. Dabei werden „linientreue“ Werke, die das Orchester im Dritten Reich uraufführte, solchen Werken gegenüber gestellt, die zur gleichen Zeit verboten waren. Ebenso wird Musik namhafter Komponisten aus der klassisch-romantischen Tradition gespielt, die von den Nationalsozialisten missbraucht wurde. Mendelssohn, Schumann, Strauss, Egk, Graener, Hindemith und Ullmann begegnen sich dann aus einer ganz eigenen Dramaturgie heraus. IOCO /Viktor Jarosch/ 15.05.2014

Tonhalle Düsseldorf / GMD Andrey Boreyko © Susanne Diesner
Tonhalle Düsseldorf / GMD Andrey Boreyko © Susanne Diesner

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