Duisburg, Mercatorhalle, Klavierfestival, Ivo Pogorelich und die Polnischen Kammerphilharmonie, IOCO Kritik, 09.06.2010


Kritik
Klavierfestival

Mercatorhalle Duisburg

Mercatorhalle Duisburg © IOCO
Mercatorhalle Duisburg © IOCO

Ivo Pogorelich und der Polnischen Kammerphilharmonie
Mercatorhalle Duisburg 9.6.2010

Der Bericht über den Konzertabend mit Ivo Pogorelich und der Polnischen Kammerphilharmonie unter der Leitung von Wojchiech Rajski in der Duisburger Mercatorhalle möchte sich heute aus Respekt vor dem ehemals großen Pogorelich die Freiheit nehmen, einen sehr großen Mantel des Schweigens zu hüllen über den bedauernswerten und wahrlich nicht ernst zu nehmenden ersten Teil des Abends, der sich Tschaikowskys Erstem Klavierkonzert in b-Moll widmete.

In dem zweiten Teil nach der Pause erklang die 8. Symphonie in G-Dur des böhmischen Komponisten Antonin Dvorák. Mit der 8. Symphonie komponierte Dvorák einen lyrischen, gelösten Kontrast zu der düsteren Stimmung der 7. Symphonie. 1889 entstanden, weist sie mit ungewöhnlicher Besetzung (unter anderem Piccolo und Englischhorn) und Auflockerung der traditionellen Form auf. Von der Landschaft von Dvorák’s Sommersitz und böhmischen Volksweisen inspiriert, hört man Naturlaute, Fanfaren oder rhapsodieähnliche Elemente. Der zweite Satz beispielsweise ist ein rhapsodieartiges Adagio in c-moll und 2/4-Takt und von Tschaikowsky beeinflusst.

Das außerordentlich junge Ensemble der Polnischen Kammerphilharmonie unter der Leitung seines Gründers Wojchiech Rajski gehört mittlerweile zu den herausragenden Kammerorchestern Europas, das in den wichtigsten Musikzentren Europas konzertiert und zahlreiche Aufnahmen für verschiedene Rundfunkanstalten und CD-Produktionen eingespielt hat.

Rajski und sein Orchester schaffen es, aus dem reichen Farbenspektrum des Werkes alle Nuancen heraus zu holen und trumpfen mit großer Spielfreude auf. Die Gestaltung gelingt ihnen dynamisch, spannungsreich und intensiv. Eine sehr schöne und liebevolle Interpretation des Stückes, wahrlich Labsal für alle Beteiligten nach der desaströsen und bizarren 1. Hälfte des Abends.

Das Publikum belohnte das Durchhaltevermögen aller mit viel Applaus und erklatschte sich eine Zugabe: den zauberhaften 2. Satz “Polka” aus der Kleinen Suite für Orchester von Witold Lutoslawski von 1951. Ein kurzes, humorvolles Stück von treibender Kraft – die kleine Süßspeise zum Schluß!

IOCO / NN / 09.06.2010

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