Es war mal ein Dichter aus Limerick – Nonsenspoesie Albrecht Schneider, IOCO-art, 22.11.2022

Taschenbuch - Es war mal ein Dicher aus Limerick - ASIN B0BKMKMJ5G

ES WAR MAL EIN DICHTER AUS LIMERICK – Buch von Albrecht Schneider

– Nonsensposie in 45 Versen gereimt und gezeichnet –

Taschenbuch – AMAZON – ASIN  :  B0BKMKMJ5G –  ISBN9798358561755 –

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THE FROLICSOME KICK OF THE LIMERICK

Ein kleines Traktat über Limerick, Klapphornvers und Nonsense Poetry

von Autor A. Schneider

Limerick ist ein Städtchen im Südwesten Irlands, dessen Namen im Englisch sprechenden Raum zwar nicht in aller Munde, doch zumindest in dem derjenigen ist, die einen Sinn für Nonsense Poetry haben. Eine Kategorie solcher Unsinnspoesie – ein leicht missverständlicher Begriff – repräsentiert der “Limerick“, von dem, nach festen Regeln gebaut, letztlich unbekannt geblieben ist, was er mit jenem Ort gemein hat. Die Erklärungen sind mannigfach, doch nicht verbürgt, mithin belassen wir es bei der Benennung und pflücken eine Frucht vom Baum solcher geistvoll skurillen Lyrik, die der englischen Allroundkünstler Edward Lear anfangs des 19. Jahrhunderts populär gemacht hat, und die sich hier in Gestalt dieses gleichsam klassischen Limericks vorstellt.

  • THERE WAS A YOUNG LADY OF RIGA
  • WHO RODE WITH A SMILE ON A TIGER
  • THEY RETURNED FROM THE RIDE
  • WITH THE LADY INSIDE
  • AND A SMILE ON THE FACE OF THE TIGER.

Jetzt kommt mein Versuch einer den Charme des Originals nicht unbedingt erfassenden freien deutschen Nachdichtung.

  • DA WAR MAL EIN FRÄULEIN* AUS PADUA,
  • DIE LÄCHELND RITT WEG AUF ’NEM JAGUAR.
  • ERST AUF IHM GESESSEN,
  • DANN VON IHM GEFRESSEN.
  • ZURÜCK KAM GRINSEND DER JAGUAR.

*(ob der Begriff zumindest in der Poesie noch erlaubt ist… ?)

Die besondere Versform des Limericks verlangt fünf Reimzeilen, gemäß dem Schema AABBA, von denen A  dreihebig und B zweihebig zu sein haben. Diese Sorte des spezifisch britischen Humors ist auch in Deutschland eingewandert, freilich ohne derart viele Verehrer wie auf der Insel zu finden. Ich bin einer davon, und das nicht allein genießend, sondern auch zeugend.

Zwei meiner Kinder sollen hier Platz nehmen dürfen, wovon das erste IOCO konform musikalischer Herkunft ist, wobei beide leichteren Verständnisses wegen zugleich illustriert wurden:

 

  • ES KONNT’ EIN TENOR AUS HOLZMINDEN
  • DAS GANZ HOHE C NICHT MEHR FINDEN.
  • NICHTS HALF IHM, KEIN RAT,
  • KEIN GROSSINSERAT.
  • JETZT SINGT ER IM CHOR BEI DEN BLINDEN

wohingegen das zweite der Justiz entstammt:

 

  • DA WAR MAL EIN ANWALT AUS LAHR,
  • DER NAHM NACH GEWICHT HONORAR:
  • ER LEGTE DIE KLAGE
  • AUF EINE GOLDWAAGE.
  • JETZT SITZT ER IM KNAST FÜR SECHS JAHR.

Nun erscheint es durchaus begreiflich, sofern jemand, gemäß dem englischen Ausdruck “Nonsense Poetry“, in der Unsinnspoesie mehr Unsinn als Poesie entdecken will. Den Zugang  erleichtert womöglich vorerst der Verzicht auf diese Kategorisierung, indem wir dergleichen Lyrik stattdessen unter der Überschrift “Komik“ subsumieren: Unsinnslyrik wird hiermit zu einer Sparte der komischen Lyrik, wobei stets bedacht werden muss sollte, dass Unsinn keineswegs sinnlos bedeutet, da sie beispielsweise zum Lachen reizt, wozu Sinnloses selten Grund bietet. In den Kontext fügt sich vortrefflich der Seufzer des klassisch-romantischen Dichters Jean Paul:

Das nützlichste Buch wäre eines, das die Vernunftmäßigkeit allen menschlichen Unsinns darstellte.

Mithin erweist sich die Unsinnslyrik als der komischen Lyrik gehorsame Tochter, dessen man bald gewahr wird, sofern sich auf sie einzulassen die Neigung besteht. Dabei Beistand leisten soll hier – vor der Rückkehr zu unserem Ausgangspunkt, dem Limerick, – eine Probe genuiner deutscher Unsinnsdichtung, nämlich der sogenannte Klapphornvers.

Der trieb sein Wesen  zu Ende des 19. Jahrhunderts in den dem einheimischen Humor verpflichteten illustrierten “Fliegenden Blättern“.

Was dessen Form und Inhalt anbelangt, lässt er sich mit gutem Willen dem Limerick an die Seite stellen. Vorgeschrieben ist ein vierzeiliger vierhebiger Vers, der stets mit der Formel: Zwei Knaben zu beginnen hat. Als die Mutter aller Klapphornverse ist folgender überliefert:

  • ZWEI KNABEN GINGEN DURCH DAS KORN,
  • DER ANDRE BLIES DAS KlAPPENHORN.
  • ER KONNT’ ES ZWAR NICHT ORDENTLICH BLASEN,
  • DOCH BLIES ER’S WENIGSTENS EINIGERMASSEN.

Ein weiteres sinnfreies, verqueres, verdrehtes und somit besonders überzeugendes Exemplar dieser Gattung sei noch vorgestellt:

  • ZWEI KNABEN GINGEN DURCH DAS KORN,
  • SIE WAREN BEIDE FEGER DES SCHORN.
  • DER EINE KONNTE GAR NICHT FEGEN,
  • DER ANDRE FOG BRILLANT HINGEGEN.

Der allerletzte Klappphornvers, weil aus der eigenen Verseschmiede kommend und IOCO gemäß einen berühmten Musikus zitierend, muss ebenfalls hierhin:

  • ZWEI KNABEN GINGEN DURCH DAS KORN
  • UND TRAFEN DORT AUF WAGNERS NORN.
  • SO DÜNN SPANN SIE DEN LEBENSFADEN,
  • DASS SIE IHR IN DEN HINTERN TRATEN.

Genug davon. Feiern wir ein letztes Mal den Limerick im deutschen Gewand, sei es mal musikalischen, mal amtlichen Zuschnitts, und beide wiederum mit erklärenden Bildern versehen:

 

  • DA WAR EIN BRATSCHIST AUS BAYREUTH,
  • DEN KÜMMERT’ EIN GAUL KEINEN DEUT.
  • DOCH EINS NAHM IHN MIT:
  • DER WALKÜREN RITT!
  • SO TATEN DIE RÖSSER IHM LEID.

  • DA WAR EIN TROMPETER AUS FÖRDE,
  • DER BLIES EINEN MARSCH DER BEHÖRDE.
  • NUN TRABEN IM TAKTE
  • AMTSSCHIMMEL UND AKTE.
  • EIN VORGANG, DER VIELE VERSTÖRTE.

Nein! Obiges Traktat über den Limerick und Genossen darf aus Respekt nicht ohne ein Zitat aus seinem Mutterland schließen. Folglich erscheint ein allerletzter im Original:

  • THERE WAS A YOUNG LADY FROM JOPPA
  • WHO CAME A SOCIETY CROPPER
  • SHE WENT TO OSTEND
  • WITH A GENTLEMAN FRIEND
  • AN THE REST OF OF THE STORY’S IMPROPER.

und dann in meiner neuerlich sehr freien Nachdichtung:

  • DA WAR MAL ’NE JUNGFRAU AUS PLÖN.
  • DIE SCHNEIDERTE GANZ WUNDERSCHÖN.
  • DANN REIST’ SIE NACH TRIER
  • MIT IHRM KAVALIER.
  • DER REST DER GESCHICHTE? OBSZÖN!!

Lassen wir es damit bewenden, was die Nonsense Poetry, die Unsinnspoesie anbelangt, diesen Spross am Baum der komischen Lyrik. Sie ist ein weites Feld und vermag in tristen Zeiten die Gemüter durchaus ein bisschen aufzuhellen. Einen Versuch zumindest ist sie allemal wert.

 

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