Essen, Philharmonie Essen, Klavierfestival 2012 – Eröffnungskonzert, IOCO Kritik, 05.05.2012

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Klavier-Festival Ruhr 2012

Philharmonie Essen

Philharmonie Essen © PE - Sven Lorenz
Philharmonie Essen © PE – Sven Lorenz


Kritik  

Eröffnungskonzert “Klavierfestival Ruhr 2012“

Jean-Ives Thibaudet, Klavier

Bochumer Symphoniker, Steven Sloane  05.05.2012

Klavierfestival Ruhr 2012 / Pianisten Jean-Yves Thibaudet, den Dirigenten Steven Sloane und die Bochumer Symphoniker © KFR/Frank Mohn
Klavierfestival Ruhr 2012 / Pianisten Jean-Yves Thibaudet, den Dirigenten Steven Sloane und die Bochumer Symphoniker © KFR/Frank Mohn

Nun schon in 24. Jahr wird das Klavierfestival Ruhr zwischen Rhein, Ruhr und Emscher veranstaltet. Es ist fest etabliert, bekannt inzwischen in der ganzen Welt und jedes Jahr heiß ersehnt von allen Liebhabern exquisiter Klavier-Literatur. Wie jedes Jahr werden die internationalen Interpreten, die Elite der Pianisten, Dirigenten und Instrumentalisten mit Ungeduld erwartet. Am vergangenen Sonnabend war es dann wieder soweit. In der Essener Philharmonie fand diesmal das Eröffnungskonzert des Festivals statt, dessen Länderschwerpunkte in diesem Jahr Amerika und Frankreich sind.

Nach den einleitenden Worten des diesjährigen Schirmherrn Dr. Heinrich Weiss und des Staatssekretärs Prof. Klaus Schäfer, waren die Erwartungen auf  einen wirklich wunderbaren Eröffnungsabend groß und man wurde nicht enttäuscht.

Klavierfestival Ruhr 2012 / Pianisten Jean-Yves Thibaudet, den Dirigenten Steven Sloane und die Bochumer Symphoniker © KFR/Frank Mohn
Klavierfestival Ruhr 2012 / Pianisten Jean-Yves Thibaudet, den Dirigenten Steven Sloane und die Bochumer Symphoniker © KFR/Frank Mohn

Den Anfang machte Maurice Ravels brillantes, 1930 entstandenes “Konzert für Klavier und Orchester in G-Dur“. Ein Stück, das Freude und Zuversicht ausstrahlt. So und nicht anders spielten es auch Jean-Yves Thibaudet und die wirklich immer besser werdenden Bochumer Symphoniker unter der kompetenten Leitung ihres charismatischen “Chefs“ Steven Sloane. Nach dem charakteristischen Peitschenknall geht es gleich mit der Pikkoloflöte ins G-Dur-Hauptthema. Thibaudet spielte es präzise und rhythmisch sehr pointiert.

Sehr schön interpretierte Thibaudet das liedhafte, weit ausschwingende Thema der Einleitung des Adagio-Satzes. Zu kongruenter Virtuosität und Brillanz fanden alle, Dirigent, Pianist und Orchester im finalen Presto-Satz. Wunderbar!

Es folgte die “Daphnis et Chloé “ Suite Nr. 2 für Orchester“, ein sehr farbiges Stück. In großartigem Aufbau entsteht im einleitenden “Lever du Jour“ das Bild des erwachenden Tages. Sloane scheute sich nicht, die sinnlich-emotionalen Reize in ihrer ganzen expressiven Wucht auszuspielen, ohne dass dadurch auch nur im Geringsten der Klang schwülstig oder rauschhaft wurde.

Die spielerische Raffinesse der “Pantomime“ geriet sehr schlank und transparent. Der letzte Satz “Danse générale“ ist eine Folge von Tänzen verschiedener Art. Bacchantisches, Groteskes und angedeutete Walzerseligkeit wechseln in schnellen Abschnitten. Steven Sloane und sein Orchester waren in ihrem Element.

Nach der Pause wurde es amerikanisch.

Kaum ein Werk des genialen amerikanischen Musikers, Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein, hat solch einen Welterfolg, wie sein Musical “West Side Story “. Ein Erfolg, der bis heute ungebrochen ist. Songs, wie “Maria“, “There is a place for us“, “Somewhere“ und ”I like to be in America” sind im Ohr und können mitgesummt werden.

Die Bochumer unter Sloane spielten daraus die ”Sinfonischen Tänze”, kompetent, rhythmisch ausgeprägt und mit einer unbändigen Spielfreude. Das erfreute und begeisterte.

Zum Schluss erfreuten Thibaudet und das Orchester mit “I got Rhythm – Variations for Piano and Orchestra“ von George Gershwin. Der Komponist, der selbst ein glänzender Pianist war, verstand es ebenso glänzend aus der Verbindung von Elementen der typisch amerikanischen Unterhaltungsmusik, dem Jazz und ernster Musik, eine ureigene Sprache zu finden. Im Spiel Thibaudets spürte man in allen Läufen und jeder angespielten Note, das ausgeprägte Feeling für diese Musik. Die prachtvoll disponierten Bochumer Symphoniker und Steven Sloane waren kongeniale Partner.

Das Publikum in nahezu ausverkauftem Haus war enthusiasmiert und bewegte den Pianisten zu zwei Zugaben. Zunächst, ganz innig gespielt, die “Pavane“ von Ravel und danach einen Walzer von Franz Schubert, schlicht und mit einem Hauch von Tristesse dargeboten. Bravo!

IOCO / UGK / 05.05.2012

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