Hagen, Theater Hagen unter dramatischen Sparzwängen, IOCO Aktuell, 16.06.2016

Hagen / Theater Hagen © IOCO
Hagen / Theater Hagen © IOCO

Kultur in Hagen in großen Nöten

Muss eine Stadt mehr als Strom und Wasser liefern?

Das Theater Hagen produziert in ländlicher Region für 180.000 Menschen große Kultur mit kleinem Etat. IOCO besuchte gerade die faszinierende Premiere der komplexen Oper Rosenkavalier von Richard Strauss, Rezension hier. Doch die beeindruckenden kulturellen Leistungen des Theater Hagen, stellvertretend für viele kommunale Theater im deutschen Sprachraum, verdecken oft deren existenzgefährdenden finanziellen Nöte.

Der großartige deutsche Kulturraum entwickelte sich über Jahrhunderte. Fürstentümer, Königreiche, kleine wie große, empfanden Bildung und aufklärende Unterhaltung als ihren öffentlichen Auftrag. Theater, Dichter und Denker demonstrierten in der Folge überall im Lande, “dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt” und setzten die mit  Dante Alighieri (1265–1321) begonnene, allen Bevölkerungsschichten zugängliche Aufklärung des Abendlandes fort. Dieses für unser heutiges Selbstverständnis zentrale Kulturgut ist derzeit in vielen Regionen des deutschen Sprachraumes gefährdet. IOCO veröffentlicht eine Petition, welche die dramatische Situation des kleinen Theater Hagen dokumentiert:

Petition zum Erhalt des Theater Hagen:

Rettet das Theater Hagen!

Herr OB Erik O. Schulz: Kassieren Sie die Sparvorgabe!

Hagen / Theater Ensemble nach Otello Premiere © IOCO
Hagen / Theater Ensemble nach Otello Premiere © IOCO

Die Existenz des Hagener Theaters ist massiv bedroht. Sollten die Sparmaßnahmen in Höhe von 1,5 Millionen zzgl. des 1 Prozentes der Tariferhöhungen umgesetzt werden müssen, wird das Theater Hagen ab 2018 in dieser über die Region anerkannten Form nicht weiter existieren können.

Das Feuer des einzig verbliebenen, nennenswerten Hagener Leuchtturms wird erlöschen. Die Konsequenz werden Spartenschließungen sein, Abwanderung von hunderten Angestellten und Künstlern, Abfindungszahlungen, Prestigeverlust. Am Ende droht die Umwandlung in ein so genanntes “bespieltes Haus”, was nichts anders bedeutet als der Einkauf teurer Fremdproduktionen. Und es steht zu befürchten, dass damit auch andere wichtige Kulturinstitutionen wie die MAX-REGER Musikschule, das KEO, der HOHENHOF oder die KULTURZENTREN in Mitleidenschaft gezogen werden.
Hagen / Circus Casselly Artisten zur Premierenfeier © IOCO
Hagen / Circus Casselly Artisten zur Premierenfeier © IOCO

Hagen würde als erfolgreicher und regelmäßig positiv besprochener Standort von der Kulturlandkarte Deutschlands verschwinden. Zahllose Verbände und Einrichtungen haben Sie aufgefordert, ja geradezu angefleht, gemeinsam trag- und zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten. Die geballte bundesdeutsche Kulturkompetenz stünde Ihnen mit Rat und Tat zur Seite: die Deutsche Orchestervereinigung, der Deutsche Bühnenverein, der Deutsche Musikrat, Medien, Künstler und kompetente BürgerInnen.

Verehrter Herr Oberbürgermeister: Geben Sie Ihren Widerstand auf. Beweisen Sie Ihren BürgerInnen, dass Sie in ihrem Interesse handeln, und setzen Sie sich für die Rücknahme der Sparvorgabe für 2018 ein. Ergreifen Sie die Chance, in letzter Minute die desaströse Entwicklung am Hagener Theater aufzuhalten. Hagen, in seiner jetzigen Verfassung, wird diese Einschnitte bei seinem Theater nicht verkraften. Sorgen Sie dafür, dass der Deutsche Kulturrat Hagens Theater von der Roten Liste Kultur streichen kann. www.kulturrat.de/dokumente/rote-liste-kultur/rote-liste-kultur-4.pdf.
 Hagen / Alle machten mit: Theater zur Pause der Rocky Horror Show © IOCO
Hagen / Alle machten mit: Theater zur Pause der Rocky Horror Show © IOCO

“Die ganze Kultur ist eine große, endlose Zusammenarbeit.”  August Strindberg:  Begründung:  “Von meiner Stadt verlange ich: Strom, Wasser und Kanalisation. Was die Kultur anbelangt, die besitze ich bereits.” Mit diesem sarkastischen Zitat von Karl Kraus könnte man es bewenden lassen. Doch es gilt, einer unheilvollen Entwicklung – nicht nur in Hagen – aber hier im Besonderen – Einhalt zu gebieten, weil eine lebendige Kultur Spannung bedeutet im Kampf gegen den Rückschritt. Sollten die Sparpläne für das Hagener Theater ab 2018 umgesetzt werden müssen, würde das einen massiven Rückschritt nicht nur für die Kultur in Hagen, sondern für die Stadt selbst bedeuten.

Rund 180.000 Besucher – auch aus dem Umland – zieht das Theater Jahr für Jahr in seinen Bann. Eine nicht zu ignorierende Menschenmenge, die Hagen besucht. Auch die rund 300 technischen und künstlerischen MitarbeiterInnen des Theaters tragen mit ihren Familienangehörigen, ihren vielfältigen künstlerischen Betätigungen, neben denen im Theater, dazu bei, den sozialen und wirtschaftlichen Abstieg Hagens abzufedern.
Die Sparvorgabe birgt ein nicht zu kalkulierendes Risiko sowohl für das Theater, als auch für die Stadt. Dies alles gilt es aufzuhalten. Hierzu soll diese Petition beitragen.

Hagen braucht mehr als Strom, Wasser, Kanalisation und unterirdische Mülleimer! Jeder, der fürchtet, das Theater Hagen werde die erzwungene Selbstbeschneidung in genannter Höhe nicht verkraften, sollte diese Petition unterzeichnen.

Im Namen aller Unterzeichner/innen.  Hagen, 16.04.2016 (aktiv bis 15.06.2016)  Von: Christoph Rösner

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