Hildesheim, Theater für Niedersachsen, TfN Philharmonie – 3. Sinfoniekonzert, IOCO Kritik, 30.01.2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann
Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

TfN – Philharmonie Hildesheim – 3. Sinfoniekonzert

 – So machen es Mozart und Salieri –

von Randi Dohrin

Am 27. Januar 1756 erblickte Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg das Licht der Welt. Die Familie hegte keine großen Hoffnungen, dass dieses schwächliche Kind überleben würde. Schon damals erwies sich Wolfgang als recht eigensinnig und der Vater wurde hellhörig, als das Interesse an der Musik seines dreijährigen “Wolferls” unüberhörbar wurde. Sogleich begann er, seinem Sohn Klavierunterricht zu geben. Als “Wolferl” fünf Jahre alt war, reichte ihm das Klavierspielen allein schon nicht mehr aus. Er wollte komponieren und so schrieb Vater Leopold ein Andante und ein Allegro für Klavier in das Kompositions-Büchlein seines Sohnes mit dem Kommentar:

“Des Wolfgangerl Compositiones in den ersten drei Monaten nach seinem 5ten Lebensjahr.”

Diese beiden Kompositionen wurden dann von Ritter Ludwig von Köchel – dem chronologisch-thematischen Verzeichnis sämtlicher Tonwerke W.A. Mozarts – als Nummer 1 aufgeführt. Dem 1761 komponierten KV 1 sollten bis 1791, dem Todesjahr des genialen Musikers, noch 625 weitere folgen. Mozart verstarb am 5. Dezember 1791 nach einer schweren fiebrigen Erkrankung. Sein Hausarzt, Dr. Closset, diagnostizierte hitziges Fieber, eine Art Grippe. Mozarts Witwe Constanze verzichtete auf ein prunkvolles Begräbnis, da ihre finanzielle Zukunft nach dem Tode ihres Wolferls als nicht gesichert galt. Bis heute ist ungeklärt, wo seine sterbliche Hülle liegt.

Wolfgang Amadeus Mozart Wien © IOCO
Wolfgang Amadeus Mozart Wien © IOCO

Dieses 3. Sinfoniekonzert der TfN-Philharmonie war eine Hommage an Wolfgang Amadeus Mozart anlässlich seines Geburtstages am 27. Januar.  Das Konzert begann mit der Ouvertüre zur Oper Cosi fan tutte, KV 588. Die kurze langsame Einleitung führte spannungsvoll in die schmeichelnde Oboenphase, dieser von Mozart kürzer gehaltenen Ouvertüre. Bereits nach wenigen Takten steigerte sich das ruhige Tempo bis zum virtuosen Presto, das die TfN-Philharmonie unter der Leitung ihres GMD Florian Ziemen effektvoll umgesetzt hatte und das ausgelassen frivole Geschehen dieser Oper deutlich werden ließ. Es folgte die Arie der Fiordigli “Come scoglio” (So standhaft wie der Felsen, so steht auch meine Treue), aus Cosi fan tutte, die mit dem strahlend beweglichen Sopran von Rebecca Davis zu Gehör kam. Mühelos bewältigte die Sopranistin die dramatischen sowie die perlenden Koloraturpassagen dieser anspruchsvollen Arie mit einem umfangreichen Tonumfang.

Wie bei Mozart, wurde das musikalische Talent von Antonio Salieri (1750 – 1825) schon früh entdeckt. Nach dem Tode seiner Eltern ging er 1766 nach Wien und war dort ab 1774 kaiserlicher Hofkomponist und ab 1788 Hofkapellmeister. Zu Mozart hatte Salieri ein kollegiales Verhältnis. Der Auftrag zur Oper Cosi fan tutte (So machen es alle oder die Schule der Liebenden), Libretto von Lorenzo Da Ponte, war ursprünglich für ihn bestimmt. Er sah sich nicht in der Lage sie zu vertonen und trat zugunsten Mozarts zurück. Antonio Salieri unterrichtete zudem den Sohn Franz Xaver von Konstanze und Wolfgang Amadeus Mozart.

TfN Hildesheim / Florian Ziemen und die TfN Philharmonie  - hier :  beim Neujahrskonzert © Clemens Heidrich
TfN Hildesheim / Florian Ziemen und die TfN Philharmonie  – hier : beim Neujahrskonzert © Clemens Heidrich

Am 7. Mai 1825 erhielt Antonio Salieri nach längerem Leiden die Sterbesakramente. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in Wien. Zwischen den einzelnen Musikstücken lasen Peter Kubik und Rebecca Davis aus Briefen, Tagebüchern und einer Novelle der Zeitgenossen Salieris vor, die ein freundlicheres Bild über den Komponisten ergaben, als allgemein bekannt war und leider noch ist. Die von dem Komponisten und Musikwissenschaftler Timo Jouko Herrmann zufällig in Prag entdeckte und über 200 Jahre als verschollen geglaubte  Liedkantate “Per la ricuperata salute di Ofelia- Canzone a Fille” KV 477a, Text Lorenzo Da Ponte, ist eine Gemeinschaftskomposition von Salieri, Mozart und Cornetti zu Ehren der seinerzeit erkrankten Sopranistin Nancy Storace. Rebecca Davis brachte die Strophen mit tänzerischer Leichtigkeit im galanten Stil der Wiener Klassik zum Erklingen. Rhythmisch federnde Unterstützung erhielt sie durch das Orchester des TfN. Aus der leider viel zu selten aufgeführten Oper La cifra von Antonio Salieri, war das Rezitativ und Rondo der Eurilla zu hören. Beeindruckend virtuos und zugleich leidenschaftlich setzte Rebecca Davis ihren dramatischen Koloratursopran ausgeglichen und wohlklingend bis ins leiseste Piano ein. Adäquat wurde sie von der Philharmonie, unter dem engagiert impulsgebenden Dirigat ihres GMD Florian Ziemen, begleitet.

Die fesselnde Uraufführung FAMA für Orchester und Sprecher von Timo Jouko Herrmann, führte den Hörer in die römische Mythologie ein. Im Mittelpunkt steht die Göttin des Ruhms und der Gerüchte, und sie war der passende Ausgangspunkt dieser Auftragskomposition, wie die Lebensbilder von Mozart und Salieri verdeutlichen. Mozart wurde bereits zu Lebzeiten glorifiziert, während Salieri unverschuldet zum Mörder Mozarts erklärt wurde. Ausdrucksstark fungierte Peter Kubik als Sprecher des poetischen Textes aus den Metamorphosen von Ovid, der mit dieser Komposition ohne einen Moment der Klanglosigkeit verschmolz. Eine faszinierende Bereicherung dieses Abends waren auch die melodisch harmonischen 26 Variationen La follia di Spagna von Antonio Salieri für Orchester, Solo-Violine und Harfe. Die TfN-Philharmonie gestaltete diese melodienreichen Variationen auf hohem Niveau kongenial differenziert romantisch, verspielt oder dramatisch und einem Dialog zwischen den Instrumenten.

Man mag es kaum glauben, aber die viersätzige Sinfonie Nr. 40 in g-Moll, KV 550, soll Mozart in nur wenigen Wochen des Sommers 1789 geschaffen haben. Ein Werk, das bis heute an seiner Beliebtheit kaum zu übertreffen ist und jede Interpretation eine Herausforderung darstellt. Dirigent Florian Ziemen hat sie angenommen und mit der TfN Philharmonie überzeugend umgesetzt. Bereits nach dem Einsetzen des Anfangsmotivs wurde der Hörer mitgerissen. Helle und dunkle Stimmungen der Holzbläser und Einwürfe der Hörner wechselten mit melancholischen Figuren der Streicher ab. eschwingt erklangen die Hörner im Trio des 3. Satzes und schnelle rauschende Abwärtsbewegungen beendeten den 4. und letzten Satz dieser aufwühlenden Interpretation mit allen Wiederholungen. Chapeau!

Das Publikum bedankte sich begeistert mit einem langanhaltenden Applaus für dieses gelungene Konzert voller Überraschungen.

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