Laubach, Schloss Laubach, OPERA MEETS NATURE – Charity-Konzert, IOCO Kritik, 18.07.2022

Michael Volle, Andreas Schager, Gabriele Scherer © Ingrid Freiberg
Michael Volle, Andreas Schager, Gabriele Scherer © Ingrid Freiberg
Schloss Laubach bei Gießen © Ingrid Freiberg
Schloss Laubach bei Gießen © Ingrid Freiberg

Opera meets nature – Charity-Concert

von Ingrid Freiberg

Lockerlassen, entspannen – Das Leben, die Kultur genießen…

mit diesen Gefühlen verlasse ich üblicherweise das Haus, wenn ich ein Konzert besuchen will. Ganz besonders, wenn ich Künstler_innen treffe, deren Können und Ausstrahlung mich faszinieren. Auch dieses Mal war die Freude riesengroß.

Gräfin Celina zu Solms-Laubach mit ihren Nichten © Ingrid Freiberg
Gräfin Celina zu Solms-Laubach mit ihren Nichten © Ingrid Freiberg

Doch kaum auf Schloss Laubach, in Hessen bei Gießen, eingetroffen, und während die ersten Gäste bei angenehmem Sommerwetter liebevoll mit Getränken und Canapees begrüßt und umsorgt werden, nimmt mich unmittelbar der Anlass dieses Konzertes gefangen. Ich werde sehr nachdenklich. Spontan fällt mir der Tanz auf dem Vulkan ein: zum einen überschäumende Lebenslust, zum anderen eine Welt kurz vor dem Absturz. Mir gehen die letzten Nachrichten durch den Kopf: von Nordafrika nach Mitteleuropa schieben sich heiße Luftmassen. In Spanien werden Temperaturen von 45 Grad erwartet. In Frankreich müssen 10.000 Menschen vor Waldbränden in Sicherheit gebracht werden. Ein Ende der Hitze ist nicht in Sicht. Die Dürre lässt Bauern verzweifeln. Lebensmittelpreise steigen, speziell Brot wird teurer. Wald und Klimapolitik sind schon seit langem in aller Munde. Seit Jahren warnen Experten – ohne Erfolg – vor der Erderwärmung. Sie beklagen schrumpfende Gletscher und schmelzende Polarkappen. Es kommt zu Hagel und Starkregen. Trockene und überschwemmte Orte liegen eng beieinander. In Deutschland wird Tornadogefahr gemeldet… Es wird unweigerlich zum Untergang unseres einzigartigen blauen Planeten führen. Das komplexe Zusammenspiel von Wasserkreisläufen, Erosion und Wetter, eine Vielfalt an Lebensräumen und -formen, sind ernsthaft gefährdet. Wir müssen!!! uns unbedingt mit dem jetzigen Zustand des Systems Erde beschäftigen, um es wieder ins lebenswichtige Gleichgewicht zu bringen.

Michael Volle, Andreas Schager, Gabriela Scherer © Ingrid Freiberg
Michael Volle, Andreas Schager, Gabriela Scherer © Ingrid Freiberg

Bäume sind Klimaretter

Es wird demonstriert, diskutiert und gestritten… aber kaum Sinnvolles gegen diese extremen Wetter-Phänomene unternommen. Das will Opera meets nature ändern. Der Verein will eine nachhaltige Verbesserung des Waldes an den jeweiligen Standorten bewirken und hat sich zum Ziel gesetzt, langfristig und global zu denken. Es ist geplant, mit Spendenerlösen aus klassischen Konzerten nicht nur Bäume, sondern Wälder zu pflanzen. Im Herbst 2021 wurden mit dem Erlös des Benefizkonzertes auf Schloss Laubach 3.700 Bäume im Wert von ca. 20.000 Euro in der Nähe von Kloster Arnsburg gepflanzt. Die Setzlinge, Eichen und Eschen, waren bereits 1,20 bis 1,50 Meter groß und relativ widerstandsfähig. Aufforstungsprojekte sind überlebenswichtig. Bäume nehmen CO2 auf und binden es. Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre sinkt, die Erderwärmung wird gebremst. Bäume kompensieren so den Schaden, den wir verursachen. Untersuchungen haben ergeben, dass Wiederaufforstung die größte natürliche Klimaschutzmöglichkeit ist, die uns zur Verfügung steht. Bäume sind aber nicht nur Klimaretter, Wälder bieten auch vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Sie sind unverzichtbar für ein weiteres drängendes Problem unserer Zeit: dem Erhalt der biologischen Vielfalt. Es gilt, die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen zu verbessern, Wälder zu schützen, Wurzeln und Böden vor Erosionen sowie angrenzende Flächen vor Wind und Frost zu bewahren. Darüber hinaus halten Wälder den Wasserhaushalt der Natur im Gleichgewicht, haben einen kühlenden Effekt und bieten uns Erholungsraum.

Spenden und Unterstützung

Klimaschutz und die Erhaltung unseres Ökosystems haben den weltberühmten Opernsänger Andreas Schager und Rechtsanwalt Turgay Schmidt veranlasst, den Verein Opera meets nature zu gründen und Aktivitäten von Hessen aus auf möglichst viele Opernhäuser auszuweiten. Dazu benötigen sie Unterstützung! Bereitschaft vorausgesetzt, bietet das vorhandene Potenzial viele Möglichkeiten: Die Theater- und Orchesterlandschaft in Deutschland wird durch die rund 140 öffentlich getragenen Theater bestimmt, also durch Stadttheater, Staatstheater und Landesbühnen. Das ist die Hoffnung, der Fundus, aus dem es zu schöpfen gilt. Nach Corona-bedingter Pause sind jedes Theater, wir alle, die sich mit der Erhaltung unserer Welt auseinandersetzen, aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen.

  • …und so geht es!

  • Baumspende: Kosten pro Baum 5 Euro
  • Opera meets nature e.V.
  • Volksbank Mittelhessen
  • IBAN DE48 5139 0000 0076 2575 07
  • BIC VBMHDE5F

Diesen Termin vormerken: Opera meets nature – Konzert:  Samstag, 24.06.2023, 19:30 Uhr, Theater Erfurt – Großes Haus

MEDZENTRUM Deutschland  –  macht den Weg frei für eine erfolgreiche Charity-Veranstaltung

Mit seinen Begrüßungsworten teilt Dr. Uwe Natter, Vorstand der IWG Holding AG und Verantwortlicher für die Entwicklung von MEDZENTRUM Ärzte- und Gesundheitszentren, die Überzeugung von Opera meets nature, dass das z. Z. räumlich begrenzte Projekt überregional aufgestellt werden sollte. Alexander Bechtler, Fachanwalt für Medizinrecht und Sprecher des MEDZENTRUM-Netzwerks, setzte sich persönlich dafür ein, dass dieses Konzert stattfindet. Das Unternehmen ist breit aufgestellt, soziales Engagement wird großgeschrieben. Aktuell liegt einer der sozialen Schwerpunkte auf der Organisation der Unterbringung von Ukraine-Flüchtlingen, von denen Dr. Uwe Natter heute einige begrüßen kann. Neben dem klassischen Opernpublikum sind Mitarbeiter_innen der IWG Holding AG mit ihren Kindern zu sehen, die mit einem schönen Tag überrascht werden. Das Picknick in der Pause ist exquisit. Decken liegen auf dem Rasen des weitläufigen Parks, Bänke und Tische sind aufgestellt, jeder Gast erhält von freundlichen jungen Damen eine Box mit Leckereien. Darüber hinaus gibt es v.a.m., wie Pizza und Eis. Die Getränkeauswahl ist umfangreich. Noch nie erhielt ich im Rahmen eines Konzertes ein solches Verwöhnpaket. An eine Hüpfburg, einen Zauberer, Kindertheater, Kinderschminken, Süßigkeiten, an alles, was ein Kinderherz erfreut, ist ebenfalls gedacht.

In der teuren Halle verhallt das süße Lied aus der Ferne

Kinderunterhaltung auf Schloss Laubach © Ingrid Freiberg
Kinderunterhaltung auf Schloss Laubach © Ingrid Freiberg

Das Lachen und die Freude der Kleinen, auch das Vogelgezwitscher bringen mir die Freude auf das Konzert zurück. Das bunte Völkchen lässt sich auf den schönen Holzbänken nieder, hoffend, dass es keinen Regen gibt. Die Mitglieder des Philharmonic Volkswagen Orchestra, die sich ebenfalls ehrenamtlich einbringen, betreten das mit Birkenzweigen geschmückte Konzertpodium. 1949 wurde das Orchester durch die Mitarbeiter_innen von Volkswagen gegründet und besteht heute aus rund 80 zum größten Teil professionellen Musiker_innen. Unter der Leitung von Hans Ulrich Kolf ist das Ensemble mit unterschiedlichen Musikrichtungen vertraut, einer Mischung aus Klassik und Rock. In Erinnerung bleibt das Konzert mit Peter Maffay. Das heutige Programm setzt hohe Ansprüche, die die Musiker_innen mit Begeisterung erfüllen. Die Ouvertüre aus Tannhäuser von Richard Wagner macht Laune auf den Wagner-lastigen ersten Programmteil, in dem auch die Ouvertüre aus Der fliegende Holländer zu hören ist. Das Vorspiel zum 3. Akt von Lohengrin, eines der berühmtesten Werke des Opernrepertoires, wird kompetent herausgearbeitet, es ist eine Tour-de-Force für erfahrene Musiker_innen. Umso mehr ist das Orchester zu loben.

Gabriela Scherer

In einem atemberaubenden silbernen Abendkleid betritt Gabriela Scherer die Bühne. Nach einigen erwartungsvollen Sekunden ist ihr lyrisch dramatischer, klangschöner Sopran mit Viel Sinnlichkeit zu hören. Wenn man eine Sängerin eine Weile begleiten darf, z. B. ihren Wechsel vom Mezzosopran zum Sopran, ist es eine Freude, feststellen zu können, in welchem Umfang sich eine Stimme weiterentwickeln kann. Ihre Elisabeth mit Dich, teure Halle grüß ich wieder… aus Tannhäuser von Richard Wagner hat Glut und Leidenschaft, die sich als Tosca von Giacomo Puccini mit der Arie Vissi d’arte in einem innigen Monolog, in dem sie Gott fragt, warum sie so gestraft wird, fortsetzt. Pjotr I. Tschaikowski komponierte mit Tatjanas Brief-Arie in Eugen Onegin den wohl schönsten und mitreißendsten Liebesbrief der Opernliteratur: Und wenn’s mein Ende ist, ich tu‘ es! Denn vorher will ich einmal leben, will mich der Seligkeit ergeben, und wie im siebten Himmel sein. Ich will das Liebesglück erfahren… Gabriela Scherer singt diese wunderschöne Arie so anrührend, dass Tränen kaum zu vermeiden sind. Hervorragend abgerundet wird ihr Part – ganz in der Tradition von Montserrat Caballé und Maria Callas – mit der Arie Sola, perduta, abbandonat in landa desolata! Einsam, verloren, verlassen in der öden Ebene! aus der Oper Manon Lescaut von Puccini.

Michael Volle

Kaum ein anderer Sänger verfügt neben seiner Leidenschaft, die stets mitschwingt, und der besonderen Strahlkraft seiner Stimme über eine solch perfekte Diktion, Gestik und Mimik wie der Bariton Michael Volle. Darüber hinaus hat er ein umwerfend komisches Talent. Es ist mitreißend zu beobachten, wie dieser Vollblutkünstler Singen mit Schauspielerei genial kombiniert. Sein Spektrum ist riesengroß: vom Wolfram aus Wagners Tannhäuser mit Blick’ ich umher in diesem edlen Kreise… und O du, mein holder Abendstern… bis hin zu Tevje, dem Milchmann, aus Anatevka, den Volle mit allen Fasern seines Körpers lebt, und der Begeisterungsstürme auslöst, bis zu Im Feuerstrom der Reben aus der Fledermaus. Nachdem er in der Art eines Nummerngirls das Publikum bittet, per Handy für Opera meets nature zu spenden, fließt noch einmal der Champagner als Trinklied aus der Oper La Traviata. Michael Volle ist immer ein Ereignis. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Gabriela Scherer/Senta ist er der musikalische Höhepunkt der ersten Konzerthälfte: Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten spricht dieses Mädchens Bild zu mir… würd es durch solchen Engel mir zuteil! aus Der fliegende Holländer. Die liebevolle Vertrautheit der beiden ist anrührend.

Lidia Baich

Lidia Baich © Ingrid Freiberg
Lidia Baich © Ingrid Freiberg

Das 1. Violinkonzert in g-Moll, op. 26 von Max Bruch bietet Solisten die Möglichkeit, Virtuosität zu demonstrieren. Gewidmet wurde es dem bedeutenden Geiger Joseph Joachim, der auch Solist der Uraufführung war. Kaum weniger bedeutend ist das Spiel von Lidia Baich zu nennen. Mit acht Jahren gewann sie ihren ersten internationalen Wettbewerb, dem zahlreiche weitere erste Preise folgten. Ihre außergewöhnliche musikalische Leistung brachte ihr als Sechzehnjährige den Sieg beim Eurovision Young Musicians 1998 und die Auszeichnung Europäischer Musiker des Jahres, die ihr von Lord Yehudi Menuhin persönlich überreicht wurde, ein. Baich spielte zunächst auf einer Violine von Giuseppe Guarneri del Gesù „ex Guilet“ aus dem Jahr 1732, die ihr von der Österreichischen Nationalbank zur Verfügung gestellt wurde. Seit 2020 spielt sie auf einer Violine von Jean Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1860, der auch Paganinis Geigenbauer war. Lidia Baich verzaubert und bezaubert, hingerissen lauscht man ihrem grandiosen Spiel. Cavalleria Rusticana ist das einzige Werk von Pietro Mascagni, das einem breiteren Publikum bekannt ist. Insbesondere das wunderbare Intermezzo ist eine Melodie, die die Fantasie beflügelt. Sie symbolisiert den Osterfrieden der frommen Kirchgänger. Von Lidia Baich gespielt, wird es zu einer himmlischen Pretiose. Das Ballett Schwanensee von Tschaikowsky wurde 1877 mit der Primaballerina Pelagaja Karpakowa in Moskau uraufgeführt. Sie war es auch, die Tschaikowsky aufforderte, den Russischen Tanz, einen virtuosen Part für Solo-Violine, für die Premiere zu schreiben. Wie auch immer die viel beschworene russische Seele beschaffen sein mag, sie ist nicht wirklich greifbar… Die in St. Petersburg geborene Baich versteht es allerdings, alle nur erdenklichen Gefühlsregungen auszulösen. Technische Hürden scheint es für sie nicht zu geben, seien sie auch noch so halsbrecherisch.

Andreas Schager

Wie sehr Andreas Schager das von ihm initiierte Projekt Opera meets nature am Herzen liegt, zeigt sein unbändiges Engagement. Nach seinen Auftritten (Faszination Wagner, Parsival, Tannhäuser, Tristan) im Rahmen der Festtage 22 der Oper Leipzig wenige Tage zuvor, hatte er unmittelbar vor dem Konzert zwei Durchlaufproben als Siegfried in Bayreuth. Sie waren notwendig geworden, weil Pietari Inkinen, der Dirigent für den Ring des Nibelungen an Corona erkrankt ist. Früher legten Wagner-Sänger zwischen ihren Auftritten eine Pause von 14 Tagen ein, um sich zu rekonvaleszieren. Nur so kann man ermessen, welche Leistung Andreas Schager an diesem Nachmittag bringt. Selbst die Vögel stimmen in seinen Gesang mit ein. Lohengrin / Schager: Das süße Lied verhallt; wir sind allein, zum ersten Mal allein, seit wir uns sahnElsa / Scherer: Wie wär’ ich kalt, mich glücklich nur zu nennen, besitz’ ich aller Himmel Seligkeit! ist ein Liebesduett zum Dahinschmelzen. Hier schließt Gabriela Scherer ohne Abstriche an ihr erfolgreiches Rollendebut als Elsa an der Oper Leipzig an. In fernem Land, unnahbar euren Schritten… die Gralserzählung ist ein zentraler Bestandteil der romantischen Oper. Lohengrin/Schager offenbart vor dem König feierlich seine Identität als Sohn des Gralskönigs Parzival. Schagers Stimme ist zu heldischen Aufschwüngen bis hin zu lyrischer Verhaltenheit fähig und zeigt in der Schlusssequenz des Konzertes operettenhafte Leichtigkeit.

Es ist ein Konzerterlebnis der besonderen Art, das alles Pralle, Sinnliche, Pulsierende, Prickelnde, bunt Lebendige anspricht und das durch die Gastfreundlichkeit von Gräfin Celina und Graf Karl Georg zu-Solms-Laubach In ihrem traumhaften Schlosspark unvergesslich sein wird.

—| IOCO Kritik operameetsnature |—

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