London, London Symphony Orchestra, Simon Rattle ab 2017 LSO Chefdirigent, IOCO Aktuell, 22.03.2015

 

Berliner Philharmonie © Schirmer / Berliner Philharmoniker
Berliner Philharmonie © Schirmer / Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker: Ab 2017 ohne Chefdirigent?

Die Bestellung von Sir Simon Rattle zum Music Director zum September 2017 gab das das London Symphony Orchestra (LSO) Anfang März 2015 bekannt. Rattle wird beim LSO in die Fußstapfen illustrer Chefdirigenten treten: Valery Gergiev (2007 – 2015), Sir Colin Davis (1995 – 2006), Michael Tilson Thomas (1988 – 95), Claudio Abbado (1979 – 88, welcher 1989 Chef der Berliner Philharmoniker wurde) und André Previn (1968 – 79). Als Music Director wird Rattle alle konzertanten LSO Tätigkeiten gestalten sowie Musik und Musikerziehung im Allgemeinen.

Tower Bridge, London © IOCO
Tower Bridge, London © IOCO

„Es ist wie eine Heimkehr“, so Rattle zu seiner Bestellung und erläuterte  seine Visionen zum universellen Zugang zur Musik für Kinder und junge Menschen: Er rief dazu auf, den Zugang zu großer Musik allen Menschen zugänglich zu machen. Rattle: „Während meiner Tätigkeit der vergangenen Jahre mit dem LSO, bemerkte ich, dass das Orchester trotz seiner langen und illustren Geschichte, diese nie im Zentrum stand. Stattdessen und erfrischend, sprechen sie (das LSO, IOCO) über die Zukunft, was man erneuern kann, was man verbessern kann, wie sie das direkte Lebensumfeld besser durchdringen können. In Begriffen musikalischer Klasse ist unbestritten, dass der Himmel die Grenze ist. Doch gleich bedeutend sind philosophische Werte, mit denen sie (das LSO, IOCO) danach streben, ein Orchester des 21. Jahrhunderts zu sein.“ So wurde Anfang März 2015 entschieden: Rattle leitet das LSO ab Herbst 2017.

Simon Rattle und das LSO am 3. März 2015 © Ranald Mackechnie
Simon Rattle und das LSO am 3. März 2015 © Ranald Mackechnie

Eine zur LSO korrespondierende Verlautbarung der Berliner Philharmoniker besteht nicht. Eine IOCO Anfrage in Berlin erbrachte ebenfalls keine Informationen. Wer folgt Rattle wann bei den Berliner Philharmonikern?   Simon Rattle, seit 2002 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, folgte dort Claudio Abbado. Übervater Herbert von Karajan hatte die Philharmoniker bis 1989, in 34 Jahren, zu ihrer heutigen Weltgeltung geführt. Rattle wie Abbado verwalteten sein Erbe ordentlich, doch vergleichsweise blass. Auffällig wurde Simon Rattle im Januar 2013, als er, gerade erst für fünf Jahre in seinem Amt bestätigt, für 2018 kündigte. Jedem Anfang sollte ein Zauber inne wohnen. Seit Januar 2013 überlagert die Frage nach Simon Rattles Nachfolger das musikalische Geschehen der Berliner Philharmoniker.  Erst recht nachdem Rattle in London zum Music Director gekürt wurde.

Am 11.5.2015 werden die festangestellten Musiker der Berliner Philharmoniker in Klausur, autonom, erstmals namentliche Vorschläge zur Nachfolge Rattles machen: Christian Thielemann (55), Daniel Barenboim (72), Gustavo Dudamel (34)), Andris Nelsons (36) sind öffentlich gehandelte Namen. Wann genau sich die Orchestermitglieder auf einen Nachfolger verständigen, ob und wann die Berliner Philharmoniker sich mit einem Wunschkandidaten vertraglich einig sind, ist zur Zeit, über zwei Jahre nach Rattles Kündigung immer noch völlig offen.

In dem online-Magazin “128” der Berliner Philharmoniker es: 128 – so heißt das Magazin der Berliner Philharmoniker, entsprechend der Anzahl der Musiker des Orchesters. Die aufwändig gestaltete Zeitschrift richtet sich an die Freunde der Berliner Philharmoniker und der klassischen Musik in der ganzen Welt. Wir erzählen davon, was auf und hinter der Bühne der Philharmonie geschieht, stellen Ihnen in Interviews internationale Gastkünstler vor und nehmen Sie in Reiseberichten mit auf die Tourneen der Berliner Philharmoniker.

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO
Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Gedanken zur zukünftigen Führung der Berliner Philharmoniker findet man in 128 keine. Auch nicht, warum Simon Rattle 2017 in London antritt obwohl sein Berliner Vertrag bis 2018 läuft. Knapp € 20 Mio. öffentliche Subventionen erhalten die Berliner Philharmoniker jährlich. Es scheint, dass “die ultimative klassische Musik-Maschine“, die Berliner Philharmoniker, organisatorisch noch erheblichen Nachholbedarf haben.

IOCO / Viktor Jarosch / 24.03.2015

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