Lübeck, Theater Lübeck, L’Amore dei tre Re – Italo Montemezzi, IOCO Kritik, 27.05.2022

Theater Lübeck / L*Amore dei tre Re, Oper von Italo Montemezzi © Olaf Malzahn
Theater Lübeck / L*Amore dei tre Re, Oper von Italo Montemezzi © Olaf Malzahn

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Theater Lübeck

Theater Lübeck © Olaf Malzahn
Theater Lübeck © Olaf Malzahn

 L’AMORE DEI TRE RE – Italo Montemezzi

– Bezaubernde italienische Verismo-Wohlklänge eines wenig bekannten Komponisten –

von Wolfgang Schmitt

Komponist Italo Montemezzi © Wikimedia Commons
Komponist Italo Montemezzi © Wikimedia Commons

Insgesamt sieben Opern komponierte Italo Montemezzi (1875 – 1952), leider sind sie alle mehr oder weniger in Vergessenheit geraten, lediglich L’Amore dei tre Re (Die Liebe der drei Könige) schafft es gelegentlich noch auf die Opernbühnen, so zuletzt 1998 bei den Bregenzer Festspielen. Umso mehr ist es dem Theater Lübeck zu danken, daß man sich dieses Werkes nun angenommen hat.

Montemezzi komponierte diese Oper 1912 nach einem Theaterstück von Sam Benelli, der ihm auch das Libretto schrieb. Sie erlebte ihre Uraufführung unter der Leitung von Tullio Serafin an der Mailänder Scala am 10. April 1913, also im Jahr vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, und möglicherweise liegt darin die Erklärung, warum dieser Oper in Europa so wenig Beachtung geschenkt wurde. In Amerika war L’Amore die tre Re deutlich erfolgreicher, so wurde sie 1918 an der New Yorker Metropolitan Opera unter der Leitung von Arturo Toscanini aufgeführt und verblieb etwa 25 Jahre lang im Spielpan der MET. Auch in Chicago gab es Aufführungen dieser Oper, ebenso in London, Paris und Buenos Aires. Eine weitere Oper Montemezzis, La Nave, wurde 1918 ebenfalls an der Mailänder Scala uraufgeführt, ein großer Erfolg blieb jedoch auch diesem Werk versagt.

Die Liebe der drei Könige – L’amore dei tre re – Trailer
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Immerhin gibt es von L’Amore die tre Re einige Gesamtaufnahmen, so spielte RCA diese Oper 1977 mit Anna Moffo, Placido Domingo, Pablo Elvira und Cesare Ciepi unter der Leitung von Nello Santi ein. Auch ist der Rundfunk-Mitschnitt der Aufführung aus der MET vom 15. Februar 1941 mit Grace Moore und Ezio Pinza, dirigiert von Italo Montemezzi höchstpersönlich als CD erschienen.

Das Lübecker Opernhaus präsentierte am 21.5.2022 diese Oper in einer spannenden Inszenierung von Effi Mendez und in einem ansprechenden Bühnenbild von Stefan Heinrichs. Es bestand aus vier hohen, bedrohlich wirkenden Monolithen an den Seiten, in der Bühnenmitte gab es ein gondelartiges Konstrukt, welches einen Brunnen im Innenhof des Anwesens darstellen sollte und später in ein großes Bett umgewandelt werden konnte. Die von Ilona Holdorf-Schimanke entworfenen Kostüme waren klassisch-elegant und zeitlos.

Theater Lübeck / L*Amore dei tre Re, Oper von Italo Montemezzi © Olaf Malzahn
Theater Lübeck / L*Amore dei tre Re, Oper von Italo Montemezzi © Olaf Malzahn

Die Handlung der Oper bewegt sich um den mittlerweile erblindeten nordischen König Archibaldo, der vor vielen Jahren das Land Altura erobert hatte. Als Bedingung für den Frieden mußte sich die schöne junge Fiora mit seinem Sohn Manfredo verheiraten, die eigentlich die Auserwählte von Avito, dem Prinzen von Altura war. Archibaldo ist selbst besessen von Fiora, spioniert ihr nach und findet heraus, daß Fiona einen Liebhaber hat, er weiß nur nicht, daß es Avito ist. Er erwürgt sie, bestreicht ihre Lippen mit Gift. Avito nähert sich ihrem Totenbett, küßt sie und stirbt. Auch Manfredo, der Fiora ehrlich geliebt hat, gibt ihr einen letzten Kuß und stirbt ebenfalls.

Die Partie des König Archibaldo sang Runi Brattaberg, ein großer stattlicher, Autorität ausstrahlender Charakterbass in blauem, mit Tressen und Orden behangenem Uniform-Mantel, vom Typ und auch stimmlich geradezu eine Idealbesetzung für diese Partie. Seine sonore Bass-Stimme versteht er sehr differenziert, mal herrisch, gebieterisch, sehr oft Angst einflößend einzusetzen. Er wird stets begleitet von seinem Diener FlaminioNoah Schaul mit ausdrucksvollem lyrischen Tenor – der die Brutalitäten seines Herrn ertragen und sich schon mal mit dem Blindenstock schlagen lassen muß.

Sein Sohn Manfredo, doppelt leidend unter seinem übermächtigen Vater und unter der mangelnden Zuwendung seiner Frau Fiora, ist mit Anton Keremidtchiev und seinem ausdrucksstarkem Bariton trefflich besetzt. Besonders eindrucksvoll gelangen die Szenen des eigentlichen Liebespaars Fiora und Avito. Maria Fernanda Castillo war eine ausgezeichnete Fiora, darstellerisch anrührend und intensiv, sie überzeugte mit ihrer technisch perfekt geführten Stimme, dem aufblühenden Höhenregister, den sanften lyrischen Passagen und den dramatischen Attacken. Auch Yoonki Baek in der Partie des Avito bot sowohl stimmlich als auch in seiner Darstellung ein eindrückliches Portrait des heimlichen Geliebten. Die Liebesszenen der Beiden auf dem mit goldenen Kissen drapierten großem Bett vor dem Perlenvorhang, auf den das Gustav-Klimt-Gemälde „Der Kuss“ projiziert wurde, klangen äußerst gefühlvoll und mit fein dosierter Stimmführung. Auch seine große drastische Sterbeszene im Schlußbild an Fioras Totenbett war ergreifend.

Theater Lübeck / L*Amore dei tre Re, hier das Ensemble zum Schlussapplaus © Wolfgang Schmitt
Theater Lübeck / L*Amore dei tre Re, hier das Ensemble zum Schlussapplaus © Wolfgang Schmitt

Die kleinen Partien waren mit Rosa-Dongeun Kim, Gustavo Mordente Eda und Frederike Schulten angemessen besetzt. Auch der von Jan-Michael Krüger einstudierte Chor beeindruckte im letzten Akt mit oratorienhaftem Gesang an Fioras Totenbett.

Montemezzis facettenreiche, fesselnde Komposition fand ihre Entsprechung in dem bestens disponierten Philharmonischen Orchester unter der energetischen Leitung des 1. Kapellmeisters Takahiro Nagasaki. Diese herrliche Musik – in einigen Passagen fast schon ätherisch wie etwa bei Debussy, oder raffiniert wie bei Richard Strauss gepaart mit Wagnerischer Üppigkeit – und der italienische Verismo-Wohlklang fließen geradezu durch die Handlung und verschmelzen wundervoll mit dem Bühnengeschehen, einerseits filigran und poetisch, andererseits bedrohlich und dramatisch wie beispielsweise in der Mordszene, wenn Archibaldo seine Schwiegertochter erwürgt.

Nach dem Genuß dieser Aufführung kann man nur konstatieren, Italo Montemezzi hätte es wirklich verdient, eine „Renaissance“ zu erfahren, sicherlich findet sich unter seinen sechs anderen Opern noch ein ähnliches Meisterwerk. Möglicherweise würden diese, wie z.B. Giovanni Gallurese oder die drei Einakter La Notte di Zoarima, La Nave und L’Incantesimo für weitere schöne Überraschungen sorgen.

L’Amore dei tre Re Theater Lübeck; die nächsten Vorstellungen 12.6.; 19.6.2022

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