München, Bayerische Staatsoper München, Premiere MANON LESCAUT, 15.11.2014

Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl
Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Zweite Premiere der Saison am  15.11.2014:

MANON LESCAUT von Giacomo Puccini

Libretto nach Abbé Prévosts Roman Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut der Autoren  Ruggiero Leoncavallo, Marco Praga, Domenico Oliva, Luigi Illica, Giuseppe Giacosa, Giulio Ricordi und Giuseppe Adami

Premiere 15.11.2014; weitere Vorstellungen 19.11.2014; 24.11.2014; 27.11.2014; 30.11.2014; 04.12.2014; 07.12.2014: 28.07.2015; 31.07.2015

Mit Giacomo Puccinis Manon Lescaut präsentiert die Bayerische Staatsoper die zweite Premiere der Spielzeit. Für die Inszenierung zeichnet Regisseur Hans Neuenfels verantwortlich. Anstelle von Anna Netrebko wird Kristine Opolais die Titelpartie übernehmen. Intendant Nikolaus Bachler bedauert die Absage von Anna Netrebko sehr: „Es ist Anna Netrebko dennoch zu danken, dass sie sich frühzeitig entschieden hat, die Premiere wegen unterschiedlichen Auffassungen des Werks zurückzugeben. Die Bayerische Staatsoper ist jedoch dafür bekannt, erstklassige musikalische Qualität mit spannenden, mutigen Regieansätzen zu verbinden. Dass in Einzelfällen künstlerische Konstellationen nicht funktionieren, kommt in unserem Metier vor. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Kristine Opolais und auf weitere Engagements von Anna Netrebko in den kommenden Spielzeiten.“ Jonas Kaufmann singt die Partie des Studenten Des Grieux. Die Musikalische Leitung hat der französische Dirigent Alain Altinoglu inne.

Giacomo Puccinis erster großer Publikumserfolg Manon Lescaut basiert auf der gleichnamigen Erzählung des französischen Dichters Abbé Antoine-François Prévost. Bereits 1884 von Jules Massenet als Vorlage für eine Oper genutzt, wird Puccinis Version der Geschichte um den Chevalier Des Grieux und Manon Lescaut im Jahr 1893 am Teatro Regio in Turin umjubelt uraufgeführt. Nicht zuletzt Puccinis Vertonung trägt dazu bei, dass die Geschichte von Manon Lescaut im 19. Jahrhundert zum Mythos wird. Es ist der Mythos einer Frau, die zwischen Liebe und Luxus hin- und hergetrieben ist und schließlich gebrochen in einer öden Landschaft in New Orleans stirbt. Sie ist eine Frau mit unergründlichen Verhaltensweisen, so doppeldeutig und rätselhaft wie im 20. Jahrhundert nur Lulu.

Hans Neuenfels beschäftigt sich in seiner Theaterarbeit häufig mit solch mythischen Frauenfiguren: Charaktere wie Medea oder Penthesilea sind zentral im Oeuvre des Regisseurs. Während seiner Beschäftigung mit diesen Figuren studiert er vor allem auch die Verhaltensmuster unserer Kultur, die zu einem bestimmten Bild der Frau an sich führen. Nach seiner Interpretation von Medea in Corinto im Jahr 2010 ist Manon Lescaut die zweite Regiearbeit von Hans Neuenfels an der Bayerischen Staatsoper. Mithilfe eines reduzierten Bühnenbildes soll die Expressivität der Geschichte vor allem im Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren zum Ausdruck kommen. Dabei spielen das Beobachtet-Sein von außen und die Blicke und Anforderungen der Gesellschaft eine wesentliche Rolle in der Charakterisierung der Hauptfiguren. Somit stellt sich die Frage nach den Motiven von Manon, Des Grieux und den anderen Figuren immer wieder neu: Sind ihre Handlungen von Gesellschaft und Rollenbildern bestimmt oder erfolgen sie aus eigenem Antrieb? Handelt es sich – auf beiden Seiten – um wahre Liebe oder die Befriedigung von Besitzansprüchen? Hans Neuenfels sieht die Tragödie von Manon und Des Grieux bereits vor dem ersten Zusammentreffen der beiden Liebenden in Gang gesetzt und ihre Handlungen somit größtenteils vorbestimmt: „Bei Manon oder bei Romeo und Julia erwacht die Liebe in dem Moment, in dem es schon fast zu spät ist, weil es um die Liebenden durch ihre Gefühlsverstrickung und die sie in ganz andere Richtungen zerrrenden gesellschaftlichen Verhältnisse bereits geschehen ist. Die Tragödie ist schon geschehen, zwar nicht vollendet, aber in Gang gesetzt.“ Mithilfe von „scheinbar grotesken Verschärfungen“ (Neuenfels) wird der Regisseur versuchen, sowohl die gesellschaftlichen Verhältnisse der Protagonisten, als auch ihre Handlungen greifbarer und plastischer zu gestalten.

Kristine Opolais und Jonas Kaufmann erarbeiteten sich im Juni dieses Jahres gemeinsam eine Neuproduktion von Manon Lescaut am Royal Opera House Covent Garden. Beide gaben in dieser Premierenserie ihre Rollendebüts. An der Bayerischen Staatsoper übernahm Kristine Opolais bereits in den Premierenserien von Rusalka (Martin KuSej, 2010) und Simon Boccanegra (Dmitri Tcherniakov, 2013) kurzfristig die Hauptpartien. Im Oktober 2014 war sie zuletzt als Vitellia in Mozarts La clemenza di Tito zu hören. Für Jonas Kaufmann ist dies die sechste Premiere an der Bayerischen Staatsoper. Seine letzte Partie in München: Don Alvaro in Giuseppe Verdis La forza del destino. Der Bariton Markus Eiche singt die Partie von Manons Bruder Lescaut; er ist seit 2012 Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper.

Musikalische Leitung: Alain Altinoglu, Produktionsdramaturgie: Benedikt Stampfli
Inszenierung: Hans Neuenfels, Bühne: Stefan Mayer
Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer, Licht: Stefan Bolliger
Konzeptionelle Mitarbeit: Yvonne Gebauer, Chor: Sören Eckhoff

BESETZUNG:
Manon Lescaut: Kristine Opolais, Lescaut: Markus Eiche
Il cavaliere Renato Des Grieux: Jonas Kaufmann
Geronte di Ravoir: Roland Bracht, Edmondo: Dean Power
L’oste: Christian Rieger, Il maestro di ballo: Ulrich Reß
Un musico: Okka von der Damerau, Un sergente: Christoph Stephinger
Un lampionaio: Alexander Kaimbacher, Un comandante: Evgenij Kachurovsky
Bayerisches Staatsorchester, Chor der Bayerischen Staatsoper

—| Pressemeldung Bayerische Staatsoper München |—

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