München, Gärtnerplatz Theater, Don Pasquale im Rokoko des Cuvilliés-Theater, IOCO Kritik, 14.04.2014

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle
Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle

Don Pasquale in Rot-Goldenem Rokoko-Gewand

Gärtnerplatz Theater / Don Pasquale / Norina und Pasquale © Thomas Dashuber
Gärtnerplatz Theater / Don Pasquale / Norina und Pasquale © Thomas Dashuber

Das Gärtnerplatztheater und sein Ensemble durchleben durch die bis 2016 dauernde Sanierung ihrer Hauptspielstätte spannende Zeiten. Deutschlands schönstes Rokokotheater, das in Rot und Gold gehaltene Cuvilliés-Theater, war 2013/14 eine optisch verzaubernde Ersatzspielstätte des Gärtnerplatztheaters. Gaetano Donizettis (1797 – 1848) letzte große Opera Buffa Don Pasquale stand dort auf dem Spielplan. IOCO besuchte die letzte Aufführung dieser Oper im Cuvilliés-Theater.
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Don Pasquale wurde am 3. Januar 1843 in Paris uraufgeführt. Zu dieser Zeit war der fleißige Belcanto-Komponist Donizetti des Liebestrank und der Regimentstochter bereits weltberühmt. Paris war zu der Zeit eine bedeutende Musikmetropole. Auch Donizetti war, wie viele andere große Komponisten, einem Ruf nach Paris gefolgt. Kurz nach dieser Uraufführung verfiel Donizetti gesundheitlich. An den Folgen der Syphilis-Erkrankung starb er 1948 nach langem, schwerem Leiden.

Inszeniert wurde Don Pasquale von Brigitte Fassbaender. Die Sängerlegende und ex-Intendantin des Tiroler Landestheaters (2003-2012) arbeitet nun überwiegend als Regisseurin. Ihrer großen Erfahrung und ihrem Verständnis für Darsteller gelang eine lebendig filigrane Inszenierung, dem Cuvilliés-Theater angepasst. Das Grundthema der Oper (eitler alter Mann, Reichtum und Erbstreit) lädt zu krachledernem Humor ein, nicht jedoch Donizettis differenzierend komische Musik. So meidet auch Brigitte Fassbaender deftigen Klamauk.

Dass es in Don Pasquale um die Liebe geht verrät uns im ersten Bild einer multifunktionalen Bühne der von der Decke schwebende Amor. Ein hoher blauer Raum, aparte Kostüme vergangener Zeiten wie der Gegenwart, ein spielfreudiger Chor, sprachliche Apercus bilden die würzenden Zutaten zu einer feinfühligen Belcanto-Gala des Gärtnerplatztheaters im Cuvilliés-Theater. So besteht der besondere Reiz dieser Inszenierung darin, dass Brigitte Fassbaender nicht flacher Karikatur Tür und Tor öffnet, dass kein Pointenfuror herrscht. Stattdessen fasziniert lebendiger, lebensnaher Humor im Rokoko-Ambiente der Spielstätte.

Gärtnerplatz Theater / Don Pasquale und Gärtnerplatzchor © Thomas Dashuber
Gärtnerplatz Theater / Don Pasquale und Gärtnerplatzchor © Thomas Dashuber

Denn die Stimmen des Gärtnerplatz-Ensembles blühen im klangfreundlichen Ambiente des Cuvilliés-Theaters: Die Partie des Don Pasquale dominiert die Oper, und so ist dessen Besetzung zentral für die Produktion. Der Opera Buffa-erfahrene Bariton Marco Filippo Romano nahm die Besucher bereits im ersten Bild gefangen, meist in skurriler Schieflage, mit wohltönend sicherem Timbre, während um ihn herum ebenso humorig intrigiert wird. Anja-Nina Bahrmann, als Don Pasquales junge Gattin Norina, geht in ihrem expressiven Koloratursopran auf. Stimmsicher meistert sie vokale Finessen, darstellerisch scheint sie für allerlei Missetaten durchaus zugänglich. Bahrmann verzauberte. Doch auch der australische Tenor Adrian Strooper überzeugte mit zartem Tenor in der Partie des schmachtenden Ernesto. Der Italiener Vittorio Prato besticht als undurchsichtiger Dr. Malatesta.

Michael Brandstätter hat es sehr schwer, ein über die ersten Reihen verstreut sitzendes Gärtnerplatzorchester zu führen; doch es gelingt. Zwischen Buffo-Gepolter und lyrischen Melodien schafft Brandstätter engen Kontakt von Ensemble und Orchester. Den Besuchern verschaffen Orchester und Gärtnerplatz-Ensemble und das verzaubernde Cuvilliés-Theater einen lebendigen Opernabend.

IOCO / Daniela Zimmermann / 14.04.2014
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Die nächste Produktion des Gärtnerplatz-Theaters im Cuvilliés-Theater: Wiener Blut von Johann Strauss (Sohn), Premiere am 26. November 2014

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