München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Musical Das Lächeln einer Sommernacht, IOCO Kritik, 15.02.2016

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle
Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle

Melancholie und Sommernacht im Dreivierteltakt

Das Lächeln einer Sommernacht wurde erstmals 1955 von Ingmar Bergmann erfolgreich verfilmt. Auf den Film aufbauend schufen Hugh Wheeler (Text) und Stephen Sondheim (Musik) ein Musical um komödiantisch melancholische Liebesverwicklungen in einer schwedischen Mittsommernacht. Als A Little Night Music wurde das Musical 1973 im Shubert Theatre am Broadway zu einem Welthit, 1977 mit Liz Taylor und Diana Rigg erneut, adaptiert, verfilmt. Im Februar 2016 inszenierte das Gärtnerplatztheater dies Musical im Münchner Cuvilliéstheater.

München / Gärtnerplatztheater DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT Ensemble © Thomas Dashuber
München / Gärtnerplatztheater DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT Ensemble © Thomas Dashuber

Liebesgefühle und Liebesschmerz drängen in einer langen, warmen, schwedischen Sommernacht nach oben, nach außen. In gesprochenen wie gesungenen Dialogen und, besonders auffällig, in beständigem Dreivierteltakt, in Walzerträumen. Ein Sommerzauber wird geschaffen, dem sich niemand entziehen kann. Gefühle wie Impressionen verwischen sich mit einer beständig drehenden, Tempo und Handlung mitlenkenden Bühne. Alles Geschehen dreht sich vor unseren Augen und dreht sich und dreht sich. Ein roter, üppig eleganter Vorhang, teilt und prägt das Bild der Drehbühne (Rainer Sinell). Dirigent Andreas Kowalewitz und das Orchester des Staatstheater untermalen das reiche Gefühlsleben der Protagonisten in zart zurückgenommenem Farben; die Musik soll nicht dominant wirken. A Little Night Music ist eher sensibel elegisches Theater mit musikalischer Begleitung als feuriges Musical.

München / Gärtnerplatztheater - DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT Fredrik, Desirée , Gräfin Charlotte Malcolm, Carl-Magnus Malcolm © Thomas Dashuber
München / Gärtnerplatztheater – DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT_Fredrik, Desirée , Gräfin Charlotte Malcolm, Carl-Magnus Malcolm © Thomas Dashuber

Die Handlung spielt um 1900 in Schweden. Der in die Jahre gekommene Rechtsanwalt Fredrik Egermann (Erwin Windegger) ist in zweiter Ehe mit der blutjungen Anne Egermann (Beate Kortner) frisch verheiratet; doch die Ehe ist noch nicht vollzogen. Doch sieh, seine große Jugendliebe Desirée (Sigrid Hauser), inzwischen Bühnenstar und Diva aber ebenfalls in die Jahre gekommen gastiert in der Nähe und wie sollte es anders sein, man erlebt sich wieder neu. Der derzeitige Liebhaber der Diva Carl-Magnus Malcom (Daniel Prohaska) ist schrecklich eifersüchtig auf den plötzlich aufgetauchten Fredrik. Malcom ist verheiratet mit der Gräfin Charlotte Malcom (Julia Klotz), die über die Affäre ihres Mannes  weiß und unglücklich ist. Fredriks Sohn (Christof Messner) ist auch unglücklich; unglücklich verliebt in seine fast gleichaltrige Stiefmutter Anne.

Im 2.Teil geht es dann aufs Land. Ein Birkenpanorama auf der Drehbühne verströmt die Romantik einer Mittsommernacht. Und dort auf dem Lande finden alle Paare altersgerecht zusammen. Desirée und Fredrik entdecken ihre Liebe neu, das adlige Paar findet wieder zusammen und Fredriks Sohn, der junge Theologiestudent, landet mit seiner geliebten Anne im Bett.

München / Gärtnerplatztheater DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT © Thomas Dashuber
München / Gärtnerplatztheater DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT © Thomas Dashuber

 Die Einladung für die Landpartie geht offiziell von Desirées Mutter aus. Die Patriarchin, Madame Armfeldt (Giesela Ehrensperger) genießt mit Desirées Tochter Fredrika (Amelie Spielmann) ein wohlhabenes Leben auf ihrem Landsitz. Sie sitzt im Rollstuhl und sinniert über ihr zurückliegendes Leben als Kurtisane reicher Liebhaber. Von einem hat sie den besten Champagner geschenkt bekommen, der zu ihrer Beerdigung als würdiger Abschied getrunken werden soll. Zur Feier dieses Anlasses darf aber schon vorab ein Gläschen getrunken werden. Die kleine Fredrika ist altklug und geprägt durch die offenen Gespräche der Großmutter. Dreimal erklärt die Patriarchin ihrer Enkelin lächelt die Sommernacht. Einmal über die Jungen, die noch nichts wissen, ein zweites Mal über die Narren, die zu wenig wissen und ein drittes Mal über die Älteren, die zu viel wissen. Und all das erlebt und erfährt Fredrika an diesem Wochenende, in einer Sommernacht. Zum Schluss stirbt die geliebte, erfahrene Großmutter, über ihr das Lächeln der Sommernacht, verkörpert durch einen spektakulären Sternenhimmel.

Den Welthit dieses Musicals „Send in The Clowns“ singt die auch darstellerisch herausragende Sigrid Hauser ergreifend sensibel. Das gesamte Ensemble wirkte in Darstellung, Sprache und Gesang excellent. In der Besetzung wurden die Altersunterschiede der Paare perfekt beachtet. Die Jungen wirkten frisch und jung. Souverän die Patriarchin. Eine gelungene Produktion des Gärtnerplatztheaters unter der Regie von Josef E. Köpplinger

Ein schöner, amüsanter Sommerabend im Winter, der zu Herzen geht, endete im Cuvilliéstheater mit großem Beifall des Publikums für Darsteller und Orchester des Gärtnerplatztheaters   IOCO / D. Zimmermann / 10.02.2016.

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