München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Salon Pitzelberger von Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 21.01.2016

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle
Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle

Salon Pitzelberger oder Eine musikalische Soiree in der Vorstadt

Jacques Offenbachs komödiantischer Einakter Salon Pitzelberger hatte schon viele Namen. 1861 in Paris als M. Choufleuri restera chez lui le.. (Herr Blumenkohl wird am…. zu Hause sein) komponiert, hatte das Stück am 4. November 1865 als Eine musikalische Soirée in der Vorstadt  in Deutschland seine Uraufführung; zur Eröffnung des Actien-Volkstheater, Vorgänger des heutigen Gärtnerplatztheaters. 150 Jahre vergingen seither. Im Jubiläumsjahr 2016, zur Erinnerung an „damals als Alles begann“, wurde Salon Pitzelberger durch das Gärtnerplatztheater neu inszeniert. Da die Sanierung des Gärtnerplatztheaters noch nicht abgeschlossen ist (klammheimliche, unbestimmte  Sorgen  umwehen eingeweihte Münchner) fand die Neuinszenierung von Salon Pitzelberger  in der Ersatzspielstätte Reithalle statt. Zu wünschen ist, dass  Salon Pitzelberger, etwas angepasst, auch im Herbst 2017 zur Wiedereröffnung des Gärtnerplatztheaters auf dem Spielplan steht,

München Gärtnerplatztheater / Salon Pitzelberger Ensemble © Christian POGO Zach
München Gärtnerplatztheater / Salon Pitzelberger Ensemble © Christian POGO Zach

So wurde Salon Pitzelberger zu einem Appetizer auf die bevorstehende Faschingssaison. In Salon Pitzelberger wird parodiert, verkleidet und komödiantisch gespielt, begleitet von beschwingter Musik. Das Orchester unter Jürgen Goriup spielte exzellent und gab dem Stück Offenbachiadische spielerische Leichtigkeit. Regisseurin Magdalena Schnitzler gelang eine wunderbare Parodie auf das heutige Musiktheater, auf die Münchner Schickeria und ließ auch große Komponisten wie Bellini oder Donizetti nicht unkommentiert; auch wenn der textliche Sprung in die heutige Zeit nicht immer ganz reibungslos gelang. Das Bühnenbild von Jessica Marquardt unterstreicht Sommerliches mit reizvollem Flair, irgendwo zwischen 1865 und heute, zeitlich unbestimmt angesiedelt.

München Gärtnerplatztheater / Salon Pitzelberger Ensemble © Christian POGO Zach
München Gärtnerplatztheater / Salon Pitzelberger Ensemble © Christian POGO Zach

Herr Pitzelberger (Holger Ohmann), ein angeberischer Münchner Herr Neureich, mit sehr wohltimbriertem kräftigem Bass, möchte nach oben in die gehobene Gesellschaft. Dafür engagiert er die drei höchst prominenten Opernsänger Placebo Dominango, Anja Nitritko und Igor Leviov. Leider jedoch sagen alle drei ab und dazu auch noch einige der honorigsten Gäste. Welch eine Blamage! Aber die Pitzelberger wollen ihren musikalischen Salon retten, indem sie selbst die Gesangspartien der geladenen Sänger übernehmen. Zu den Pitzelbergern gehören auch noch Schwester Ernestine (Elaine Ortiz Arandes) und deren mittelloser Künstler-Verlobter (Juan Carlos Falcon) mit dem lautmalerischen Namen Carlos Rodriguez Parsifal Canefas. In Turban und in Ritterrüstung – die Spitzelbergers glauben, dies gehöre zum Auftritt auf großen Bühnen – werden Bellini, Verdi, Donizetti persifliert, auch die Münchner Hautevolee oder vermeintlich göttliche Opernsänger. Elain Ortiz Arandes parodiert die Große Operndiva Anja Nitritko hervorragend; Holger Ohmann und Juan Carlos Falcon bekämpfen sich gesanglich und körperlich; eben wie man meint, daß es in einer richtigen Oper geschehe. Die geladenen Gäste amüsieren sich glänzend.

Paris / Grabmal Jacques Offenbach © IOCO
Paris / Grabmal Jacques Offenbach © IOCO

Komödiantischer Höhepunkt ist auch der Wunsch der zwei Bediensteten Frau Brösel (Frances Lucey) und Frau Petermann (Ann Katrin Naidu) nach mehr Geld; für all die harte Arbeit mit den vielen geladenen Gästen. Gesungen wird zu Offenbachscher Can-Can, Walzer oder Bolero aber man hört auch Money, Money; reizvoll gesungen und choreographiert.

Natürlich gibt es ein Happy End. Die zu höherem berufene ehemalige Bedienstete Frau Petermann entlarvt allen Spektakel, ihr gelingt der Aufstieg zum Notar. Auch Herr Pitzelberger hat genug von „seinem“ Theater und bittet geläutert Frau Brösel um ihre Hand. Ernestine darf auch ihren mittellosen Musiker heiraten. Ein großartiges Ende, alle sind glücklich! Das Publikum, auch glücklich, feierte Ensemble und Orchester mit der Hoffnung, spätestens im Herbst 2017 und einem etwas angepassten Salon Pitzelberger in das schöne Stammhaus Gärtnerplatztheater zurückzukehren.

IOCO / D. Zimmermann / 21.01.2016

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