Münster, Theater Münster, Cavalleria Rusticana und Der Bajazzo begeistern, IOCO Kritik, 06.07.2016

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk
Theater Münster © Rüdiger Wölk

 Opern-Duo Cavalleria Rusticana und Der Bajazzo

Liebe, Eifersucht und Ehrenmord

VON HANNS BUTTERHOF

Hochdramatische Liebe, Eifersucht und Mord aus gekränkter Männerehre sind die gemeinsamen Themen von Pietro Mascagnis einaktiger Oper „Cavalleria Rusticana“ und Ruggero Leoncavallos Zweiakter „Der Bajazzo“. An Münsters Großem Haus begeistert die seit ihrer Entstehung um 1890 üblich gewordene Aufführung im Doppelpack.

Münster / Theater Cavalleria Rusticana © Oliver Berg
Münster / Theater Cavalleria Rusticana © Oliver Berg

Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ ist eine tragische Liebesgeschichte, in der statt der Liebe die bäuerliche Sitte triumphiert. Die Ehe der schönen Lola (Lisa Wedekind) mit dem bäurischen Alfio (Michael Bachtadze) ist ein ebensolcher Irrtum wie die Verlobung des bürgerlichen Turiddu (Adrian Xhema) mit Santuzza (Jennifer Feinstein). Schon zur Ouvertüre lieben sich Lola und Turiddu, leidenschaftlicher in der Musik als auf dem Bett seines Hauses, in das man von allen Seiten hineinsehen kann (Bühne: Barbara Bloch). Flehend fällt Santuzza Turiddu zu Füßen, um ihn zurückzugewinnen. Als das misslingt, verrät sie Alfio voller Hass das ehebrecherische Verhältnis seiner Frau. Im Duell der beiden Männer, das nach dem bäuerlichen Ehrencodex unausweichlich ist, wird Turiddu getötet.

In der heute etwas befremdlichen Ehrenmordgeschichte begeistert Jennifer Feinstein als hochdramatisch von Demut in Hass kippende Santuzza wie Lisa Wedekind als lockend leichte Lola. Adrian Xhema gibt Turiddu auch in seiner Gereiztheit mit gepflegtem Tenor, Michael Bachtadze den Alfio mit männlich klarem Bariton. Der Chor (Einstudierung: Inna Batyuk) bekommt für sein Kirchenlied im Weihrauch Szenenapplaus.

Münster / Theater Bajazzo © Oliver Berg
Münster / Theater Bajazzo © Oliver Berg

Der stimmig in ein Theatergastspiel von heute versetzte „Bajazzo“ Leoncavallos ist thematisch eingängiger als die „Cavalleria Rusticana“. Weil ihn seine junge Frau Nedda (Sara Rossi Daldoss) verlassen möchte, bringt Casio (Adrian Xhema), Prinzipal einer fahrenden Theater-Truppe, sie in blinder Eifersucht und Gekränktheit um. Es war keine Liebe zwischen Nedda und dem für sie zu alten Casio, der sie nicht loslassen kann. Sara Rossi Daldoss zeichnet Nedda mit weichem Sopran berührend als Frau zwischen Abhängigkeit und Freiheitsdurst; die Verführung Silvios (Birger Radde), mit dem sie fliehen will, geht von ihr aus. Aber auch Xhema nimmt mit Belcanto in der traurigen Bajazzo-Arie des enttäuschen Casio für sich ein.

Beide Opern sind von mitreißender Italianita und durch das ausgewogen gut besetzte Gesangs-Ensemble und im Bühnenbild fein miteinander verknüpft. Fabrizio Ventura dirigiert das Sinfonieorchester Münster bei aller zum Verismo der beiden Komponisten gehörigen Dramatik sängerfreundlich und melodieselig, und erhält nach etwa drei Stunden italienischen, deutsch übertitelten Gesangs mit den Solisten und dem Chor den ungeteilten Beifall des Publikums. IOCO / HANNS BUTTERHOF / 06.07.2016

Zum letzten Mal in dieser Spielzeit am 8.7.2016 um 19.00 Uhr

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