Münster, Theater Münster, Die Nibelungen von Friedrich Hebbel, IOCO Kritik, 08.10.2016

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Theater Münster

Die Nibelungen im Theater Münster:  Das Nibelungenlied galt lange als deutsches Nationalepos. Frank Behnkes Fassung von Friedrich Hebbels Tragödie „Die Nibelungen“ am Großen Haus des Theaters Münster zeigt die allgemeingültige Seite der Geschichte als eine konsequente Kette schuldhafter Verstrickungen bis zum Untergang.

Theater Münster © Rüdiger Wölk
Theater Münster © Rüdiger Wölk

“Stufe für Stufe zum Untergang”

Begeisterte Aufnahme von Hebbels Tragödie Die Nibelungen

von HANNS BUTTERHOF

Theater Münster / Die Nibelungen - Kriemhilde und Brünhilde (Oben), Ensemble © Marion Bührle
Theater Münster / Die Nibelungen – Kriemhilde und Brünhilde (Oben), Ensemble © Marion Bührle

Das Nibelungenlied galt lange als deutsches Nationalepos. Frank Behnkes Fassung von Friedrich Hebbels Tragödie „Die Nibelungen“ am Großen Haus des Theaters Münster zeigt die allgemeingültige Seite der Geschichte als eine konsequente Kette schuldhafter Verstrickungen bis zum Untergang.

Peter Scior hat dafür eine beeindruckende Bühne gebaut. Eine gewaltige Treppe, die sich trichterförmig verengt, führt aus dem Orchestergraben bis weit nach oben und lässt den Figuren, die um jeden Preis hinauf und die Ersten sein wollen, keinen Raum für eine persönliche Entfaltung.

Diese Treppe stürmt der junge Siegfried in goldglänzendem Anzug (Kostüme: Bernhard Niechotz) hinauf. Er überrennt die in ihren angestaubten Anzügen ziemlich heruntergekommenen Burgunder. Die können nur durch einen betrügerischen Handel mit Siegfried neuen Glanz gewinnen: Der etwas einfältige, aber übermenschlich starke Siegfried (Garry Fischmann) bekommt von König Gunther (Janco Lamprecht) dessen püppchenhafte Schwester Kriemhild (Claudia Hübschmann). Dafür verschafft Siegfried dem über seine Kräfte hinaus anspruchsvollen Gunther  die Königin von Isenland, Brunhild (Sandra Bezler). Das funktioniert aber nur, weil Siegfried im Schutz seiner Tarnkappe die übernatürlich kräftige Brunhild an Stelle von Gunter besiegt.

Theater Münster / Die Nibelungen - vlnr Kriemhild, Siegfried, Hagen, König Gunther © Marion Bührle
Theater Münster / Die Nibelungen – vlnr Kriemhild, Siegfried, Hagen, König Gunther © Marion Bührle

Aus dem Betrug entwickelt sich die Tragödie mit alternativloser Konsequenz. In einer starken Szene, in der sich Kriemhild und Brunhild auf der Treppe Stufe für Stufe in einen Streit um den Vorrang hineinsteigern, fliegt der Betrug auf. Brunhild will Genugtuung, und Hagen Tronje (Jonas Riemer) vollzieht sie, an falscher Stelle seiner Königin treu, mordend an Siegfried. Da die Komplizen Hagens um König Gunther nicht Gericht über den Mörder halten wollen, nimmt Kriemhild die Rache in ihre eigenen Hände. Sie heiratet den Hunnenkönig Etzel und lädt die Burgunder, die sich Siegfrieds Schätze und den Namen „Nibelungen“ angeeignet haben, zu sich ein. Die in letzter tödlicher Treue zueinander Stehenden vernichtet sie mit Etzels Kriegsmacht in einem grässlichen Blutbad bis auf den letzten Mann.

Behnkes schlüssige, weitgehend auf realistische Darstellung verzichtende Münsteraner Fassung stellt die Unausweichlichkeit der Katastrophe in den Vordergrund, die sich aus dem ersten betrügerischen Handeln wie schicksalhaft vollzieht. Für Menschlichkeit und Vernunft bleibt da kein Platz, ein Befund, der auf kein Land beschränkt ist und keine Aktualisierung braucht.

Das Ensemble bewältigt Hebbels gewaltigen Text und die Übermacht der Bühne beachtlich, und erhielt mit dem Regieteam nach dreieinhalb Stunden den langen, begeisterten Beifall des Premierenpublikums.  IOCO / Hanns Butterhof / 08.10.2016

Theater Münster – Die Nibelungen: Weitere Vorstellungstermine 11.11.2016,  21.11.2016 jeweils 19.30 Uhr, am 9.11.2016 um 15.00 Uhr.

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