Münster, Theater Münster, Premiere Faust von Charles Gounod, IOCO Kritik, 24.9.2016

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Theater Münster

 “Mephisto ist auch ein lustvoller Verführer, der die sittsame Marguerite für die Liebe zu Faust erwärmt. Sinnlich berührt er sie, wenn er ihr zur Freude edlen Schmuck und einen prächtigen Fuchspelz umhängt. Bei aller sonst überlegen ironischen Distanz zeigt er einmal auch sein böses Gesicht. In schwarzer Bischofstracht verweigert er gnadenlos der sündigen Marguerite, die von Faust geschwängert und verlassen wurde, die  Absolution.”

Theater Münster © Rüdiger Wölk
Theater Münster © Rüdiger Wölk

“Das Böse geht von den Menschen aus”

Premiere  Faust  von Charles Gounod

Von  HANNS BUTTERHOF

Charles Gounods „Faust“-Oper müsste am Großem Haus des Theaters Münster „Méphistophélès“ heißen. Im rot glitzernden Frack zieht er als Direktor eines kleinen Theaters auf der Bühne den Vorhang auf für die tragische Liebesgeschichte von Faust und Marguerite, in der er, nicht Faust, die Hauptrolle spielt.

Theater Münster / Faust von Charles Gounod - Mephisto verführt Marguerite und Faust © Oliver Berg
Theater Münster / Faust von Charles Gounod – Mephisto verführt Marguerite und Faust © Oliver Berg

Der Mephisto des überragenden Gregor Dalal ist unendlich facettenreich. Selbstverliebt in seine Künste zaubert er dem alten Zausel Faust (Paul O’Neill) das Bild der wunderbar in sich ruhenden Marguerite (Henrike Jacob) vor Augen. Daraufhin stößt dieser in seiner muffigen Gelehrtenstube (Bühne und Kostüme: Dietlind Konold) sofort seine verstaubten Folianten von sich und verschreibt seine Seele dem Teufel, seiner Verjüngung und sexuellen Kräftigung wegen.

Mephisto ist auch ein lustvoller Verführer, der die sittsame Marguerite für die Liebe zu Faust erwärmt. Sinnlich berührt er sie, wenn er ihr zur Freude edlen Schmuck und einen prächtigen Fuchspelz umhängt.

Bei aller sonst überlegen ironischen Distanz zeigt er einmal auch sein böses Gesicht. In schwarzer Bischofstracht verweigert er gnadenlos der sündigen Marguerite, die von Faust geschwängert und verlassen wurde, die  Absolution.

Theater Münster / Faust von Charles Gounod - Mephisto und Faust © Oliver Berg
Theater Münster / Faust von Charles Gounod – Mephisto und Faust © Oliver Berg

In Aron Stiehls schlüssiger Inszenierung ist der ständig seine Kostümierung verändernde Mephisto zwar eine starke Bühnenfigur, die Dalal bravourös mit stimmlicher Bandbreite vom abgründigem Bass bis zum verführerisch geschmeidigen Bariton ausfüllt. Aber er ist nur das Sinnbild für die unendlichen Varianten der Sehnsucht und Gier, Schwächen und Lüste, mit denen die Menschen das Böse ganz ohne Teufel in die Welt bringen. Sexuelle Lust fesselt Faust an Mephisto, Geldgier treibt die Menge dem Bösen zu, Schmuck und der Wille zur Pracht lassen selbst Marguerites Bollwerk der Sittsamkeit einstürzen. Sie wird am Ende nur durch ihre unerschütterliche Liebe und den Glauben an einen gütigen Gott vor der Verdammnis gerettet.

Stefan Veselka und sein Sinfonieorchester lassen Gounods ganzen melodischen Wohlklang aufblühen. Gefällig ist selbst Mephistos gespenstisches Rondo vom Goldenen Kalb, anrührend  Marguerites Ballade vom König in Thule und ihr Liebesduett mit Faust. Wuchtig klingen die von Inna Batyuk einstudierten Chöre meist aus aufklappenden Fensterchen zu beiden Seiten von Mephistos Theater.

In dem gut besetzten Ensemble überzeugen gesanglich wie darstellerisch Henrike Jacob, der nach einigen Anlaufschwierigkeiten mit etwas kühlem Tenor brillierende Paul O’Neill, die einnehmend weiche Lisa Wedekind als Siébel und Filippo Bettoschi als Valentin mit kräftigem Bariton selbst im Sterben.

Mit lang anhaltendem, im Stehen dargebrachten Beifall feierte das Premierenpublikum nach drei Stunden die runde, auf drei Akte verdichtete, französisch gesungene und deutsch übertitelte Aufführung. Von  HANNS BUTTERHOF

Theater Münster, Faust von Charles Gounod:  Die nächsten Termine: 25.9., 6., 8., 23.10.,  20. und 29.11. und 2.12.2016  jeweils 19.30 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

 

 

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