München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Anna Bolena – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 07.12.2021

Staatstheater am Gärtnerplatz / Anna Bolena hier Jennifer O’Loughin als Anna Bolena © Marie-Laure Briane
Staatstheater am Gärtnerplatz / Anna Bolena hier Jennifer O’Loughin als Anna Bolena © Marie-Laure Briane


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach
Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Anna Bolena – Gaetano Donizetti

– Tragik, Dramatik – gefasst in ergreifendem Belcanto –

von Daniela Zimmermann

2 G+, das muss man erst einmal bewältigen! Die Schlange neben dem Theater am Gärtnerplatz zur Teststation ist entsprechend groß, aber, wenn man alles überstanden hat, Einlass bekommt und in dem halbleeren Theater sitzt, fühlt man sich richtig auserwählt. Ob bei diesen Vorkehrungen, so viel Abstand notwendig ist, mag dahin gestellt sein. Abstand war überall auch auf der Bühne und im reduzierten Orchester.

Gaetano Donizetti (1797 – 1848) hat 1830 für das Theatro Carcano in Mailand diese hinreißende Musik zu Anna Bolena komponiert, das Libretto schrieb Felice Romani zu Anna Bolena. Die Geschichte der Oper ist traurig dramatisch und geschichtlich wahr. Seit der Uraufführung ist die Oper ein großer Erfolg; bis  heute findet man sie auf allen Bühnen der Welt. Im Staatstheater am Gärtnerplatz  wurde Anna Bolena nun inszeniert – aber halbszenisch.

ANNA BOLENA Interview mit Jennifer O’Loughlin
youtube Gärtnerplatztheater
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Die Handlung: Die junge Anna Bolena, Königin und  zweite Ehefrau von König Heinrich VIII. von England quälen Ahnungen, dass ihr in Liebesgeschichten unstetiger Ehemann das Interesse an ihr verloren hat und seine Liebe bereits einer anderen gilt. Und dem ist tatsächlich so. Um frei zu werden, erdenkt sich  König Heinrich eine List: Er bringt seine Anna mit ihrem früheren Geliebten Lord Riccardo Percy zusammen, der, nach der Heirat  Annas ins Ausland verbannt, wieder zurückkehren darf. Beglückt sieht er sie wieder und gesteht ihr seine noch immer großen Gefühle. Beobachtet werden sie bei ihrem Treffen von dem Pagen Smeton, selbst ein Verehrer seiner Königin. Das Treffen fliegt auf und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Smeton gesteht als Zeuge, intrigiert vom König, Unwahrheiten welche ausreichen, um  Anna und Lord Percy der Untreue zu bezichtigen und zum Tode zu verurteilen.

Das Bühnenbild dominiert – zunächst im Bühnenhimmel – eine mächtige, goldene Krone, welche sich situationsgerecht senkt und steigt: Allgegenwärtig, als Zeichen von Macht, der Versuchung, aber auch des Glanzes und der Verheißung. Das Bühnenbild wird durch Videoprojektionen gestaltet. (Meike Ebert, Raphael Kurig). Die großen Schloss Fenster widerspiegeln durch farbliche Variationen und Unwetter Gestaltungen die Stimmung im Schloss und im Tower. Eisige Kälte zu Beginn, Schneefall und zum traurigen Ende die dunkelsten Wolken überhaupt und wieder Schneefall.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Anna Bolena hier Jennifer O’Loughin als Anna Bolena © Marie-Laure Briane
Staatstheater am Gärtnerplatz / Anna Bolena hier Jennifer O’Loughin als Anna Bolena © Marie-Laure Briane

im ausfürlichen Interview-Video oben, glänzt mit Koloratursopran ist von leuchtend hellem Klang. Selbst in den höchsten Höhen klingt sie wundervoll leicht und schön. Ihr Auftreten und singen ist, königlich. Giovanna Seymour, noch Annas Rivalin, aber, letztlich, die dritte Frau Heinrich VIII., dargestellt von Margarita Gritskova glänzt mit einem mächtigen, kraftvollen Mezzosopran. Heinrich VIII. singt Sava Vemic, groß und schlank mit einem herrlichen, warmen Bass, ist er der König. Lord Percy (Lucian Krasznec) als mutiger und aufrichtiger Liebender; sein lyrischen Tenor, von großer Feinheit und Schönheit. Auch die kleineren Rollen, Lord Rochefort (Timos Sirlantis), Smeton (Lena Belkina ) waren wunderbar besetzt.

Das Volk, der Chor des Staatstheaters, schlicht in Abendkleidung, im Hintergrund auf Podesten verteilt, mit Abstand. Die Podeste höhenmäßig verstellbar. Der Chor ist immer eine perfekte Begleitung, Ergänzung der Solisten.

Halbszenisch, d.h. es wurden Passagen teilweise szenisch gespielt und gesungen, dann aber auch wieder konzertant mit Notenpulten. Die Notenpulte wurden auch ständig hin und her verräumt, dazu das Spielerische, was die ganze Aufführung total lebendig wirken ließ. Die Kostüme, ganz im alt-klassischen Tudor Stil, gestaltet von Inge Schäffner, waren besonders dekorativ. Dunkel, schlicht raffiniert und sehr elegant.

Getragen wird die tragisch dramatische Handlung der Oper durch die mitfühlende Musik von Gaetano Donizetti. Howard Arman führt die Solist*innen und das Orchester des Staatstheaters  unauffällig doch differenziert durch die Vorstellung.

Zum krönenden  Abschluss, und nach viel Applaus für die vorangegangene Vorstellung, wurden Jennifer O’Loughin zur Bayerischen Kammersängerin und Lucian Krasznec zum Bayerischen Kammersänger ernannt. Beiden auch ein herzlicher Glückwunsch von IOCO!

Anna Bolena im Staatstheater am Gärtnerplatz; die weiteren Termine – nicht bekannt

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