Osnabrück, Theater Osnabrück, Die drei Lebensalter des Fußballs, IOCO Kritik, 28.04.2017

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd
Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Die drei Lebensalter des Fußballs
Deftiger Abgesang auf den Fußball als Sport in der Umkleidekabine des VfL Osnabrück

Von Hanns Butterhof 

Beim umfassend lohnenden Besuch von Patrick Marbers Fußball-Stück „Der rote Löwe“ sitzt das Publikum in der Spielerkabine des VfL Osnabrück. Dort hat Leonie Kubigsteltig das Stück in der knackigen Übersetzung John Birkes fesselnd inszeniert.
Die Zuschauer sitzen auf den Spielerplätzen dicht um die „Bühne“, die von einer Linie aus dem sahneartigen Schiedsrichterschaum dicht vor ihren Schuhen umrandet wird. Hier prallen mit dem Zeugwart Yates, dem Trainer Kidd und dem jungen Spieler Jordan drei Lebensalter und drei gegensätzliche Charaktere aufeinander.

Theater Osnabrueck / Die drei Lebensalter des Fußballs © Uwe Lewandowski
Theater Osnabrueck / Die drei Lebensalter des Fußballs © Uwe Lewandowski

Thomas Kienast als Trainer Kidd ist ein zynischer Kotzbrocken und arroganter Besserwisser. Er tritt anfangs wie ein Boxer im Bademantel auf (Bühne und Kostüme: Julia Scheurer) und will Erfolg um jeden Preis. Sein Gegenstück ist Yates, der alte Zeugwart des niedrigklassigen Vereins. Ronald Funke bügelt nicht nur im Trainingsanzug hingebungsvoll die Trikots mit dem roten Löwen als Logo, er steht für die reine Hingabe an den Fußball.

Theater Osnabrueck / Zeugwart und Trainer haben den neuen Spieler im Visier © Uwe Lewandowski
Theater Osnabrueck / Zeugwart und Trainer haben den neuen Spieler im Visier © Uwe Lewandowski

Der Konflikt zwischen Trainer und Zeugwart entzündet sich an an dem jungen, neu zum Verein gekommenen hochbegabten Spieler Jordan. Niklas Bruhn gibt ihn als wachen Jugendlichen im Kapuzenpullover, der alles andere als naiv, aber letztlich willensschwach und anfällig für manche Verlockungen ist.
Kidd verlangt von ihm, „mannschaftsdienlich“, gemeint ist unfair zu spielen. Dagegen rät ihm Yates, „sauber“ zu bleiben, wobei erfrischend offen der Zynismus im Fußball-Sport aufgedeckt wird.

Der Konflikt spitzt sich zu, als Kidd Jordan an einen Profiverein verkaufen möchte. Da hauen sich Kidd und Yates schonungslos die eigensüchtigen Motive des je anderen um die Ohren und offenbaren dabei durchaus erheiternd all die Schweinereien, die man dem Profifußball so zutraut. Und als der Verkauf an einer von Jordan verschwiegenen Knieverletzung scheitert, werden Kidd und Yates vom Verein gefeuert; für Yates eine existenzielle Katastrophe, für Kidd nur eine Herausforderung. Jordan, immer wieder gesundgespritzt, darf weiterspielen.

Theater Osnabrueck / Der alte Zeugwart träumt noch vom Fussball als Sport © Uwe Lewandowski
Theater Osnabrueck / Der alte Zeugwart träumt noch vom Fussball als Sport © Uwe Lewandowski

In Marbers bissigem „Roten Löwen“ gibt mit Yates die Generation von Fußballern den Ball ab, für die das Spiel noch Spiel, fast Religion war. Dagegen hat Kidd verstanden, dass es heute beim Fußball nur um Gewinn geht. Aber er hat übersehen, dass nicht der kleine Trainer, sondern der große Investor profitiert, für den alle, auch die immer neuen spielwilligen Talente wie Jordan, nur Investments sind. Steht Yates für die Vergangenheit, Kidd für die Gegenwart und Jordan für die Zukunft des Fußballs, dann stehen die auch in der Spielerkabine des VfL unsichtbaren Investoren für den Tod des Fußballs als Sport.
Was Bruhn, Funke und Kienast in der authentischen Kulisse ohne großen Bühnenaufwand fesselnd darbieten, ist witziges, dichtes Schauspieler-Theater. Nach den 90 Minuten einer vollen Spielzeit ernten sie und das Regieteam dafür den begeisterten Beifall des Premierenpublikums.

Theater Osnabrück:   Die drei Lebensalter des Fußballs,  Die nächsten Termine: 2. und 24.5., 1., 2., 3. und 9.6. jeweils 19.30 Uhr im Stadion Bremer Brücke. Einlass am Kassenhäuschen Nord.

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

 

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