Osnabrück, Theater Osnabrück, Frau Müller muss weg – Komödie von Lutz Hübner, IOCO Kritik, 13.12.2016

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Theater Osnabrück

Osnabrück / EMMA Theater © Theater Osnabrück
Osnabrück / EMMA Theater © Theater Osnabrück

Klassenkampf in der Friedensstadt

Leichte Kost im Emma-Theater mit Hübners Komödie „Frau Müller muss weg“

Von Hanns Butterhof

Ein Elternabend fast wie im wirklichen Leben. In Lutz Hübners Komödie „Frau Müller muss weg“ im Emma-Theater, Osnabrücks Kleinem Haus, entblößen sich bei der Hatz besorgter Eltern auf eine missliebige Lehrerin ziemlich alle Beteiligten gründlich.

Emma-Theater Osnabrück / Frau Müller muss weg- Eltern machen Jadg © Uwe Lewandowski
Emma-Theater Osnabrück / Frau Müller muss weg- Eltern machen Jadg © Uwe Lewandowski

Im Klassenzimmer der 4b einer Grundschule mit Lehrerpult, Wandtafel und putzigen Bastelarbeiten der Schulkinder (Bühne und Kostüme: Christin Treunert) versammeln sich fünf Eltern. Sie sind besorgt, dass ihre Kinder den Übergang aufs Gymnasium nicht schaffen, weil deren Leistungen stark nachgelassen haben. Dafür machen sie die Klassenlehrerin Müller verantwortlich. Per Misstrauensvotum wollen sie diese dazu bewegen, ihr Amt niederzulegen oder sogar wegen „Überforderung“ ganz aus dem Schuldienst auszuscheiden.

Bei diesem Klassenkampf in der Friedensstadt gehen die Eltern erst auf die Lehrerin, dann aufeinander los. Dabei zeigt sich sehr erheiternd, dass alle hinter dem Vorwurf, Frau Müller sei pädagogisch inkompetent, nur die mangelhafte Leistung des eigenen Kindes und den Willen verstecken, dessen Sozialchancen zu wahren. Das wird richtig lustig, wenn die Eltern schließlich offen über ihre eigenen Kinder oder die der anderen herziehen wie die herrische, den Aufstand anführende Personalmanagerin Jessica Höfel (Monika Vivell) oder die nur anfangs zurückhaltende Mutter des autistischen Klassenbesten (Maria Goldmann).

Ganz nebenbei kommt auch die persönliche Lage der Eltern ins Spiel. Hinter der poltrigen Oberfläche des leicht sächselnden Arbeitslosen Wolf Heider (Andreas Möckel) erscheint ein zutiefst gekränkter, anerkennungsbedürftiger Vater. Er projiziert seine eigene Gegenwarts- und Zukunftsangst auf sein Kind wie letztlich auch der aus Wien nach Osnabrück versetzte Ingenieur Patrick Prohaska (Valentin Klos). Der spielt sich gerne als Pragmatiker auf, schrumpft aber unter der Fuchtel seiner Frau Marina (Helene Stupnicki) schnell auf Würstelformat.

Emma-Theater Osnabrück / Frau Müller muss weg- Frau Müller wehrt sich © Uwe Lewandowski
Emma-Theater Osnabrück / Frau Müller muss weg- Frau Müller wehrt sich © Uwe Lewandowski

Christina Dom spielt Frau Müller als sensible, ernsthafte Persönlichkeit. Sie ist sich ihrer pädagogischen Fähigkeiten sicher und wehrt, mit dem Beamtenstatus im Rücken, alle Attacken souverän ab. Erfolgreich dreht sie den Spieß um, macht die gestörten Kinder für die schwierige Lage in der Klasse verantwortlich. Da wird sie einmal schonungslos offen und authentisch, bevor sie türenknallend die Sitzung verlässt. Dass das später von ihr vorgetragene pädagogisches Konzept nur die schwurbelige Pädagogenlyrik enthält, hinter der im wirklichen Leben oft Konfliktscheu oder Karrierekalkül stecken, hätte durchaus deutlicher werden können. Frau Müller weniger zu idealisieren hätte dem Stück gut getan.

Die Regie Dominique Schnizers serviert Hübners „Frau Müller muss weg“ als leichte Kost. Er  räumt dem Satirischen und dem Spiel mit sprachlichen Tabuverletzungen auf Kosten der Figuren den meisten Raum ein. Deren Doppelbödigkeit spielen die Schauspieler in der Bühne Christine Treunerts, die viel Raum für Konstellationen und Koalitionen lässt, genussvoll aus. Aber das Stück bleibt so hauptsächlich auf der privaten Ebene und macht nicht deutlich, dass nicht die Eltern mit ihren Sorgen lächerlich, sondern die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zum Weinen sind, die ihnen erst diese Sorgen machen.

Emma – Theater, Frau Müller muss weg: Die nächsten Termine: 21., 22., 29.12.2016 jeweils 19.30 Uhr, am 31.12. 2016 um 17.00 Uhr

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

 

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