Essen, Philharmonie Essen, Licht und Schatten mit Enoch zu Guttenberg, IOCO Kritik, 12.02.2012

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Kritik

Philharmonie Essen

Philharmonie Essen © PE - Sven Lorenz
Philharmonie Essen © PE – Sven Lorenz

Orchester KlangVerwaltung, Enoch zu Guttenberg  – Licht und Schatten

Kölner Philharmonie / Hanno Müller-Brachmann © Monika-Rittershaus
Kölner Philharmonie / Hanno Müller-Brachmann © Monika-Rittershaus
Kölner Philharmonie / Enoch zu Guttenberg © Kölner Philharmonie
Kölner Philharmonie / Enoch zu Guttenberg © Kölner Philharmonie

Zum ersten Male gastierte das Orchester KlangVerwaltung unter der Leitung von Enoch zu Guttenberg in der Essener Philharmonie.

Das Orchester wurde 1997 von zwei Geigern gegründet unter der Prämisse, die “adäquate Umsetzung der musikalisch außergewöhnlichen Konzeptionen des Dirigenten Enoch zu Guttenberg Ziel gebend zu verfolgen“.

Guttenberg ist seit Jahren ein international gefragter Dirigent. Herausragend geriet seine Zusammenarbeit mit der von ihm 1967 gegründeten Chorgemeinschaft Neubeuern. Seit 1997 ist er künstlerischer Leiter des Orchesters KlangVerwaltung. Das Ensemble brachte an diesem Sonntagnachmittag zwei in der Thematik verwandte Werke zur Aufführung. Mahlers am 29. Januar 1905 in Wien uraufgeführte “Kindertotenlieder“ auf Gedichte von Friedrich Rückert und Anton Bruckners 1884 in Leipzig unter Arthur Nikisch uraufgeführte 7. Sinfonie.

Enoch zu Guttenberg, fränkischer Nobler durch und durch, ist, was Attitüde, Stil und Noblesse angeht, schwer zu toppen. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist ebenbürtig, sie beinhaltet höchste Musikalität, Präzision, ausgeprägtes Stilempfinden und den Willen, ein Optimum an Klang zu erreichen.

Die Wiedergabe der “7. Sinfonie in E-Dur“ war das Ereignis dieses Sonntagnachmittags. Schon die satten Töne der Celli in der Einleitung des 1.

Satzes (Allegro) verströmten Wohlbehagen. Das Tempo Guttenbergs war moderat, wie gefordert. Das Hauptthema klang transparent, dabei nervig und markant. Beim Adagio-Satz faszinierten die plastisch korrespondierenden Gruppen. Gut ausgewogen  waren die Tempo-Vorgaben im Scherzo, vom Orchester sehr musikantisch wiedergegeben.

Noch berührender geriet das Finale. Der energische, selbstbewusste und kämpferische Duktus der Musik, wurde vom Orchester geradezu ekstatisch wiedergegeben. Insgesamt gesehen war alles wie aus einem Guss, so wie das Werk selber. Es ist auch neben der “Sechsten“ die einzige Sinfonie, die nicht umgearbeitet wurde.

Der Bruckner-Sinfonie vorangegangen waren die “Kindertotenlieder“ von Gustav Mahler. Die 5 Gedichte aus dem Nachlass von Friedrich Rückert sind dem Andenken seiner 1833 gestorbenen beiden Kinder gewidmet. Mahler vertonte die ersten drei im Jahr 1901, die beiden letzten 1904.

Es sind tieftraurige, elegische Gesänge und Mahler verdichtet sie mit einer Musik, die den Schmerz noch erhöht. In der Melodik waltet eine seltsame Gebrochenheit, die die romantischen Meister noch ahnen lässt, aber schon auf die Neutöner – wie Schoenberg – hinweist.

Sehr subtil begleiteten Guttenberg und das Orchester den Gesangssolisten Hanno Müller-Brachmann. Es war faszinierend, dem Dirigenten zuzusehen. Guttenberg gab jeden Einsatz und das Orchester folgte akribisch. Aber auch der Solist bekam dessen Fürsorge zu spüren. Müller-Brachmann ist ein exzellenter Sänger. Sein Bass-Bariton mit dem ausgeprägten, markant tönenden Fundament ist flexibel. Immer wieder erfreut seine kolossale Textverständlichkeit. Er weiß bei jedem der Lieder die individuelle Stimmung aufzubauen.

Ein Wermutstropfen trübte doch ein wenig diese vollendete musikalische und gestalterische Leistung. Seine Stimme war makellos im unteren Register und in der Mittellage. Doch im oberen Register wurde sie schmaler, verlor an Farbe und klang angestrengt. Offensichtlich eine Indisposition, gegen die man nicht gefeit ist. Trotz dieser Einschränkung gelang ihm eine tief berührende Interpretation.

Er wurde zu Recht vom Publikum gefeiert, wie auch das fabelhafte Orchester und sein charismatischer Dirigent.

IOCO / UGK / 12.02.2012

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