Rostock, Volkstheater Rostock, Neues Management – Unklare Ziele, IOCO Aktuell, 26.9.2016

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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen
Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Neues Management – Die Ziele bleiben im Dunkeln

 Volkstheater Rostock in der Krise

Richtungskämpfe um die Gestaltung der Theaterlandschaft besitzen in Mecklenburg-Vorpommern den Hauch grimmiger Tradition. Wer fusioniert mit wem? Theater Neustrelitz mit Schwerin? Mit Theater Stralsund? Oder doch Rostock? Vielleicht mit Greifswald? Kulturminister Mathias Brodkorb drohte so der Stadt Rostock mit der Kürzung von Landesmitteln, falls Rostock nicht mit Schwerin kooperiere.

Volkstheater Rostock / Übergangsintendant Joachim Kümmritz © Dorit Gätjen
Volkstheater Rostock / Übergangsintendant Joachim Kümmritz © Dorit Gätjen

Doch auch innerhalb von Rostock blühen teure Richtungskämpfe um die richtige Kunst: Im Sommer 2014 wurde Sewan Latchinian, aus dem Sprechtheater kommend, als Intendant für das dortige Volkstheater verpflichtet. 2015 wurde Latchinian fristlos entlassen, kurz darauf wieder eingestellt. Seiner Vita gemäß beharrte Latchinian unwidersprochen darauf, ein teures Vier-Sparten-Haus mit Sprechtheater zu führen. Die seit langem schwelende Krise der Sprechtheater, Besucherzahlen gehen dort überregional deutlich zurück, blieben Latchinian wie wohl auch der Bürgerschaft Rostock verborgen oder unbeachtet.

Finanznot, Kürzungen im Etat trieben Sprechapostel Latchinian nicht zur Kooperation sondern zu dubiosen Vergleichen mit der Terrororganisation Islamischer Staat. So nutzte Bürgermeister Methling einen Antrag der Fraktion Rostocker Bund / Graue / Aufbruch 09, im Juni 2016 Latchinian erneut fristlos zu entlassen. Kündigungsgründe waren unter anderem die Verletzung von Verschwiegenheitspflichten, unzureichende Planung des Spielplanes 2016/17, Widerstand gegen beschlossene Umstrukturierungs-maßnahmen. Gregor Gysi wird Latchinian in seiner Kündigungschutzklage vertreten und dafür sorgen, daß das Volkstheater demnächst auch am Landgericht Rostock eine große Bühne hat.

Joachim Kümmritz (*1949), ehemals langjähriger Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin, wurde zum 1. August 2016 vom Hauptausschuss der Bürgerschaft Rostock bis 2019 zum Intendant des Volkstheater Rostock bestellt. Ein Konzeptpapier zu den Aufgaben Kümmritz´ am Volkstheater veröffentlichte bisher weder Bürgerschaft noch die Stadt. Stattdessen formuliert Kümmritz gegenüber der Presse seine Aufgaben selbst, oder das, was er dafür hält: “Krieg zwischen allen Beteiligten zu beenden”, die Beschlußlage der Bürgerschaft, “ein Zwei-Spartenhaus”, umzusetzen. Den Spielplan der Spielzeit 2016/17 umzusetzen, so Kümmritz, sei schwierig, da Vertragsverhältnisse teilweise unklar sind und kein Personal eingestellt werden kann.

Volkstheater Rostock / Ralph Reichel, Schauspieldirektor © Dorit Gaetjen
Volkstheater Rostock / Ralph Reichel, Schauspieldirektor © Dorit Gaetjen

Doch mit Kümmritz verstärken ein neuer Schauspieldirektor wie stellvertretender Intendant Ralph Reichel und Prof. Albert Lang als Musiktheaterdirektor das Team am Volkstheater zur Spielzeit 2016/17.

Vorgaben für  den wirtschaftlichen wie künstlerischen Betrieb des Volkstheater  der kommenden Jahre wurden bisher nicht  kommuniziert: Ansagen zur Etatsicherheit, Eigeneinnahmen, Kostenstrukturen, Auslastung fehlen in sämtlichen Verlautbarungen wie im Kümmritz Feststellungen. Kümmritz also nur ein Übergangskandidat?  Das Volkstheater für zwei Jahre im Führungsvakuum ohne Ziele, oder drei oder vier Jahre ?

Ganz genau, so scheint es, weiß das zur Zeit niemand in Rostock. Theater ist in Rostock eben überall: Doch hinter der Bühne und demnächst im Landgericht regiert eine Provinzposse. IOCO / VJ / 24.9.2016

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