Salzburg, Salzburger Festspiele, Cosi fan tutte in der Felsenreitschule, IOCO Kritik, 15.08.2016

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Salzburger Festspiele

Salzburger Festspiele / Felsenreitschule © Salzburger Festspiele Andreas Kolarik
Salzburger Festspiele / Felsenreitschule © Salzburger Festspiele Andreas Kolarik

Cosi fan tutte:  Stimmen schön, Inszenierung bieder

Mozarts letzte und vollkommenste Opera buffa Cosi fan Tutte wurde am 26. Januar 1790 im Wiener Burgtheater uraufgeführt.  Es ist ein eigenartiges Werk, kühl und genau konstruiert mit Hang zum Frivolen. Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo da Ponte hinterfragen nach Figaros Hochzeit und Don Giovanni auch in Cosi fan Tutte den Wert “großer Gefühle”.

Zahllose Beziehungskomödien wurden zu Mozarts Zeit komponiert. Beethoven,zu Cosi fan tutte allerdings reserviert, meinte, „ihm wäre zu dieser unpassenden Geschichte keine Note eingefallen“, Richard Wagner klang ähnlich. Erst im 20. Jh wurde Cosi fan tutte zu einem Welterfolg, verbreitet die Oper in guter Inszenierung noch heute eine zauberhafte Wirkung und Modernität: Herrlicher Arien, ganz opera buffa als Lehrstück über Fallstricke im menschlichen Leben. Scheinbar auf Frauen gerichtet, ist Cosi fan tutte (So tuns alle –  `Frauen´) voll Symmetrie und  eine liebenswerte Charakterstudie über Frauen wie deren meist besserwissenden Männer.

 Salzburg / Felsenreitschule mit Cosi fan tutte © Salzburger Festspiele_Ruth Walz
Salzburg / Felsenreitschule mit Cosi fan tutte © Salzburger Festspiele_Ruth Walz

Sven-Eric Bechtolf inszenierte die drei Mozart – da Ponte Opern der Jahre 1786 -1790 für die Salzburger Festspiele. 2013 machte Cosi fan tutte im Haus für Mozart den Anfang. 2014 folgte Don Giovanni, 2015 Le nozze di Figaro. Doch alle Bechtolf –  Inszenierungen fanden nur mäßige Anerkennung. 2016 wanderte die 2013 inszenierte Cosi fan tutte  in die neue Spielstätte Felsenreitschule. Bechtolf schuf als Bühnenbild, eigentlich ist es keines, ausrollbare wie gut zu handhabende Wandschirme mit südländischen (Neapel) Landschaftsmotiven (Bild). Das Ganze  wirkte uncharmant, nicht ganz fertig geworden. Auffallend gut das Spiel mit dem Licht (Friedrich Rom), stimmungsaufhellend wirkend. Die Kostüme des Ensembles (Marc Boumann) ergänzen in historisch korrekter Biederkeit die brave Inszenierung. Doch wenig Esprit, kein Feuer lodert während der langen Aufführung. Emotionen erzeugt Bechtolf mit seiner Inszenierung nur wenig. Mozarts blitzende Komposition verblasst in solch treuherzigem Ambiente.

Ottavio Dantone und das Mozarteum Orchester glänzen umso spürbarer: Souverän, frisch und einfühlsam begleitete er die Sänger bei den Arien, immer bereit, ihnen Zeit zu geben,  sich vokal zu entfalten und dem musikalischen Fluss der Komposition gerecht zu werden, Mozart hörbar zu machen.

Salzburger Festspiele / Cosi fan tutte - Ensemble © Salzburger Festspiele - Ruth Walz
Salzburger Festspiele / Cosi fan tutte – Ensemble © Salzburger Festspiele – Ruth Walz

Sind alle Frauen untreu? Cosi fan tutte heisst das Spiel, denn Verzeihen ist so schön ist. Hemmungsloser Drahtzieher dieser Verwechslungskomödie ist Michael Volle mit großartiger Stimme als Don Alfonso. Er wettet auf die Untreue der reizenden Schwestern; triumphiert sogar, als sein Plan aufgeht. Ein gewissensloser Intrigant ohne Grenzen. Michael Volle geniesst die Partie,  er spielt und singt so gut  wie man es besser nicht machen kann.  Unterstützt wird er dabei von Despina, der Kammerzofe (Martina Jankova), die recht unbekümmert, fröhlich mit weichem Sopran ihre Rolle spielt und ohne moralische Bedenken dies verwerfliche (?)  Unternehmen  mit steuert und fördert. „Ohne Liebe kann man leben, ohne Liebhaber nicht“.  Doch das böse Spiels  hat sogar ein happy End, man singt, „Glücklich der Mensch, der jede Sache von der guten Seite nimmt“. Denn alle sind gleich betroffen, Frauen wie intrigante Männer!

Salzburger Festspiele / Cosi fan tutte - Julia Kleiter © Salzburger Festspiele - Ruth Walz
Salzburger Festspiele / Cosi fan tutte – Julia Kleiter © Salzburger Festspiele – Ruth Walz

Die beiden liebenswerten Schwestern Fiordiligi (Julia Kleiter) und Dorabella (Angela Brower) sind die fehlgeleiteten und enttäuschten Opfer dieser Intrige. Beide Damen sind erstklassig besetzt, sowohl stimmlich als auch in Ausstrahlung. Julia Kleiters strahlender Sopran harmonierte bestens mit dem schönen  Mezzo von Angela Brower, die damit ein erfolgreiches Debut in Salzburg gab. Die Herren Ferrando (Mauro Peter) und Guglielmo (Alessio Arduini) sind sowohl fesche Soldaten als auch verkleidete Türken, die Damen garnicht genug Avancen machen können. Auch sie werden ihren Partien stimmlich bestens gerecht.  

Doch echte Spannung, wie viele Veranstaltungen der Salzburger Festspiele bieten, fehlte dieser Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf; zu brav belanglos lief Mozarts Verwechslungskomödie ab. Doch ein gutes Dirigat wie schöne Stimmen sorgten, am Beifall gemessen, für ein halbwegs zufrieden gestelltes Publikum. IOCO D. Zimmermann / 15.08.2016

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