Wien, Burgtheater, Karin Bergmann neue Intendantin, IOCO Aktuell, 21.03.2014

Burgtheater Wien

Burgtheater Wien © IOCO
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Kriselndes Burgtheater mit neuer Chefin
Ex-Intendant Hartmann erstattet Selbstanzeige

Der österreichische Kulturminister Josef Ostermayer wurde von tosendem Beifall überschüttet, als er am 19. März 2014 im krisengeschüttelten Burgtheater auf die Bühne trat. Was er verkünden würde war bereits bekannt: Karin Bergmann, 60, wird als interimistische Intendantin das Burgtheater bis zum Ende der Spielzeit  2015/16 leiten. Sie folgt damit  dem fristlos entlassenen Matthias Hartmann.  Ein wahrhaft “fliegender Wechsel”. Dem Wechsel war eine monatelange Schlammschlacht vorangegangen.
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Karin Bergmann ist ein Urgewächs des Burgtheaters: 1986 wurde die Recklinghäusenerin als Pressesprecherin des konfliktfreudigen Burg-Intendanten Claus Peymann nach Wien engagiert. 1993 wechselte Bergmann als Direktionsmitglied und Pressesprecherin an die Vereinigten Bühnen Wien (VBW). 1996 wurde Klaus Bachler ihr Wiener Mentor, welcher sie 1999 an die dortige Volksoper holte. 1999 wurde Bachler Intendant des Burgtheaters. Karin Bergmann dorthin als stellvertretende Direktorin. Bergmann blieb am Burgtheater bis zum Ende der Spielzeit 2009/10. Die  Spielzeit 2009/10 leitete Bergmann am Burgtheater bereits weitgehend allein, Klaus Bachler hatte sich schon weitgehend nach München verabschiedet.
Burgtheater Wien / Karin Bergmann, Strasser, Ostermayer © BKA Andy Wenzel
Burgtheater Wien / Karin Bergmann, Strasser, Ostermayer © BKA Andy Wenzel
Das Schauspielensemble des Burgtheater schätzt Karin Bergmann. Der Jubel zu ihrer  formalen Bestellung war eindeutig. Erstmals steht zudem in Wien eine Frau an die Spitze eines großen Theater. Bergmann weiß, was sie erwartet und meint, Ideen, wie die schwierige Lage des Burgtheaters zu beheben ist,  habe sie auch schon.  Der 72-jährige Hermann Beil, früherer Co-Direktor des Burgtheaters, unterstützt sie ehrenamtlich. Zur Zukunft des Burgtheaters meinte Minister Ostermayer vielsagend “Ich weiß nicht, ob das Haus sich das (NB: was in der Vergangenheit produziert wurde) leisten kann“, oder konkret,  Schmalhans ist in den nächsten Jahren wohl Küchenmeister am Burgtheater.
Derweil hat der wegen angeblicher Pflichtverletzungen als Intendant des Burgtheater fristlos entlassene Ex-Burg-Intendant Matthias Hartmann bei den Finanzbehörden in Österreich und der Schweiz Selbstanzeige erstattet. Die Wiener Blätter titulieren Matthias Hartmann als “Uli Hoeneß des Kulturbetriebs” und recherchieren akribisch vergangenes persönliches wie geschäftliches Finanzgebaren.
Das Burgtheater wird diese Krise überleben. In den Schlagzeilen wird es wegen anhängiger Untersuchungsausschüsse, Kündigungsschutzklagen und mehr noch lange bleiben..
IOCO / VJ / 21.03.2014

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