Wien, Volksoper, Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit, IOCO Kritik, 14.06.2017

volksoper_wien.JPG

Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO
Volksoper Wien © IOCO

 Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit  von Christian Kolonovits

Von Marcus Haimerl

BaRock-Oper bezeichnet der österreichische Komponist Christian Kolonovits sein Musical Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit, das sich mit dem Leben des venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi beschäftigt. Von seiner Kindheit, über Priesterweihe und seinen musikalischen Aufstieg bis zu seinem Tod in bitterer Armut in Wien, haben Kolonovits und seine Librettistin Angelika Messner Vivaldis Biografie aufbereitet. In der Musik finden sich Zitate aus Vivaldis Die vier Jahreszeiten zu den jeweiligen, nach den Jahreszeiten benannten Teilen des Stücks, ansonsten treffen hier Pop und Klassik aufeinander, eine sehr gefällige Musik mit vielen Ohrwürmern.

In einer Rahmenhandlung kommen die Mädchen der Rockband Vivaldi nach Wien um Noten aus dem letzten Lebensjahr ihres Idols zu finden. Stattdessen finden sie ein Tagebuch von Paolina Girò, der Schwester seiner Muse/Geliebten Annina Girò, die ihn nach Wien begleitet hat. Sie tauchen ein in das Leben Vivaldis. Da Vivaldis Mutter Musik für brotlose Kunst hält, übergibt sie den jungen Antonio an Kardinal Ruffo, der dem Jungen Avancen macht, um ihn zum Priester ausbilden zu lassen. Zum Priester geweiht rettet ihn eine „Weihrauchallergie“ vor dem Priesterdienst und er wird Geigenlehrer der Waisenmädchen des Ospedale della Pietà, die es bedauerlich finden, dass er Priester ist (Ein Jammer , dass er Priester ist). In Annina Girò, die bei ihm Unterricht nehmen möchte, findet er seine Muse. Annina bekommt die Hauptrolle in seinem neuen Stück und der Adel zerreißt sich die Mäuler über den Priester und seine Geliebte. Alsbald ist Vivaldis Stern langsam im Sinken begriffen, Absagen und Auftrittsverbote bestimmen sein künstlerisches Leben. Vivaldi versucht sein Glück in Rom, der Stadt der Kastraten. Bei einem Konzert kommt es zu einem Sängerwettstreit zwischen Annina und dem Kastraten Cafarelli. Annina fühlt sich von Vivaldi verraten und verlässt ihn. Auf dem Karlsplatz lesen die Mädchen die letzten Seiten des Tagebuchs, für sie bleibt die Erkenntnis, dass seine Musik durch sie weiterlebt: das ist die fünfte Jahreszeit.

Volksoper Wien / Vivaldi - Die fünfte Jahreszeit - Morton Frank Larsen im Kardinalskostuem © Markus Patak
Volksoper Wien / Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit – Morton Frank Larsen im Kardinalskostuem © Markus Patak

Für die sehr kluge Regie zeichnete sich der Hausherr Robert Meyer verantwortlich. Die Bühnenbilder von Christof Cremer zeigen, auf einer Drehbühne angeordnet, die Karlskirche in Neonbeleuchtung, eine kleine Kammer Vivaldis in Venedig und für den Hauptteil des Abends ein Bühnengerüst, welches mit Prospekten in den jeweiligen Handlungsort verwandelt wird. Auch die etwas überzeichnenden, grellen, nahezu schrillen Kostüme stammen von Christof Cremer und passen hervorragend zur ganzen Show.

Volksoper Wien / Drew Sarisch als Vivaldi © Johannes Ifkovits
Volksoper Wien / Drew Sarisch als Vivaldi © Johannes Ifkovits

Christian Kolonovits stand auch am Pult des hochmotivierten Orchesters der Volksoper Wien, welches die Musik hervorragend umsetzte. In der Partie des Vivaldi beeindruckte der amerikanische Musical-Star Drew Sarich, der mit seinem beweglichen, facettenreichen Tenor das Publikum zu Jubelstürmen hinriss. Die amerikanische Sopranistin Rebecca Nelson, die an der Volksoper als Qualitätsgarant für klassische bis zeitgenössische Oper, für Operette und Musical gilt, ist in der Rolle der Annina Girò ein weiteres Highlight des Abends. Mit ihrem schönen, schlanken Sopran und der kräftigen Mittellage verzauberte sie das Publikum und der Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme war für sie ein Leichtes. Auch Julia Koci als Schwester Paolina Girò weiß zu überzeugen und begeisterte spätestens bei ihrem Lied Einmal im Leben das Publikum nachhaltig. Mit der ungeheuren Durchschlagskraft seines Baritons ist Morten Frank Larsen ein dämonischer Gegenspieler Vivaldis. Auch Boris Pfeifer als Carlo Goldoni, der Chronist und Spielleiter des Abends, hinterlässt nachhaltig Eindruck und der Countertenor Thomas Lichtenecker als Kastrat Cafarelli ist ein Ereignis für sich. Und auch Sulie Girardi, Wolfgang Gratschmaier und das restliche Ensemble lieferten tadellose Leistungen ab.

Ein Theaterabend, der das Publikum zu Recht nachhaltig beeindruckte, Standing Ovations inklusive.

Vivaldi – Vier Jahreszeiten In Wien – in der Volksoper, weitere Termine: 16.6.2017, 22.6.2017, 24.6.2017, 28.6.2017  –  27.1.2018, 1.2.2017, 11.2.2017

 

Leave a comment