Wien, Wiener Staatsoper, Professionell: Spielplanpräsentation 2009/2010, IOCO Aktuell, 08.04.2009

wien_neu.gif

Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke
Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Staatsoper: Musiktheater mit Charme und Profis

Am  2.4.2009  lud  die Wiener Staatsoper in ihrem Schwindfoyer  zur Pressekonferenz zum Spielplan  2009/2010. Das  Ambiente  des  Raumes   ebenso  bezaubernd  wie  Ioan Holender´s  Präsentation professional und entspannt. Thomas Platzer, kaufmännischer Geschäftsführer, Betriebsdirektorin, Sabine Hödl-Weinberger. Das weitere Management wurde vorgestellt: Michaela Stark, Produktionsleitung, Peter Kozak, Technischer Direktor, die für  die  Dramaturgie  verantwortlichen  Brüder Andreas und  Oliver  Láng  wurden  vorgestellt. Katharina Sedivy als Prokuristin, Margarete Arnold, André  Comploi  für  die Pressearbeit.

Wolfgang Amadeus Mozart_Wiener Stadtbürger © IOCO
Wolfgang Amadeus Mozart_Wiener Stadtbürger © IOCO

Obwohl noch über 15 Monate dabei,  wirft der Abschied von Ioan Holender  bereits  heute  seinen  langen  Schatten.  Ein  Intendant verabschiedet sich,  welcher  über  viele  Jahre  Vorbildcharakter  für  eine  ideale  Intendatenbesetzung   bewiesen  hat.  Dem  es  gelang,  die  Wiener  Staatsoper  dauerhaft  zu  einem  der  führenden  Kulturbetriebe  in  der  Welt   zu  entwickeln.  Stabil,  verläßlich.  Ohne das er  als  Regisseur, Dirigent  oder Musiker allabendlich  zusätzliche Referenzen abräumen  mußte.  So spürte man auch  in dieser Pressekonferenz immer wieder das überregional prägende Wirken Ioan Holenders.  Wie in dem  zarten  Hinweis,  man  habe  Klaus  Florian Voigt  auf  drängendes  Bitten (Betteln ?)  der Berliner Staatsoper kurzfristig  für  die  dort  gefährdete  Lohengrin-Premiere  am 4.4.2009  überlassen.  Wien und Berlin:  Zwei Staatsopern, welche in ihrer internationalen Präsenz Welten trennen.  

” Zum letzten Mal”  so  Holender,  singen die Gralsritter in Wagners  Parsifal  “möge  der Gral enthüllt werden”.  Diesen  Chor  hörte Holender am 1. September 1991  gemeinsam mit Eberhard Wächter.  Und dieser  Chor  wird  auch am  30. Juni 2010  ertönen,  wenn  er  nach 19  Jahren  seine  Tätigkeit beendet.  Was  sonst noch  alles  an diesem 30.6.2010  geschehen wird;  es  wird unzweifelhaft  ein  von  Weltstars  gespicktes  Opernereignis   der  Extraklasse  werden;  neben vielen  Weltstars wie Placido  Domingo  wird  auch der mit dem Staat Österreich etwas über Kreuz liegende Thomas  Hampson auftreten;  ohne Entgelt, so Ioan Holender.

Vier  Premieren wird es in  der  Saison  2009/2010  geben:  Am  23.  Oktober 2009;  Lady  Macbeth  von  Mzensk  von  Dimitri Schostakowitsch;  Reprisen  am  27., 30. Oktober, 2., 5., 9., 12., 15. November.  Und  in  Kooperation mit der Oper Graz. Am  7.  Dezember 2009;   Macbeth  von  Verdi;  Reprisen  am  10., 13., 16., 21., 26.  Dezember  sowie  13., 16., 20., 23., 26. Mai 2010. Am  28.  Februar 2010;   Medea  von  Aribert Reiman; die Uraufführung eines Auftragswerkes der Wiener Staatsoper;  Reprisen  am  3., 6., 9., 12. März 2010. In  Kooperation mit der Oper Frankfurt;  Am  16. Juni 2010;  Tannhäuser  von  Wagner;  Reprisen  am  20., 24., 27.  Juni  2010.  Zu  allen  Premieren wird es  vorab  auch von Andreas und Oliver Láng  geleitete Matineen geben  wie auch von Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann  geführte Diskussionsrunden (im Gustav Mahler-Saal der Wiener Staatsoper).

Eine  Abschiedsmatinee  für Ioan Holender wird es am 20.6.2010  geben.

Vier Musikalische Neueinstudierungen oder Wiederaufnahmen  wird es in 2009 / 2010  geben: Am  14. Dezember 2009; Tristan und Isolde  mit Simon Rattle als Dirigent;  Reprisen am 18., 22. Dezember 2009.   Am  8. Januar 2010  Manon  von Jules Massenet;  u.a.  mit Diana Damrau / Anna Netrebko; Ramón Varagas / Roberto Alagna; Reprisen  am  11., 14., 17. Januar  und am 21. Mai 2010.  Am  10. März 2010;  eine Koproduktion mit dem Teatro Real, Madrid  von  Moses und Aaron  von  Schönberg; Reprisen am 13., 16. März 2010.  Am 3. Mai 2010  musikalische Neueinstudierung  Carmen von Georges Bizet  in  der Inszenierung von Franco Zeffirelli.  Mit Elina Garanca, Anna Netrebko; Rolando Villazón, Ildebrando D´Arcangelo;  Reprisen am 6., 9., 12., 15. Mai 2010.

Am  26. Juni 2010  wird  des eine musikalische Rückschau auf das Werk Ioan Holenders in den Jahren 1991 bis 2010  geben.  157 Premieren – 83 Opern-, 63 Ballettabende, 11 Kinderopern  präsentierte Ioan Holender  in seiner Amtszeit, der längsten in der 140 – jährigen Geschichte der Wiener Staatsoper.  Im  Konzert dieses Abends werden Ausschnitte aus 40 Premierenproduktionen präsentiert.

Im  Kinderopernzelt  auf der Dachterasse  werden am 27. September 2009   Das Traumfresserchen,  am  8.12.2009  Wagners  Nibelungenring  für Kinder,  und  am 8. Mai 2010   die Uraufführung des Auftragswerkes Pünktchen  und Anton  von Iván Eröd  aufgeführt.

Ring-Zyklen gibt es reichlich  demnächst an  der Staatsoper:  Zyklus  1  beginnend am 5.5.2009, Zyklus 2  beginnt am  16.5.2009, Zyklus 3  beginnt am 6.6.2009.  Zyklus 1 der Saison 2009 / 2010  beginnt am 7.11.2009; Zyklus 2  beginnt am 21.11. 2009;  Abschluß der Ring-Zyklen ist mit Zyklus 3,  welcher  am  20.3.2010  beginnt.

Besondere Ereignisse  zur aktuellen Saison 2008 / 2009:

Symposium zum “Ring des Nibelungen”  vom 5. – 6.  Juni 2009,  veranstaltet von der Wiener Staatsoper gemeinsam mit der EMA (Europäische Musiktheater-Akademie  im  Gustav Mahler-Saal  der Wiener Staatsoper.

– Die schweigsame Frau von Richard Strauss  am  18. Juni 2009, die  Wiederaufnahme einer Koproduktion mit der Sächsischen Staatsoper  Dresden

–  Anna Karenina, Ballett  von  Tschaikowsky  am 8. Juni 2009,  eine Übernahme aus der Volksoper; Premiere an der Wiener Staatsoper

Capriccio  von Richard Strauss  wird am  24. Juni 2009 konzertant auf dem Richard Strauss Festival in Garmisch Partenkirchen gegeben.

Auffällig  für  die Pressekonferenz war die Betonung wirtschaftlicher, praktischer Themen der Wiener Staatsoper.  Die  Sitzplatzauslastung  der letzten sechs Jahre war immer über 96 %.   In  der gesamten Ära  Holenders 1991 bis 2008  war die Auslastung immer über  93,5 %. Holender war Profi genug, darauf hinzuweisen, daß Sitzplatzauslastung  kostenlos vergebene Karten  beinhaltet, wichtiger seien verkaufte Karten. Dabei liegt er  etwas unter Budget, welches jedoch durch Donatoren ausgeglichen wird.  3 %  der Einnahmen der Staatsoper von  ca  € 28,8 Mio  werden  über Donatoren  aquiriert,  ein Thema, welches er höchstpersönlich auf seine Fahnen geschrieben  hat.  Lexus als Hauptsponsor hat seinen Vertrag gerade verlängert.  Sponsoren haben laut Holender auch nur sehr geringe Ansprüche auf Freikarten.  Er zielt mit dieser Feststellung deutlich auf  die  Salzbrger Festspiele,  bei denen Sponsoren eine dominante und teils unangenehme Rolle spielen.  Und  möchte vermeiden, daß  an der Wiener Staatsoper in grossem Stil  Karten  von  Sponsoren  erworben  werden,  der Individualbesucher  zu  kurz kommt,  oder  die teilweise  exorbitanten Salzburger Preise von bis zu € 500 pro Karte bezahlen muß.

 Holender erklärte, daß Kartenpreise der Wiener Staatsoper unverändert bleiben.  20.000 Abos  sind für die kommende Saison bereits verkauft.  Hier wird ein Nachlass von ca 25 %  gegeben.  Kritik kam auf an der Tatsache, daß für Abonnements  nur Parkett- und Logenplätze zur Verfügung stehen.  Auch wurde der von einem Besucher aufgebrachte Vorgang diskutiert, daß  Kartenagenturen  in  eigenem Namen  rechtmäßig erworbene  Eintrittskarten zu einem deutlich erhöhten Preis  weiter verkaufen können;  also  z.B.  eine für € 160 erworbene Karte  für €  360.   Laut Thomas Platzer ist ein solcher Vorgang nicht gewünscht aber im Augenblick nicht zu verhindern. Holender  äußerte  großes Unverständnis für solche `Manipulationen´  der Eintrittskarten. Auf jeden Fall werden die Eintrittskarten der Staatsoper ab kommender  Saison geändert:  Auf jeder Eintrittskarte  wird  ein  Bild   aus  der Aufführung  abgebildet. Und damit zu einem  plastischeren Erinnerungsstück  werden.

Wie sehr sich Holender seinem Haus als ganzem verantwortlich fühlt zeigen seine wiederholten Ausflüge in die wirtschaftlichen Realitäten:  Das die Staatsoper durch Ausgliederungen, Koproduktionen und ähnlichem inzwischen € 4,4  Millionen verdient hat. Die Tote Stadt  ist die erfolgreichste  Ausgliederung:  bei Produktionskosten von   €250.000  hat diese Oper bereits  €500.000 eingespielt.   Auch  der CD Verkauf  unter  dem Titel  “Wiener Staatsoper Live”  boomt.  So  präsentierte  Ioan Holender  die Saison 2009 / 2010 realistisch  und  künstlerisch kompetent.

Ab  24. Mai 2009  werden  Aufführungen live  auf einer Videoleinwand vor der Staatsoper  übertragen.  Begonnen wird mit Don Giovanni.

Was  macht Holender nach 2010 ?  Er  lächelte  verschmitzt,  verwies auf sein Alter,  versponn  entspannt  lockere Gedankenschleifen,  verwies  auf  einige Beraterverträge (ohne Partner zu nennen)  und  vermittelte  mit  dieser  Pressekonferenz  in  angenehmer  Weise   hohe  künstlerische  Ansprüche  und  wirtschaftlichen  Realitätssinn.  Und  verzichted  dabei  auf  das  notorisch  lautes  Inszenierungsgeheule  vieler  seiner  Kollegen.  Tu  felix  Wiener  Staatsoper.     IOCO / Viktor Jarosch / 08.04.2009

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *