Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Premiere Alcina, IOCO Kritik, 23.03.2014

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Wuppertaler Bühnen

 Alcina von Georg Friedrich Händel begeistert in Wuppertal

Wuppertaler Bühnen / ALCINA © Wuppertaler Bühnen - Uwe Stratmann
Wuppertaler Bühnen / ALCINA © Wuppertaler Bühnen – Uwe Stratmann

Am vergangenen Sonntag ging im derzeit stark gebeutelten Wuppertaler Opernhaus Georg Friedrich Händels Oper Alcina über die Bühne. Die Premiere am frühen Abend war ausverkauft.

Händel, gebürtiger Hallenser (1685) und Wahlengländer (1712 übersiedelte er nach London), war einer der Großmeister der Barockmusik. Innerhalb von nur wenigen Jahren schuf er mehr als ein halbes Dutzend Opern. 1727 wurde er englischer Staatsbürger.

Wuppertaler Bühnen / ALCINA © Wuppertaler Bühnen - Uwe Stratmann
Wuppertaler Bühnen / ALCINA © Wuppertaler Bühnen – Uwe Stratmann

Alcina wurde am 8. April 1735 vollendet und am 16. April im Londoner Covent Garden Theatre mit stürmischem Erfolg uraufgeführt. Das Libretto ist von Antonio Fanzaglia nach Ludovico Ariosto, bearbeitet von Antonio Marchi. Es fußt auf eine Episode aus Ariosts Vers-Epos Orlando furioso, das eine unerschöpfliche Quelle für die barocke Operndichtung bot und auch Born für weitere Opern Händels war.

Die Zauberin Alcina verführt reihenweise Männer, die auf ihrer Insel landen. Liebhaber, deren sie überdrüssig ist, werden verwandelt in Steine, Tiere oder auch Pflanzen. Auch der Ritter Ruggiero verfällt der Zauberin und vergisst darüber seine Verlobte Bradamante.

Dies ist die Ausgangssituation. Nun geschieht einiges an Verwechselungen, Enttarnungen und Eifersüchteleien. Am Ende des dritten Aktes zerstört Ruggiero Alcinas Zauberkraft, befreit dadurch deren ehemalige Liebhaber und gibt ihnen ihre menschliche Gestalt zurück. Alcinas Macht ist endgültig gebrochen.

Wuppertaler Bühnen / ALCINA © Wuppertaler Bühnen - Uwe Stratmann
Wuppertaler Bühnen / ALCINA © Wuppertaler Bühnen – Uwe Stratmann

Der Aufbau der Story ist typisch für den Spätbarock. Aus einer ohnehin komplizierten Ausgangssituation entwickelt sich eine aus Missverständnissen, Intrigen und Temperamentausbrüchen verwirrend geknüpfte Handlung. Diese wird fast ausschließlich in den Rezitativen vorangetrieben. Die Arien geben fast nur Stimmungen und Befindlichkeiten wieder.

Der Regisseur Johannes Weigand bemühte sich, meist erfolgreich, die fantastische Geschichte spielerisch umzusetzen und den Handlungsablauf plausibel und nachvollziehbar zu gestalten.

Moritz Nitsche lieferte ihm dazu ein schlichtes Einheitsbühnenbild. Hinter der von jedweden Versatzstücken befreiten Spielfläche ist nur ein mit mehreren Öffnungen versehener Vorhang, auf der nicht ganz eindeutig erkennbare Projektionen erfolgen.

Phantasievoll, der Geschichte und dem überbordenden Barock geschuldet, waren die Kostüme von Judith Fischer. Kompliment!

Wuppertaler Bühnen / ALCINA © Wuppertaler Bühnen - Uwe Stratmann
Wuppertaler Bühnen / ALCINA © Wuppertaler Bühnen – Uwe Stratmann

Dem Sinfonieorchester Wuppertal, für dieses Werk auf ein Barockensemble (mit einigen historischen Instrumenten) reduziert, gelang es sehr gut unter der Leitung seines Dirigenten Boris Brinkmann, zumindest im zweiten Teil, barocke Klangpracht zu entfalten.

Tadellos sang der Opernchor der Wuppertaler Bühnen seine hier wenigen Aufgaben (Einstudierung: Jens Bingert).

Die Solisten setzten sich mit den Schwierigkeiten barocken Ziergesangs durchwegs achtenswert auseinander. Es wurde ausgezeichnet gesungen. Noch ist derzeit in Wuppertal ein Ensemble von Sängern vorhanden, das allen Anforderungen des Repertoires gerecht wird.

Die Titel gebende dramatische Koloraturpartie der Zauberin Alcina wurde von Elena Fink mit großer Bravour und stimmlicher Attacke (Ombre pallide) gesungen. Kleine Unstimmigkeiten in den Verzierungen der hohen Stimmlage fielen da nicht ins Gewicht.

Wuppertaler Bühnen / ALCINA © Wuppertaler Bühnen - Uwe Stratmann
Wuppertaler Bühnen / ALCINA © Wuppertaler Bühnen – Uwe Stratmann

Fabelhaft in Kostüm und Maske war Joslyn Rechter ein “rechtes Mannsbild“.

Mit warm getöntem Mezzosopran und intensivem Spiel gestaltete sie den Ruggiero. Die Arie “Verdi prati, selve amene“ wurde zum vokalen Höhepunkt des Abends.

Dorothea Brandt sang die Morgana (Schwester Alcinas) mit milder Sopran-Stimme, in guter Relation zu der dramatischeren Titelgestalt. Sie legte eine bemerkenswerte Spielfreude an den Tag.

Nohad Becker in der Rolle der Bradamante, verfügt über einen feinen, ausdrucksstarken Mezzosopran. Zugewinne im Volumen wären wünschenswert.

Bei Martin Js. Ohu als Bradamantes Erzieher Melisso ist zwar die Basswuchtigkeit vorhanden, wird aber zu klobig eingesetzt.

Gefallen konnten auch Christian Sturm als Alcinas Feldherr Oronte, sowie Annika Boos (mit feinem lyrischem Sopran) als Alcinas Stiefsohn Oberto.

Großen, lang anhaltenden Jubel gab es im Haus für alle Beteiligten.

IOCO / UGK / 23.03.2014

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